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Ulf Grieger 07.07.2017 07:15 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

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Wende der Förderpolitik auf der Agenda

Seelow (MOZ) Welche Zukunft hat die Kulturlandschaft? Mit Politikern verschiedener Parteien und Fachleuten haben die Lehrlinge des ersten Lehrjahres der grünen Berufe im Oberstufenzentrum Seelow am Donnerstag diskutiert. Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass es einen Politikwechsel geben muss.

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Interessierte Zuhörer: Die Lehrlinge des ersten Lehrjahres der grünen Berufe im OSZ Seelow während des Landwirtschaftstages.

© MOZ/Ulf Grieger

Der Strukturwandel der Landwirtschaft ist in vollem Gange. OSZ-Lehrer Jürgen Lange machte mit Zahlen deutlich, wie sich seit der Finanzkrise vor zehn Jahren immer mehr der Konzentrationsprozess fortgesetzt hat. Der Hektarpreis ist von 3610 auf 14 197 Euro gestiegen, der Pachtzins zog entsprechend an. Viele Familienbetriebe haben aufgegeben, zugunsten von Agrarkonzernen, die von agrarfremden Finanzfirmen wie der Münchener Rück fremdgesteuert werden. "Wachsen oder Weichen" heißt die Devise. Hinzu kommen Erzeugerpreise, die nicht mehr auskömmlich sind.

Landesbauernverbandspräsident Henrik Wendorff legte dem Berufsnachwuchs ans Herz, sich die zwei Seiten, die die Parteien in ihren Wahlprogrammen gewöhnlich der Landwirtschaft widmen, genau anzuschauen. Und die Widersprüche zu erkennen. Wenn es zum Beispiel um Antibiotika-einsatz bei Tieren geht, um die EU-Politik und die Förderung der einheimischen Landwirtschaft.

Einen Eindruck davon, wie sich die Parteien zur Bundestagswahl aufgestellt haben, gaben einige Landes- und Bundespolitiker. Bundestagsmitglied Hans-Georg von der Marwitz (CDU) kannten die Azubis bereits von ihrem Besuch im Reichstag. Der Landwirtschaftstag, den der OSZ-Förderverein organisiert hatte, schloss sich direkt an ihre dabei aufgeworfenen Fragen an. Marwitz machte deutlich, dass das Gießkannenprinzip der EU-Förderung, die die Flächengröße belohnt, beendet werden müsse. "Es ist eben nicht egal, wer den Hektar bewirtschaftet", erklärte er seinen ganzheitlichen Politikansatz, der die Entwicklung des ländlichen Raumes im Fokus hat und nicht die Profitmaximierung von Kapitalgesellschaften. "Wenn öffentliche Gelder in die Landwirtschaft fließen, dann muss es auch einen öffentlichen Nutzen geben", ist er überzeugt. Er könne sich vorstellen, dass die Förderung ab 100 Hektar gekappt wird und die Struktur des ländlichen Raums stärker gefördert werden müsse.

Jan Sommer, der Müncheberger Landwirt, will für B90/Grüne in den Bundestag einziehen, lag mit seinen Vorstellungen nicht so weit davon entfernt. Er wandte sich an die Azubis mit der Vorstellung, dass sie einmal selbst ihren Betrieb gründen wollen. Angesichts der aktuellen Situation bräuchten sie ein enormes Startkapital, um überhaupt eine wirtschaftliche Hektarzahl zu bekommen. "Wir haben ein völlig veraltetes Grundstücksverkehrsgesetz, das es möglich macht, dass sich die Situation nach der KTG-Pleite gar nicht verbessert hat. Jetzt sind die Münchener Rück Eigentümer des Großteils des Landes und ein Bauunternehmen." Landwirtschaftspolitik hingegen sollte fair und regional darauf hinwirken, dass nicht die Supermärkte und Discounter die Erzeugerpreise diktieren, sondern umgekehrt die Erzeuger auskömmlich bezahlt werden.

In die gleiche Richtung, gegen die Pauschalförderung der Agrarkonzerne, argumentierten auch das Landtagsmitglied der AfD, Christina Schade und FDP-Landeschef Axel Graf von Bülow.

Dass die aktuellen Herausforderungen den Landwirte-Beruf auch spannend machen und die Kreativität herausfordern, machte Jens Petermann von der Dannenberger Produktivgesellschaft deutlich, der seit zehn Jahren daran forscht, den so teuer gewordenen Boden trotz Klimawandels fruchtbar zu halten und die Bearbeitung zudem effektiver zu machen.

In Auswertung der Veranstaltung werden die Azubis einen Forderungskatalog zur Bundestagswahl erstellen, den sie den Kandidaten übergeben wollen.

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