Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Elfenflügel oder Rotzblume

FKS Milchstern
FKS Milchstern © Foto: MZV
Wolfgang Balzer / 21.04.2017, 10:53 Uhr
Paretz (MOZ) von Wolfgang Balzer

Paretz. "In diesem Jahr ist er gerade noch rechtzeitig wieder da", war Matthias Marr, Vorsitzender des Vereines Historisches Paretz, am Ostermontag froh. Alljährlich führt er an diesem Feiertag Interessenten zu einer botanischen Rarität durch den Paretzer Schlosspark, den Nickenden Milchstern, auch Nickende Vogelmilch genannt.

Diese ausgewilderte und giftige Zwiebelpflanze mit dem botanischen Namen Ornithogalum nutans, der sich von den griechischen Wörtern ornis für Vogel und gala für Milch herleiten soll, gehört zur Familie der Spargelgewächse (Wikipedia), andere ordnen sie auch den Hyazinthengewächsen zu.

Jedenfalls sei es keine heimische Pflanze erläuterte Marr, sie stamme aus der Osttürkei, Bulgarien und dem Nordwestiran und wurde im Mittelalter ursprünglich in Kloster- und Schlossgärten angepflanzt, wilderte später aus und gehört noch heute zu den seltenen Pflanzen.

Allerdings nicht im Paretzer Schlossgarten und neuerdings auch nicht im Kirchgarten in der Nähe der Kirche. Silbern leuchten in diesen Tagen große Flächen im Schlossgarten, was schon vor fast 100 Jahren Schriftsteller zu romantisierenden Beschreibungen des Nickenden Milchsterns mit seinen dreizähligen und zwittrigen Blüten, deren sechs glockenförmig verwachsene Blütenhüllblätter grünlich silbrig-weiß leuchten.

Die bemerkenswerteste ist wohl die von Ludwig Sternaux (1885-1938) in seinen Potsdamer Pastellen, die Jörg Schulz vom Paretzer Liebhabertheater mit angemessenem Pathos zitierte: "Aus (Königin) Luisens und der Kinder Räumen sieht man weithin den Rasen Stern an Stern verschleiert, ein Meer von Silberblüten, zauberhaft bewegt, unzählige Elfenflügel, die sich im Winde regen wie Nebel um den Mond in hellen Nächten...".

Der langjährige Paretzer Lehrer und Ortschronist hatte seine ganz eigene und sehr viel weniger romantische Sicht auf diese noch immer in Deutschland sehr selten vorkommende Pflanze.

In seinen Anmerkungen zu Sternaux Text schrieb er für die Chronik des Ortes: "Der Nickende Milchstern, auch großer Milchstern genannt, mag eine entartete Blume sein. Wegen seines schleimigen Saftes in den Stängeln wird sie von Paretzern auch Rotzblume genannt."

Wer die Elfenflügel in diesem Meer von Silberblüten oder, ganz nach persönlicher Sichtweite, die bis zu 30 Zentimeter hohe Rotzblume in natura (und vielleicht auch fotografieren) möchte, hat dazu, je nach Witterungsverhältnissen, im Paretzer Schlossgarten noch etwa eine Woche die Gelegenheit.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG