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Über das Leben der Pribbernow-Zwillinge

Die Ausstellung zeigt rund zwei Dutzend Tafeln mit Stationen der Zwillingsbrüder Paul und Wilhelm Pribbernow sowie dazu gehörende Karikaturen.
Die Ausstellung zeigt rund zwei Dutzend Tafeln mit Stationen der Zwillingsbrüder Paul und Wilhelm Pribbernow sowie dazu gehörende Karikaturen. © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 10.10.2017, 16:52 Uhr - Aktualisiert 12.10.2017, 09:39
Rathenow (MOZ) Regelmäßig finden BRAWO-Leser Karikaturen Paul Pribbernows, die den gesellschaftlichen Zeitgeist aufgreifen oder das politische Geschehen satirisch kommentieren, in ihrer Zeitung. Zu seinem 70. Geburtstag, der demnächst ansteht, würdigt eine Ausstellung im Torhaus am Evangelischen Friedhof das Leben des Künstlers und Menschen.

Am Freitagabend startete die Vernissage unter Anteilnahme vieler Freunde und Fans. "70 Jahre PP": Das sind zwei Dutzend Tafeln mit Texten, Zeichnungen und Karikaturen, die nicht nur den Lebensweg von Paul, sondern auch den seines Zwillingsbruders Wilhelm nachzeichnen.

Beide wurden am 11. November 1947 als neuntes bzw. zehntes Kind einer Flüchtlingsfamilie aus Pommern in Holbeck, im damaligen Kreis Luckenwalde, geboren. Beide erlernten in der PGH "Neuer Weg" in Wusterwitz (heute Potsdam-Mittelmark) den Beruf des Malers, den Wilhelm bis zum Ruhestand im Jahr 2011 ausübte. Paul war bis zum Ruhestand im Jahr 2004 als Betriebshandwerker einer Behindertenwerkstatt in Brielow (PM), später in Brandenburg an der Havel tätig. "Mein Bruder und ich haben schon früh gemalt", sagte Paul Pribbernow. "Trotz einiger Verschiedenheiten blieb unser Verhältnis bis heute innig."

Die Brüder waren schon immer Naturfreunde. Wilhelm hielt in seinen Zeichnungen und Ölbildern die Heimat fest. "Paul ist um zirka eine Stunde der Ältere", so seine Ehefrau Regina. "Und er war schon immer der Vorwitzige." So zeichnete er immer wieder gern mit "spitzer Feder" und bildete sich bis in die 1980er Jahre autodidaktisch weiter. Ab 1983 stellte er im Umfeld der DDR-Friedensbewegung seine, auch gesellschaftskritischen, Karikaturen in Kirchen aus. Bekam Paul Pribbernow damals Ärger mit der Staatssicherheit, ist er in seinem künstlerischen Schaffen bis heute nicht bequemer geworden.

"Die Wut, die dieser Tage Konjunktur hat, ist nicht Teil von Paul Pribbernow. Er sieht tiefer, er hört genauer hin", machte Andreas Buchholz in seiner Laudatio deutlich. "Und noch mehr - er versetzt den Betrachter in die Lage mehr zu sehen, als die dargestellten Figuren. Seine Karikaturen sind handwerklich im besten Sinne vulgär - das heißt volkstümlich verständlich und damit alles andere als populistisch."

Pfarrer Buchholz lobte Pribbernows fein gezeichnete Figuren und Geschichten. Irgendwie gelinge es ihm immer wieder, "uns den Spiegel vorzuhalten." Ferner sagte der Pfarrer: "Bei seinen Bildern lachen wir über uns selbst, denn wir entdecken in ihnen immer wieder die eigenen Unzulänglichkeiten und Missgeschicke."

Heinz Behling (1920 bis 2003), DDR-Pressezeichner und Mitbegründer der DDR-Satirezeitschrift "Eulenspiegel", war einst zu Paul Pribbernows Mentorgeworden. Noch heute erscheinen Arbeiten des in Radewege wohnenden Karikaturisten hin und wieder in der "Eule".

"So lange es im Kopf noch funktioniert, mache ich weiter", sagt Paul Pribbernow. Wohl auch ein Versprechen an die BRAWO-Leser. Die Ausstellung "70 Jahre PP" im Torhaus wird dienstags bis freitags, 10.00 bis 16.00 Uhr, und samstags, 13.00 bis 16.00 Uhr, bis zirka Mitte November gezeigt.

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