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Neue Geschäftsführung des Jobcenters Märkisch-Oderland zieht nach 120 Tagen im Amt erste Bilanz

83 Millionen Euro für Hartz-IV-Empfänger

Doris Steinkraus / 18.02.2013, 07:45 Uhr
Seelow (MOZ) Die ersten 100 Tage sind für die neue Geschäftsführung des Jobcenters vorbei. Chefin und Stellvertreter loben das engagierte Team, das ihnen den Einstieg leicht gemacht hat. Fürs neue Jahr werden ehrgeizige Ziele angesteuert.

Rund 47,2 Millionen Euro haben die Mitarbeiter des Jobcenters des Landkreises im vergangenen Jahr an Hartz-IV-Empfänger ausgezahlt. Das waren fast 800 000 Euro weniger als im Jahr zuvor. Hinzu kamen noch einmal rund 36,4 Millionen Euro, die der Landkreis als Kosten der Unterkunft beisteuerte. Eine Menge Steuermittel, um die es jährlich große Begehrlichkeiten gibt. "Jeder soll die Leistungen erhalten, die ihm vom Gesetz her zustehen", versichert Geschäftsführerin Gabriele Schoel. Das entbinde die Behörde aber nicht davon, alles zu tun, um die Zahl derer, die am Sozialtropf hängen, zu reduzieren.

Das geschieht z.B. durch die sogenannten Eingliederungstitel. Dabei handelt es sich um jene Mittel, die für diverse Arbeitsfördermaßnahmen bereit gestellt werden. 12,2 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr. "Hier gibt es ein ganz enges Zusammenwirken mit dem Landkreis und zahlreichen Trägern von Maßnahmen", unterstreicht der stellvertretende Geschäftsführer Marco Schulz. Nur so sei es möglich gewesen, dass Märkisch-Oderland die zur Verfügung stehenden Mittel zu 94,3 Prozent ausgeschöpft hat. Im Bund lag die Quote bei 90,6 und im Land Brandenburg sogar nur bei 87 Prozent.

Arbeitsfördermaßnahmen bedeuteten nicht nur ein Ausscheren aus der Arbeitslosigkeit, unterstreicht Gabriele Schoel. So manche Maßnahme brachte für Betroffene den entscheidenden Anschub oder Kontakt, um wieder dauerhaft in Arbeit zu kommen. Und darum gehe es in erster Linie, unterstreichen beide. Das meiste Geld floss in Fördermaßnahmen auf dem ersten Arbeitsmarkt, also direkt in Unternehmen. Die Förderung des zweiten Arbeitsmarktes wie ABM geht seit Jahren zurück, da der Bund die Mittel für die Eingliederungstitel jährlich reduziert. Noch vor drei Jahren flossen 24 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr war es die Hälfte.

"Wir versuchen aber, mit verschiedenen zusätzlichen Programmen Menschen zumindest zeitweise in eine Arbeit zu vermitteln", erklärt Schulz. Im vergangenen Jahr hatte sich das Jobcenter selbst das Ziel gestellt, 264 Menschen über das Programm 50 Plus zu vermitteln. Am Ende waren es 356. In den inzwischen auslaufenden Programmen Bürgerarbeit und Arbeit für Brandenburg fanden noch einmal 208 Frauen und Männer zeitweise einen Job. Vor allem Langzeitarbeitlose profitierten davon.11 153 Menschen standen Ende vergangenen Jahres in der Liste der Langzeitarbeitslosen im Landkreis - 4,8 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.

In diesem Jahr will man die Zahl um 2,7 Prozent drücken. "Hinter jedem Prozent stehen Menschen, die mit der Vermittlung in eine Arbeit wieder einen Lebensinhalt bekommen", sieht es Gabriele Schoel. Deshalb gehe es um jede Stelle. Im Strausberger Raum startet jetzt das vom Jobcenter selbst aufgelegte Programm MOLJO - Märkisch-Oderländer Job-Offensive. Dahinter verbirgt sich eine neue Organisationsstruktur. Die Berater sollen weniger Kunden als bisher betreuen, dafür intensiver. In Seelow und Bad Freienwalde funktioniere das schon, erklärt die Geschäftsführerin. In Strausberg werde dies jetzt erst möglich, nachdem das Jobcenter dort nicht mehr in mehreren Immobilien untergebracht ist, sondern unter einem Dach arbeitet. In Strausberg gebe es zudem die besten Chancen, damit mehr Menschen in Arbeit zu bringen. "Die Effekte werden dann natürlich auch für die Arbeit in den Bereichen Seelow und Strausberg genutzt", versichert Marco Schulz.

Mit der besseren Betreuung erhofft sich die Geschäftsführung auch einen Rückgang der Widersprüche und Klagen. Derzeit gibt es rund 1000 Widersprüche und durch den jahrelangen Stau bei den Sozialgerichten mittlerweile 1900 anhängige Klagen. Die Verantwortlichen wissen, dass es viele durch intensive Gespräche, in denen Entscheidungen für den Betreffenden nachvollziehbar erläutert werden, nicht geben würde. Werden in einem Bescheid Leistungen gestrichen, gehen die meisten erst einmal automatisch in Widerspruch. Bescheide, die mitunter schwer verständlich sind, können aus Gründen der Rechtssicherheit aber nicht anders formuliert sein.

Natürlich wisse man, dass auch im eigenen Haus Fehler passieren, räumt Schulz ein. Man sei offen für Hinweise und berechtigte Kritik. "Wir wehren uns aber gegen verbale und schriftlichen Verunglimpfungen, Beleidigungen und Drohungen. Dagegen werden wir künftig rigoros vorgehen." Es sei eine kleine Gruppe, die den Mitarbeitern das Leben aber recht schwer mache. Mitunter musste schon die Polizei gerufen werden, wurden Schadensersatzforderungen geltend gemacht. Auch ein Hausverbot sei möglich. Auch davon werde man Gebrauch machen, um Mitarbeiter und andere Leistungsempfänger zu schützen.

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DER HOLGO 18.02.2013 - 23:03:07

Das muß man aber mal von der anderen Seite sehen.

Ich werde morgens wach, gucke ein bißchen Fernsehen nebenbei beim Aufstehen und sehe dort eine Reportage über eine ALG2-Empfängerin am Existenzminimum, die den ganzen Tag zu Hause hockt, weil ihr Geld vorne und hinten nicht reicht. Brutto hatte sie etwa 300 Euro mehr als ich und bei mir kommen dann ja nochmal etwa 200 Euro Spritkosten dazu, die ich auf dem Weg zur Arbeit verfahre. Macht effektiv 500 Euro brutto mehr als ich, die die junge Dame hat für "den ganzen Tag zu Hause sitzen", wohingegen ich in der Hauptstadt vollschichtig in meinem erlenten Beruf arbeite. Da habe ich keine Lust mehr zur Arbeit zu fahren, aber so lange das so verteilt ist, bin ich nicht sauer auf diese junge Frau, sondern auf mich, dass ich so doof bin, arbeiten zu gehen. Wenn dann die Leistungen vom Amt auch noch schön regelmäßig kommen aber mein Lohn eher mäßig als regelmäßig, dann hab ich vollstes Verständnis dafür, dass jemand, der eine Familie ernähren muß die sicherere Variante wählt und nicht arbeiten geht.

Besorgter Bürger 18.02.2013 - 20:07:55

Harald ganz meine Meinung

Harald, du sprichst mir aus der Seele!!!! Manche ALG2 - Ämpfänger sind sich zu schade 1,20 € Jobs zu machen, dies ist doch eine Schande!!! 1,20€ ist zwar nicht viel, aber für 4 - 5 Stunden am Tag, für die Bevölkerung arbeiten zugehen, kann doch nicht zuviel verlangt sein!!! Wenn man bedenkt das diese ALG2 - Geld + Miete (warm) bekommen!!! Unsereins, wie sehr viele in Deutschland die arbeiten gehen, müssen mit 1400,00€/Monat müssen eine 4 Köpfige Familie durch bringen und da fragt keiner wie man die Miete und Co aufbringt!!! Meiner Meinung nach, müsste jeder ALG2 - Ämpfänger für 4 - 5 Stunden pro Tag nen 1.20€ Job machen!!! In den Geimeindehöfen gibt es viel zutun!!! Und wenn man nur Laub harkt aber sie arbeiten dann fürs Volk und liegen nicht nur Faul zuhause rum, wenn sie dann schon dem Steuerzahler auf der Tasche liegen!!! Armes Deutschland!!!

Harald J. 18.02.2013 - 11:21:44

ehrgeizige Ziele hin und her

Am Sozialtropf zu hängen ist ein alltäglicher Begriff. Die Aussage von der Behörde: "Wir versuchen aber, mit verschiedenen zusätzlichen Programmen Menschen zumindest zeitweise in eine Arbeit zu vermitteln" erklärt so einiges. Die Betonung muss auf das Wort "versuchen" gelegt werden. Wie kann es manche Zeitgenossen ermöglicht werden, über viele, viele Jahre hinweg, keine verpflichtende Arbeit aufzunehmen. Ich kenne zum Beispiel eine Person von vielen, die seit etwa 1995 wirklich nur ab und zu eine vermittelte Arbeit auf nahm und alsbald wieder zu Hause blieb und bleibt. Die Berufsausbildung wurde natürlich im jungen Alter mangels Interesses abgebrochen. Und wenn ich sehe, das dann jeden Tag ein Sechserpack Bier gekauft werden kann, um zu Hause die Beine hoch zu legen, da kann einem Übel werden. Warum wird so ein Verhalten staatlich geduldet? Es gibt doch offene Arbeitsstellen, welche mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufgesucht werden können. Die Gesundheit würde das hergeben. Es ist unbegreiflich, wie die Jobcenter arbeiten. Der Kontrolldruck ist immer noch viel zu niedrig.

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