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Kein Trudeln in Trier

Nele (li.) und ihre Schwester Celine trudelten Eier den Milower Berg hinunter.
Nele (li.) und ihre Schwester Celine trudelten Eier den Milower Berg hinunter. © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 20.04.2017, 13:22 Uhr
Milow (MOZ) Zu Ostern werden Hühnereier nach Jahrhunderte alten Bräuchen, wie bei den Sorben noch heute üblich, filigran verziert und an den Osterstrauß gehängt. Dieser Brauch hat seinen Ursprung schon in weit vorchristlicher Zeit. Das Ei galt schon immer als Fruchtbarkeitssymbol; im christlichen Glauben zusätzlich als Symbol der Auferstehung.

Im frühen 13. Jahrhundert werden erstmals bunt gefärbte Eier zu Ostern in Deutschland erwähnt. Ende des 17. Jahrhunderts wird der Brauch des Versteckens der Ostereier für Kinder erstmals beschrieben. Ein noch nicht so alter, aber bei den Kindern beliebter Brauch ist das Verschenken von Schokoladeneiern.

Rund um das Osterei gibt es viele regional verschiedene Bräuche. Dazu gehört das Eiertitschen oder das Ostereierwerfen. In Brandenburg weit verbreitet ist das Ostereiertrudeln. Verbunden mit einem Spaziergang am Ostersonntag treffen sich Familien auf Hügeln der Umgebung, wobei die Kinder gegeneinander oder gegen die Großen zu einem "sportlichen Wettkampf" antreten.

Die hart gekochten und gefärbten Ostereier werden den Hang hinunter gerollt. "Profis" legen dazu extra eine kleine Rinne im Sand an. Das Ei, das am weitesten trudelt und noch unversehrt ist, hat gewonnen. Der Sieger bekommt die Eier seiner Mitspieler. Die Spielregeln können regional variieren. Verbreitet ist auch die Variante, bei der dem herunter getrudelten Ei ein weiteres hinterher geworfen und dabei versucht wird, die Eier der anderen Mitspieler zu treffen. Gewinner ist derjenige, der die meisten Eier abschießen konnte und dessen Ei selbst noch heil geblieben ist.

Der Ursprung des im 16. Jahrhundert erstmals erwähnten Brauchs des Eiertrudelns ist nicht eindeutig geklärt. Oft wird er auf heidnische Bräuche zurückgeführt und stammt vermutlich aus dem Spreewald, wo heute noch die slawische Minderheit der Sorben lebt. Auch in den vormals slawischen Nachbarländern Tschechien und Polen ist dieser Brauch bekannt.

Am Ostersonntag kamen trotz des launischen Aprilwetters einige Familien wieder auf den Milower Berg. Für die Möllenhoffs aus Premnitz gehört es seit Jahrzehnten zur Tradition, mit ihren Kindern und jetzt mit den Enkeln zum Eiertrudeln nach Milow zu fahren. Nele und ihre Schwester Celine hatten viel Spaß daran, ihre gefärbten Ostereier vom Gipfel talwärts zu trudeln.

Auch der dreijährige Finn-Luca kam mit seinen Großeltern zum Eiertrudeln. Seine Eltern besuchten die Heimat von Mama Doreen Bastian. 1992 verließ diese Milow und fand an der Mosel, nahe Trier, ihre neue Heimat und ihren Mann. "Den Brauch des Ostereiertrudelns kennen wir bei uns überhaupt nicht", erzählte Marco Bastian. "Auch Osterfeuer, die hier nahezu in jedem Dorf angezündet werden, gibt es bei uns nicht."

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