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25 Kilo-Wels ersteigert und freigelassen

Fischermeister Lutz Schröder präsentierte den Wels, der ersteigert und dann freigelassen wurde.
Fischermeister Lutz Schröder präsentierte den Wels, der ersteigert und dann freigelassen wurde. © Foto: Balzer
Wolfgang Balzer / 21.08.2017, 11:53 Uhr - Aktualisiert 21.08.2017, 20:35
Ketzin/Havel (MOZ) Fischermeister Lutz Schröder, alljährlich Organisator der traditionellen Fischzüge an der Ketziner Havelpromenade, wurde langsam unruhig. Schon fast eine Stunde dauerte am vergangenen Sonnabend das Einholen des 500 Meter langen Schleppnetzes und außer kleinen Plötzen kein versteigerungswürdiger Fisch im Netz, dafür aber tonnenweise Kraut, das er mit seinen Helfern aus dem Netz puhlen musste. Für alle Fälle hatte die Stadt einen Radlader und Transporthänger für das allerseits unbeliebte aber in diesem Jahr überaus wuchsfreudige Wassergewächs bereitgestellt. "Fischereilicher Unsinn, machen wir nur weil Fischerfest ist", grummelte Schröder.

Zeit also für Moderator Udo Feist, Bürgermeister Bernd Lück ein wenig über das Fischerstädtchen auszufragen. Windräder haben wir genug, uns fehlten Pensionen und Hotels, die bestehenden seien fast ständig ausgebucht, meinte er, musste dann aber zu einer Flasche Klaren greifen. Endlich war das Netz eingeholt und der erste große Zander, so um die fünf Kilogramm, stand zur Versteigerung.

In Ketzin/Havel fand am gesamten Wochenende wieder das Fischerfest statt. Die Besucher kamen erneut  in Scharen...
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Fischerfest im Havelstädtchen

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Dafür gab´s, einer Jahrhunderte alten Tradition folgend, das "Fangwasser" als Belohnung für die Mühen der Fischer. Aale waren auch dabei. 2,5 Kilogramm hob Udo Feist im Kescher in die Höhe. Bei 60 Euro erhielten Mark Brüß und Sebastian Ludwig aus Dallgow, Stammgäste der Fischerfeste, den Zuschlag. "Die wollen wir räuchern", freuten sie sich auf die Delikatesse. Dem Fang des Tages, ein Wels mit geschätzten knapp 25 Kilogramm Gewicht, erging es besser. Norbert Weber, Schmied auf dem benachbarten Mittelaltermarkt, ersteigerte ihn und gab dem sichtlich verdutzten Fischermeister unter dem Beifall der geschätzten 1.000 Zuschauer die Order, den Fisch wieder in die Havel zu entlassen.

Fischerkönigin Lisa-Marie Zessin (17) assistierte bei alledem ganz gelassen. Sie war am Vorabend als Repräsentantin der Havelstadt für die Saison 2017/18 gekürt worden. "Legt an, gebt Feuer", kommandierte der Kommandeur der historischen Salutschützengruppe aus Plau. Mit den donnernden Salutschüssen hatte Freitagabend in einer Regenpause das nunmehr bereits 27. Ketziner Fischerfest pünktlich begonnen.

Geschätzte 30.000 Besucher erlebten ein abwechslungsreiches Programm mit einer gelungenen Mischung aus Tradition und Unterhaltung, das auch Ketziner selbst mitgestalteten. Das über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Ketziner Blasorchester unterhielt die Eröffnungsgäste, die Tanzeleven der Tanzschule Hüftschwung gaben Proben ihres Könnens und auf gleich drei Bühnen wurde Unterhaltung von Rock´n Roll über Line Dance bis modernem Pop geboten. Auf der Bühne des Mittelaltermarktes unterhielten die Gaukler mit Zauberei und Jonglierkunst. Bei der "Wahrsagerey" wurde mit Augenzwinkern ein Blick in die eigene Zukunft gewährt. Wie es sich bei einem Fischerfest gehört, gab´s Fisch in allen Varianten und die Räucheröfen des Fischermeisters smokten pausenlos, um den Bedarf an Räucheraalen und Lachsforellen decken zu können. Sehr viel Lob gab es aus den Reihen der Zuschauer für den überaus bunten einfallsreichen Festumzug am Sonntag, den an die 300 Ketziner für die Stadt und ihre Gäste selbst vorbereitet hatten. Fantasievolle Kostüme und thematische Bilder, größtenteils selbst gestaltet, verbreiteten einen Hauch göttliches Flair, Gottheiten der griechischen, römischen und nordischen Mythologie waren entsprechend dem Motto "Ketzin - einfach göttlich" zu Gast und promenierten mit den kostümierten Einwohnern, Vereinsmitgliedern und Mitarbeitern einiger Betriebe durch die Altstadt.

Eigentlich hatten es einige Wassergeister von Fischergott Njörd aus der Paretzer Kita recht gut auf ihrem Wagen. Allerdings ließ sich das in die Jahre gekommene Gefährt ausgerechnet vor der Tribüne nicht mehr starten. Der Hilferuf von Moderator Udo Feist wurde erhört und Sekunden später schoben es die Zuschauer mit Schwung weiter.Und noch eine Tradition gab es nach zwei Jahren Pause wieder: Das große Abschlussfeuerwerk. Allerdings nicht mehr über der Havel, der Abschuss von einer normalen Schute ist nicht mehr gestattet. Der Kompromiss, es neben der Freilichtbühne über der Stadt leuchten zu lassen, ist durchaus gelungen.

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