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Auf einen Kaffee mit Petra Künzel

Berlin ist ihr zu hektisch: Petra Künzel.
Berlin ist ihr zu hektisch: Petra Künzel. © Foto: MZV
Aileen Hohnstein / 11.09.2017, 18:53 Uhr
Velten (HGA) S-Bahn-Sitzbänke aus Holz, alte Bahnschilder an der Wand - der Bäcker am Veltener Bahnhof lockt schon vormittags um zehn Uhr viele Gäste mit gemütlichem Ambiente. Petra Künzel lädt gern Berliner Freunde hierher ein. "Sie sind dann immer überrascht, dass es hier so ein nettes Café gibt", sagt sie und nimmt ein Schlückchen von ihrem Milchkaffee.

Selbst gebürtige Berlinerin aus Reinickendorf, bezeichnet Petra Künzel die Ofenstadt mittlerweile als ihre Heimat. Auf einer Radtour mit ihrem Mann hat sie Velten vor knapp drei Jahrzehnten erstmals kennengelernt - und wollte nicht bleiben. Drei Kinder später, vor 21 Jahren, drängten die Immobilienpreise die Familie ins Berliner Umland. Mit dem ersten Haus und drei weiteren Kindern wuchs die Liebe zur Stadt. Nette Bekanntschaften, das viele Grün, die Ruhe, Spaziergänge mit dem Hund in den Tonbergen. Das alles möchte sie nicht mehr missen. "Berlin? Das ist mir zu hektisch. Wir haben doch alles hier", sagt die 50-Jährige.

Dass sie sich um das Amt als Bürgermeisterin bewerben würde, hätte Petra Künzel noch vor Kurzem nicht für möglich gehalten. Zwar sei sie in einer sozialdemokratisch geprägten Familie aufgewachsen. Helmut Schmidt, ein Mann mit Format, wie sie sagt, bewunderte sie für seine Haltung und Geradlinigkeit. Doch eigene politische Ambitionen verfolgte die gelernte Rechtspflegerin, die mit dem sechsten Kind den Beruf für die Familie niedergelegt hat, nie. Bis vor vier Jahren. Da habe sich Petra Künzel, wie so viele andere, über "die da oben" geärgert. Sie wollte etwas verändern und befasste sich erstmals mit kommunalpolitischen Themen.

Nach einem Zwischenstopp in der SPD wurde sie 2013 Gründungsmitglied des Vereins Pro Velten, den sie zum Jahreswechsel verließ. Die Arbeit als Stadtverordnete (für die Fraktion Die Unabhängigen Ofenstädter) hat sie viel gelehrt. Konflikte scheut sie nicht; Kritik kann sie gut einstecken: "Es geht um die Sache, da sollten persönliche Animositäten nicht im Vordergrund stehen." Als unabhängige Kandidatin möchte sie nun die politische Lücke in Velten schließen und die Distanz zwischen Politik und Bürgern abbauen.

Kann Wahlkampf funktionieren, bei dem die gängigen Methoden ignoriert werden? "Ich mache es ganz auf meine Art und Weise" sagt Petra Künzel. Wahlplakate, Werbegeschenke, Informationsstände, Internetseiten - das nervt sie und deshalb möchte sie es potentiellen Wählern nicht zumuten. Stattdessen verteilt sie Flyer, auf denen sie über sich und ihre Ideen informiert. "Das ist alles nicht professionell, aber mit viel Liebe gemacht", sagt sie und lacht ihr offenes Lachen, das häufig auf ihrem Gesicht erscheint. Ihr jüngster Sohn hat sie bei der Gestaltung unterstützt. 5200 Stück hat sie drucken lassen und verteilt sie an Veltener Haushalte, kommt immer wieder ins persönliche Gespräch. Engagiert ist sie, sucht selbst entlegene Ecken der Stadt auf und verliert dabei schon einmal den Zweikampf mit ihrem Fahrrad, wie eine Schramme am Arm zeigt. Dass nicht alles perfekt ist, stört sie nicht. "Wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen", kontert sie und lacht wieder.

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