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Zwischenbericht zur Umsetzung des Nahverkehrsplanes im Kreis / Kommunen sollen künftig eher mitreden

Für Barrierefreiheit fehlt das Geld

Bushalt am Seelower Krankenhaus? Noch gibt es den nicht. Aber der Mobus-Betriebshof befindet sich direkt gegenüber
Bushalt am Seelower Krankenhaus? Noch gibt es den nicht. Aber der Mobus-Betriebshof befindet sich direkt gegenüber © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 15.11.2017, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Beim aktuellen Nahverkehrsplan des Kreises ist jetzt Halbzeit. Der Wirtschaftsausschuss des Kreistages forderte am Montagabend in Seelow eine Zwischenbilanz für alle Abgeordnete sowie ein künftig besseres Einbinden der Kommunen bei der Erarbeitung des neuen Dokuments.

Die einen Nutzer fordern dichtere Takte, andere würden sich freuen, wenn mehr als einmal am Tag ein Bus den Ort anfährt. Die Situation für den Öffentlichen Personen- und Nahverkehr (ÖPNV) könnte in Märkisch-Oderland unterschiedlicher kaum sein. Der jetzige Nahverkehrsplan gilt von 2015 bis 2019. Ende 2018 soll der sich daran anschließende durch den Kreistag beschlossen werden. Jörg Schleinitz vom Wirtschaftsamt verwies auf die im Mai 2019 anstehenden Kommunalwahlen. Um den Vorlauf zu sichern, sei eine zeitigere Beschlussfassung nötig.

Schleinitz informierte, dass der Landkreis demnächst ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung des Dokuments beauftragen wird. "Es ist wichtig, dass sich die Kommunen frühzeitiger einbringen", mahnte Michael Jungclaus (Bündnis 90/Grüne-Pro Zukunft). Beim jetzt geltenden Plan seien Einwendungen gekommen, als bereits die Ausschreibung lief. Es sei leider auch so, dass die Kommunen der Arbeit mit dem Dokument nicht oberste Priorität einräumen, verdeutlichte Schleinitz. Erst wenn Linien wegfallen oder andere Regelungen greifen, sei der Aufschrei groß. Das soll in der nun anstehenden Erarbeitung anders werden, so der Vorsatz.

Der Zwischenbericht ist ein erster Schritt. Er analysiert die einzelnen Verkehre, gibt eine Übersicht tatsächlich erbrachter Verkehrsleistungen und beinhaltet bereits Wünsche und Hinweisen von Kommunen sowie Initiativen. Zu Letzterem gehört auch ein Bushalt am Seelower Krankenhaus. Schleinitz informierte, dass es mit der Mobus Gespräche dazu gibt. Das Unternehmen hat vis-à-vis des Krankenhauses seinen Betriebshof. Die Busse fahren zum Teil von dort zum Busbahnhof. Man prüfe, ob ein Teil dieser Fahrten regulär am Krankenhaus stoppen kann. Der Zwischenbericht resümiert, dass das ÖPNV-Problem im ländlichen Raum nach wie vor nicht gelöst werde. Durch die von der Genehmigungsbehörde festgelegten restriktiven Rahmenbedingungen erfolgten beim Rufbus erhebliche Rückschritte. Er muss wie eine Linie gehandhabt werden. Die Nachfrage sinkt weiter, womit die Kosten des deutlich kundenunfreundlicheren Systems für den Aufgabenträger steigen.

Ein Problem bleibt die gesetzliche Vorgabe, wonach ab 2022 sowohl für Busse als auch Bahnen die Barrierefreiheit gesichert sein soll. "Es fehlt die finanzielle Grundlage, um das umzusetzen", bekannte Jörg Schleinitz. "Wir haben im Kreis rund 1800 Bushaltestellen. Nur an großen Knotenpunkten ist die Barierefreiheit gesichert." Hinzu kämen die Haltestellen der Straßenbahnen. Als wichtig sehen Verwaltung und Fachausschuss eine flächendeckende Fahrgasterhebung. Die soll künftig zumindest im Busbereich erfolgen. Die Mobus hat über die ÖPNV-Richtlinie Zuschüsse für die Anschaffung von vier solcher Geräte gestellt. Empfohlen wurde, auf acht aufzustocken, um Erhebungen von allen im Einsatz befindlichen Bustypen - ein der Kleinbusse - zu haben. Der Ausschuss bestätigte die Investitionsliste und damit die Ausreichung von 518 304 Euro im Bereich des ÖPNV (siehe Info-Kasten).

Investitionen 2018:


■ Bad Freienwalde: Neubau Buswendeschleife in Neuenhagen: 37 979 Euro; Fahrgastunterstände Schiffmühle, Gabow, Hohenwutzen und Berliner Straße, jeweils 5000 Euro
■ Neuhardenberg: Erneuerung Wartefläche, 4375 Euro
■ Fredersdorf/Vogelsdorf: sieben Fahrgastunterstände, 26 804 Euro
■ Hoppegarten: 2 Haltestelle Brandenburgische Straße 15 000; Fahrgastunterstand Rudolf-Breitscheid-Straße, 6000 Euro und Lindenallee/Goetheallee, 4500 Euro
■ Schöneicher/Rüdersdorfer Straßenbahn: Grunderneuerung Gleisanlagen Kirchenstraße, 396 645 Euro - den gleichen Betrag zahlt der Landkreis Oder-Spree. Hinzu kommen 300 000 Euro des Unternehmens selbst
■ Mobus: Erweiterung um zusätzlich acht Fahrgastzählsyssteme; Vorschlag Ausschuss - acht statt vier Geräte

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