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Mit Luther auf Zeitreise gehen

Stephan Graf von Bothmer spielt am 21. Mai ein Stummfilmkonzert zu einem Luther-Film aus dem Jahr 1927 im Rathenower Kulturzentrum.
Stephan Graf von Bothmer spielt am 21. Mai ein Stummfilmkonzert zu einem Luther-Film aus dem Jahr 1927 im Rathenower Kulturzentrum. © Foto: Birgit Meixner
Sandra Euent / 20.04.2017, 09:27 Uhr
Rathenow (MOZ) Ein wohl einmaliges Erlebnis erwartet Gäste des Rathenower Kulturzentrums am 21. Mai. Denn dann geht es auf Zeitreise zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts, als der Film und das Kino noch in den Kinderschuhen steckten. Gezeigt wird ein Film über Martin Luther von 1927, in schwarz-weiß und ohne Ton, denn den gab es damals noch nicht. Die Handlung wird Stephan Graf von Bothmer live auf dem Klavier begleiten.

Für viele waren die ersten Stummfilmhelden bekannte Komiker wie Buster Keaton und Charlie Chaplin, die das Publikum mit kurzweiligen Geschichten zum Lachen brachten. Die Sketche kamen ohne Worte aus und Piano-Ragtime und Boogie-Woogie begleiteten die Schwarz-Weiß-Szenen.

Anstelle von Slapstick konnte passend zum Reformationsjahr einer der Aufführungstermine für den Stummfilm "Luther" aus dem Jahr 1927 vom Team des Kulturzentrums ergattert und in das Programm aufgenommen werden. Dazu kommt einer der angesagtesten Stummfilmmusiker Deutschlands nach Rathenow: der Berliner Komponist und Pianist Stephan Graf von Bothmer.

1895 wird als das Geburtsjahr des Kinos angesehen, erste kinomäßige Filmvorführungen bzw. Filmprojektionen fanden in New York, Berlin und Paris statt. War das Interesse, bewegte Bilder zu sehen, anfangs nur klein, so stieg dieses innerhalb kurzer Zeit kontinuierlich an. Bald schon wurden Filmvorführungen zum Erlebnis für die ganze Familie, und erreichten ein Publikum aller Gesellschaftsschichten. Nie wurden die Stummfilme in wirklicher Stille gezeigt, sondern stets mit musikalischer Begleitung präsentiert, meist jedoch ausschließlich um eine angenehme Atmosphäre für die Zuschauer zu erzeugen und auch um "Störfaktoren" wie Projektionsgeräusche, Publikumsunruhe und Außenlärm der noch nicht isolierten Vorführräume zu beseitigen.

Die Emil Busch AG in Rathenow mit großen Erfahrungen auf dem Gebiet der Fotoobjektive stellte sich umgehend auf den Bedarf an Projektionsoptiken um. Auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 wurde bereits das Projektionsobjektiv "Glaukar Anastigmat F: 3,1" mit einem "Grand Prix" ausgezeichnet. Schon um 1920 entstanden in Rathenow die ersten Systeme zur Vereinigung von Bild und Ton.

Rathenow verfügte laut Unterlagen aus dem Jahr 1937 einstmals über drei Lichtspieltheater, das Biograph-Theater, die Capitol-Lichtspiele und das Apollo-Theater. Es ist davon auszugehen, dass auch in diesen Häusern, bevor der Tonfilm Einzug hielt, Stummfilme gezeigt wurden. Einen Hinweis darauf liefert eine Werbeanzeige der Capitol-Lichtspiele Rathenow (erbaut 1928, Inhaber: Emil Busse): "Täglich Vorführung. Nur erstklassige Neuerscheinungen der Filmkunst. Künstlerische Bildbegleitung".

Auch ein Themenkomplex im Optik-Industrie-Museum in Rathenow ist dem Film, Objektiven und Projektoren gewidmet. Die Besucher können dort in einigen ursprünglichen Sitzen des Theatersaales Platz nehmen und unter anderem einen etwa zehnminütigen Stummfilm über die Brillenglasherstellung sehen. Für die richtige Stummfilmatmosphäre fehlt nur noch "der Mann am Klavier".

Wer am 21. Mai zur Stummfilmvorführung kommt, kann zwischen 11.00 und 17.00 Uhr auch einen Abstecher in das Optik-Industrie-Museum machen. Es ist an diesem Tag bei freiem Eintritt zu besuchen.

Stephan Graf von Bothmer übernahm als hervorragender Komponist und musikalischer Begleiter vieler Stummfilmproduktionen wieder einmal für einen Film aus den Beständen des Bundesarchivs die Komposition der Filmmusik. Der Berliner vereint in seinem Konzert Musik und Film zu einem packenden, unwiederholbaren Live-Event. Stummfilme erleben durch Bothmer eine Renaissance, Film und Musik verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk.

Kenner bezeichnen den "Luther"-Film als die gelungenste Filmbiographie. Am 16. Februar 1928 wurde Hans Kysers Film im Ufa-Palst am Zoo in Berlin uraufgeführt. Anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reformation" präsentiert das Bundesarchiv die umfassend rekonstruierte und restaurierte Fassung des Stummfilms. Die überlieferte Zensurkarte mit der Prüfnummer 17622 zur Zulassung durch die Filmprüfstelle Berlin am 17. Dezember 1927 bildete die Grundlage für die Rekonstruktion und Restaurierung.

Tickets für das Stummfilmkonzert gibt es an der Theaterkasse des Kulturzentrums und unter 03385/519051 (dienstags bis sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr) oder via Internet auf www.kulturzentrum-rathenow.de.

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