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Jäger Eberhard Luft aus Wriezen Mitgestalter der Andacht zu Ehren des Schutzheiligen der Weidmänner in Biesdorf

"Hubertus spricht alle Menschen an"

Traditionelle Andacht: Eberhard Luft aus Wriezen berichtet aus der Sicht der Jäger. Die Eisenhüttenstädter Waldhornbläser unter der Leitung von Gerd Hoppe (rechts) gestalten seit zehn Jahren den Hubertusgottesdienst in der Biesdorfer Kirche. das Ensemble
Traditionelle Andacht: Eberhard Luft aus Wriezen berichtet aus der Sicht der Jäger. Die Eisenhüttenstädter Waldhornbläser unter der Leitung von Gerd Hoppe (rechts) gestalten seit zehn Jahren den Hubertusgottesdienst in der Biesdorfer Kirche. das Ensemble © Foto: MOZ/Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 30.10.2017, 06:59 Uhr
Biesdorf (MOZ) Die Hubertusandacht in der Biesdorfer Kirche versteht sich als Mahnung an eine nachhaltige Jagd und an alle Menschen, dass es nie zu spät ist, sich zu verändern. Um die 40 Besucher zählte der Gottesdienst mit den Eisenhüttenstädter Jagdhornbläsern.

Hubertus gilt als Schutzpatron der Jäger. Deshalb war die Biesdorfer Kirche am Sonnabend liebevoll mit Nadelbaumzweigen und Laub dekoriert. Im Altarraum stand ein Hirschgeweih mit einem weißen Kreuz zwischen den Hörnern - in Erinnerung an die Hubertus-Legende.

Pfarrerin Barbara Kohler gestaltete den Gottesdienst gemeinsam mit Eberhard Luft. Der Wriezener ist Mitglied einer fünfköpfigen Pächtergemeinschaft und geht seit mehr als 30 Jahren bei Biesdorf zur Jagd. Auch beruflich hat Eberhard Luft mit dem Wald zu tun. Er ist Förster und leitet die Landeswaldoberförsterei Chorin.

Hubertus wurde 655 bei Toulouse geboren und starb 727 bei Brüssel Er war Pfalzgraf am Hof von Frankenkönig Theoderich III. in Paris, musste aber fliehen und ging nach Metz zu Pippin. Der Legende nach frönte er wie die Adligen seiner Zeit der Jagd. Als seine junge Frau bei der Geburt des ersten Kindes starb, ging er nur noch zur Jagd, um sich abzulenken. Als er eines Tages einen prächtigen Hirsch verfolgte und gerade den Bogen spannte, erblickte er zwischen dem Geweih ein weißes Kreuz. Er ließ den Hirsch laufen, änderte sein Leben, verbreitete den christlichen Glauben und wurde später Bischof von Maastricht und dann von Lüttich.

"Seit dem Mittelalter werden jagdliche Gottesdienste gefeiert", sagte Eberhard Luft. Zur Zeit Hubertus sei das Wild von einer Hundemeute gehetzt worden, bis es dann vom Jäger zur Strecke gebracht wurde. Hubertus sei mit großer Leidenschaft zur Jagd gegangen. Mit der Jagd habe er seine Trauer verdrängt. Luft erinnerte an die Schorfheide, wo mächtige Leute hunderte Stück Wild geschossen haben, aber nur um ihrer Leidenschaft zu frönen. Auch er gehe gerne zur Jagd, aber Luft mahnte, dass sie nachhaltig ausgeübt werden müsse.

Hubertus spreche alle Menschen an und sei auch nach 1300 Jahren in einer "verrückten Welt von Trump, IS, Fernsehen mit 100 Kanälen, Internet und Facebook" immer noch aktuell. Jeder könne etwas tun, sich verändern. "Hubertus hat etwas gemacht", so Luft. "Manchmal brauchen wir einen Anlass, es muss nicht immer ein Hirsch mit einem Kreuz sein", sagte er. Es könne etwas kleines sein, wie in einer Ecke des Gartens, Zweige und Laub liegen zu lassen, damit dort ein Igel überwintern könne. "Ein Jäger, der in einem Jahr schon drei Rehböcke geschossen hat, könnte den vierten einem Jäger überlassen, der kein Revier hat", nannte er ein weiteres Beispiel. "Hubertus ist der Heilige der Jäger, aber Hubertus hat allen Menschen etwas zu sagen", erklärte Luft.

In ihrer Predigt nahm Pfarrerin Barbara Kohler aus Haselberg Bezug auf die Reformation vor 500 Jahren. Der Hubertusgottesdienst sei nicht nur deshalb ungewohnt, weil die Kirche mit Tannen und Laub dekoriert sei, sondern weil sich die evangelische Kirche von der katholischen Kirche unterscheidet, indem sie keine Heiligen verehrt.

"Vom Heiligendienst wird von den Unseren gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken", zitierte die Pfarrerin Kohler aus dem Augsburger Bekenntnis der Evangelischen Kirche, "außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen." Hubertus sei es nur um den Jagderfolg gegangen. Die Erscheinung, die ihn widerfuhr sollte ihm die Augen öffnen. An einem abgeschiedenen Ort sollte er über Gott und christliche Werte nachdenken. Hubertus sei auch heute noch ein Vorbild, in dem er sich für eine verantwortungsvolle Jagd einsetzt.

Eberhard Luft lobte das gute Miteinander von Jägern und Landwirten in Biesdorf. Der Wildschaden sei groß. Bedingt durch wirtschaftlichen Druck bauten die Landwirte große Schläge Raps und Mais an, eine Paradies für Wildschweine. Durch das mildere Klima fallen viel Bucheckern und Eicheln an. Das Wild finde beste Bedingungen vor und vermehre sich derart, dass die Jäger dem nicht mehr Herr werden, bekannte Luft. Die Landwirte zeigten dafür Verständnis.

Die Landwirte legten indes Blühstreifen an den Feldrändern an, so dass sich Insekten und Vögel wohl fühlen. Er selber habe bei der Jagd seltene Bienenfresser beobachtet, bunte Vögel, die Großinsekten wie Libellen und Käfer fressen.

Der Verein Dorf und Kirche Bliesdorf, darunter Ortsvorsteherin Sylvia Wesolek und Kathrin Müller, lud nach dem Gottesdienst zu Schmalzstullen ein. Die Jäger hatten ein deftiges Wildgulasch mit dem Fleisch vom Dam- und Rehwild sowie von Wildschwein zubereitet.

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