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Kloster-Friedhof behutsam rekonstruiert

Ein Ort der Stille und der Erinnerung: Der Kloster-Friedhof, der in den vergangenen Jahren verwilderte, ist mit viel Sachverstand rekonstruiert worden.
Ein Ort der Stille und der Erinnerung: Der Kloster-Friedhof, der in den vergangenen Jahren verwilderte, ist mit viel Sachverstand rekonstruiert worden. © Foto: MZV
Martin Risken / 31.08.2017, 19:04 Uhr
Zehdenick (GZ) Nicht wiederzuerkennen ist der Klosterfriedhof nach seiner behutsamen Rekonstruktion. Während der Arbeiten gewann das Klosterstift Zehdenick viele neue Erkenntnisse über die dort bestatteten Stiftsdamen. Am Tag des offenen Denkmals am 10. September wird der Friedhof für Besucher zugänglich sein, kündigt Stiftsamtfrau Gabriele Pielke an.

Schon 1910 wurde der Friedhof entwidmet. Die letzten Stiftsdamen wurden auf dem Friedhof an der Friedhofstraße bestattet. Nach dem Krieg erfuhr der Kloster-Friedhof für kurze Zeit eine neue Bestimmung: Er wurde Nutzgarten für die Flüchtlinge, die im Kloster untergekommen waren. "Für deren Kinder war der Friedhof ein wunderbarer Abenteuerspielplatz", schreibt Gabriele Pielke in einem Beitrag für die "Kirchlichen Nachrichten". Später seien geringe Teil des Friedhofes als Garten genutzt worden. Und schließlich wurde er sich selbst überlassen. Die Natur kehrte zurück. Die Bäume wurden immer größer. Auf dem Boden deckten Ahorn und Efreu alles zu. Vor drei Jahren beschloss das Stiftskapitel, im Zuge der Sanierung der alten Kirchenrestmauer eine dort ehemals vorhandene und später zugemauerte Pforte mit Zustimmung der Denkmalpflege wieder zu öffnen. Seitdem gibt es dort eine schmiedeeiserne Pforte, die den Blick auf einen Teil des Friedhofes freigibt. Im Bereich der ehemaligen Kirche, die 1901 dem Feuer zum Opfer fiel, entstand eine Andachtsstätte unter freiem Himmel.

"Es gab jedoch ein fast unüberwindliches Problem: Wie sollten wir ohne große Mittel diesen Urwald wieder in einen Friedhof verwandeln?", fragte sich Gabriele Pielke. Anfragen bei der Jugendbauhütte der Stiftung Denkmalschutz liefen ins Leere, da das Klosterstift nicht die geforderten Voraussetzungen schaffen konnte. Immerhin konnte es einen Baumkletterer beauftragten, der die Bäume auf dem Friedhof von gefährlichem Totholz befreit.

"Und dann fügte sich plötzlich eines zum anderen, und wir durften erleben, was Engagement und Zusammenarbeit bewirken können", so Gabriele Pielke begeistert. Es habe damit begonnen, dass Vladimir Skarednov, der dem Kloster seit Jahren verbunden ist, den Friedhof zu einem Projekt erklärt habe und im vergangenen Jahr über Monate hinweg den Wildwuchs entfernte, Schrott beseitigte und eine Reihe von Grabsteinen und Kreuzen freilegte. Auch jetzt pflegt er den Friedhof weiterhin. Dabei werde er stets von Hausmeister Bodo Potrawiak unterstützt. Außerdem hatte das Klosterstift das Glück, mit Gartenarchitektin Anja Brückner eine engagierte Planerin zu finden, die ganz nebenbei noch die Geschichte des Klosters erforscht habe. Mit Oliver Guhr fand das Klosterstift einen kenntnisreichen und engagierten Restaurator, der bereits über Winter alle Grabmale, die nicht mit dem Boden fest verbunden waren, in seiner Werkstatt restaurierte. Dabei kamen Namen aus dem grauen verwitterten Marmor zum Vorschein, die selbst dem kenntnisreichen Forscher und Klosterführer Hermann Aurich mitunter noch unbekannt waren. Es entstand eine Schrifttafel, die im Eingangsbereich des Friedhofs angebracht worden ist. Die Friedhofsmauer zwischen Klostereingang und -scheune war, wie sich herausstellte, schon brüchig, so dass die Maurer tätig werden mussten. Die Landeskirche hat für diese Arbeiten einen großzügigen Zuschuss gegeben.

Neue und ältere Forschungsergebnisse zum Thema "Wie aus den Zehdenicker Nonnen Stiftsdamen wurden" wird Hermann Aurich am 10. September beim "Tag des offenen Denkmals" vorstellen. Es geht um die Reformation, ihre Vorgeschichte und ihre Nachwirkungen im Alltag des Klosterlebens wie auch im Beziehungsgeflecht der Mächte der damaligen Zeit. Beleuchtet wird unter anderem auch die Rolle der kurfürstlichen und später königlichen Amtmänner, denen die Verwaltung der ehemals klösterlichen Besitzungen und Einkünfte übertragen wurde. Neue Erkenntnisse gibt es auch zur wechselvollen Geschichte der Klosterkirche und ihrer Einrichtung, zu der auch das geheimnisvolle Gefäß mit dem so genannten Wunderblut gehört hat. Bei einer Führung im Anschluss an den Vortrag können die Besucher unter anderem auch schon mal einen ersten Eindruck vom neu gestalteten Klosterfriedhof gewinnen. Beginn um 14.15 Uhr (Treffpunkt im Kreuzgang), um 15 Uhr Führung durch das Kloster. Der Eintritt ist frei.

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