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Alfons Trautmann geht zu Jahresbeginn in Rente / Von seinen Kollegen hat er sich bereits verabschiedet

Der netteste Busfahrer hört auf

Anett Zimmermann / 24.11.2017, 07:16 Uhr
Bad Freienwalde/Wriezen (MOZ) Alfons Trautmann, von Fahrgästen im Jahr 2008 zum nettesten Busfahrer im Altkreis Bad Freienwalde gewählt, hört auf. Am 1. Januar geht der Wriezener in den Ruhestand.

Das Aufatmen der Fahrgäste war am Mittwochnachmittag kurz nach 13 Uhr nicht zu überhören. Der 886er Bus nach Wriezen konnte in den Busbahnhof in Bad Freienwalde trotz der laufenden Bauarbeiten an der Bundesstraße 167 nur ein paar Meter entfernt einfahren. Im Fahrzeug saß ein gut gelaunter Alfons Trautmann. Dafür ist der Wriezener bekannt. Der heute 63-Jährige war im Februar 2008 als nettester und hilfsbereitester Fahrer der Barnimer Busgesellschaft im Altkreis Bad Freienwalde gewählt worden.

Die Leute kennen ihn und er kennt die Leute. Schließlich hat der gelernte Zugbegleiter bereits seit 1976 seinen Busschein in der Tasche und kutschierte einst vorwiegend Frauen, die in der LPG Pflanzenproduktion "Höhe" arbeiteten, über die Dörfer. "In einem bei Büssing umgebauten Lkw, der in den letzten Kriegstagen 1945 in einer Scheune versteckt worden war", erzählt Trautmann und fügt hinzu: "Ich wollte schon immer Busfahrer werden." Warum Busfahrer? "Ich wollte Umgang mit Menschen haben", sagt der gebürtige Bad Freienwalder, der in Wölsickendorf aufgewachsen ist.

In Tiefensee, wo er die fünfte bis achte Klasse besuchte, lernte er seine spätere Frau Elke kennen. Gemeinsam wechselten sie noch an die damals neue Schule in Heckelberg. "Die neunte und zehnte Klasse habe ich dann bei der Deutschen Reichsbahn nachgeholt", sagt der Vater zweier längst erwachsener Töchter und stolze dreifacher Großvater. Eine der Enkelinnen habe kürzlich auf den Schriftzug Enkeltaxi am Auto seiner Frau verwiesen und gefragt, ob er an einem bestimmten Tag Zeit hätte. "Hatte ich, also habe ich ja gesagt und bin dann die eine Stunde 45 Minuten nach Nauen gefahren, um sie von der Schule abzuholen und danach wieder zurück nach Wriezen zu fahren", erzählt Alfons Trautmann lachend.

In dem Zusammenhang fällt ihm eine von vielen Episoden aus seinem Berufsleben ein: "Noch zu DDR-Zeiten habe ich mal einen Schulanfänger gefahren, der sich am Sonnabend - da gab es damals ja noch Unterricht - von mir verabschiedete, so als wolle er sich für immer verabschieden. Der Kleine meinte, nun sei Schluss mit der Schule und war ganz enttäuscht, als ich ihm sagte, dass er nur den Sonntag frei habe und ich ihn am Montag wieder abholen würde." Inzwischen sei der Junge natürlich erwachsen, habe selbst Familie. "Wir sehen uns hin und wieder im Bus und wechseln auch das eine oder andere Wort."

Zur LPG sei er einst nach seinem Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) gegangen. "Der Wohnung wegen", blickt Trautmann zurück. Seine Frau, die damals auf der Unfallstation am Wriezener Krankenhaus arbeitete, sei jeden Tag von einem Kraftfahrer abgeholt und wieder gebracht worden. "Irgendwann ging das nicht mehr, aber ein Wriezener wollte nach Wölsickendorf tauschen."

Für ihn habe dies 1985 den Wechsel zum VEB Verkehrskombinat Frankfurt (Oder) mit Betriebshof in Bad Freienwalde bedeutet. Aus einem Teil des Kombinats sei 1992 die Barnimer Busgesellschaft hervorgegangen. Trautmann, der auf 42 Jahre als Busfahrer zurückblickt, erinnert sich gern auch an die vielen anderen Fahrten unter anderem mit Fußballern, darunter das Beiersdorfer Frauenteam, über den Reiterhof in Schulzendorf zu Hengstparaden in Neustadt/Dosse oder Moritzburg, mit Schulklassen in den Harz, zur Messe nach Leipzig. "Wenn jemand als Gruppe irgendwohin wollte, hat er zum Teil noch nach 1990 mich als Busfahrer angesprochen, mir die Daten gegeben und ich bin dann zum Betrieb gegangen, um das Angebot einzuholen", erzählt Trautmann. "Das war eine herrliche Zeit, die möchte ich nicht missen", sagt er und gibt offen zu, dass er gern über sein Renteneintrittsalter hinaus Busfahrer geblieben wäre. "Das ist im Unternehmen leider nicht möglich, aber ich habe bereits Anfragen privater Personentransportunternehmen. Da wird sich schon was ergeben."

Von seinen Kollegen hat er sich bereits mit einem Abend in der Wriezener Kegelhalle verabschiedet. "Um dem Weihnachtstrubel zu umgehen", sagt Trautmann und freut sich, dass 34 Kollegen seiner Einladung gefolgt seien, darunter aus Eberswalde. Klar, dass er da nicht um die Frage nach dem Obus herumkommt. "Natürlich bin ich auch Obus gefahren. Noch heute gibt es für die Kollegen in Bad Freienwalde einen Obus-Dienst - immer aushilfsweise am Wochenende." Und das sei wirklich ein anderes Fahren. "Durch den Elektromotor viel leiser. Der Fuß muss auf dem Pedal bleiben, auch sollte man sanfter bremsen, damit die Stangen nicht ausgehängt werden, und generell nicht von der Fahrbahn abkommen."

Eines ist ihm zum Schluss ganz wichtig: ein Dank an alle seine Fahrgäste.

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