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Tafel am früheren Kindergefängnis geplant

Nimmt Maß: Roland Herrmann, Vorsitzender des Vereins "Kindergefängnis Bad Freienwalde"
Nimmt Maß: Roland Herrmann, Vorsitzender des Vereins "Kindergefängnis Bad Freienwalde" © Foto: MOZ/Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 19.05.2017, 06:56 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Roland Herrmann, 1. Vorsitzender des Vereins "Kindergefängnis Bad Freienwalde", hat vor dem neuen Polizeirevier in Bad Freienwalde an der Adolf-Bräutigam-Straße Maß genommen. "Wir planen dort ein Denkmal", berichtete er. Dieses solle an alle brandenburgischen Unterdrückten dieser Spezialheime in der DDR erinnern, erklärte der Fürstenwalder. Denn die Gedenkstätte des "Geschlossenen Werkhofs Torgau" befinde sich schließlich in Sachsen.

Roland Herrmann verbrachte als 14-Jähriger sechs Monate lang - vom November 1979 bis Mai 1980 - im so genanten Durchgangsheim Bad Freienwalde. Seit 2006 bemüht er sich um seine Rehabilitation. Das Gebäude, in dem sich das neue Domizil der Polizei befindet, hat eine lange Geschichte. Zuvor beherbergte es das Grundbuchamt und zu DDR-Zeiten zeitweise das Durchgangsheim für Kinder und Jugendliche. "Wir wollen das Denkmal bis zu diesem Sommer hinbekommen", sagte Roland Herrmann. Der Vereinsvorsitzende würde sich freuen, wenn die Stele am 7. Juni enthüllt werden könne. Denn zu diesem Termin werde das Polizeirevier offiziell eröffnet. Unterstützt werde er dabei von Landrat Gernot Schmidt und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD). Ziel müsse es sein, das Geschehen von damals aufzuarbeiten, so Roland Herrmann.

Von 1968 bis Ende 1987 befand sich in dem ehemaligen preußischen Gefängnis ein Heim für Kinder und Jugendliche, in dem die Insassen unter menschenunwürdigen Bedingungen, ohne Außenkontakte und Großteils für deutlich längere Zeit, als selbst zu DDR-Zeiten rechtlich zulässig, weggeschlossen worden seien, schildert der Verein auf seiner Internetseite. 1000 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 18 Jahren seien dort laut Verein innerhalb dieser Zeitspanne untergebracht gewesen. Offizielle Zahlen oder Unterlagen gebe es nicht mehr.

Er sei geschockt gewesen, als er das Gebäude mit den vergitterten Fenstern sah, berichtete Roland Herrmann von seinem Schicksal. Er hatte zwei Wochen die Schule geschwänzt, weil er mit seinem Stiefvater, einem Direktor für Kader und Bildung, nicht zurecht gekommen sei. Nach seiner Ankunft habe er alle persönlichen Sachen abgeben müssen. "Ich bekam alte Kleider wie aus dem Lumpensack." Dann musste er drei Tage in Einzelhaft. In dem Raum gab es nur einen Eimer mit Deckel für die Notdurft sowie ein Bett und einen Stuhl.

Die ehemaligen Insassen des Brandenburger Durchgangsheims in Bad Freienwalde gründeten 2012 einen eigenen Verein, um ihre Interessen durchsetzen zu können. Seit Jahren setzt sich der Verein "Kindergefängnis Bad Freienwalde" für eine Gedenktafel an dem denkmalgeschützten Gebäude ein, um an das Leid der dort zu DDR-Zeiten untergebrachten Insassen zu erinnern. Eine symbolische Gedenktafel in Form eines Transparentes war bereits im Oktober vergangenen Jahres dort aufgehängt worden.

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