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Klaus. D. Grote 17.06.2017 15:34 Uhr - Aktualisiert 17.06.2017 16:03 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Gedenkstätte zeigt Aktentasche des Schreibtischtäters

Oranienburg (MOZ) Die Bibliothek mit Holzvertäfelung, Bücherschränken, Originalparkett und einem eigens für das Casino der SS gefertigten Sessel gibt die Atmosphäre im Kommandantenhaus authentisch wieder. In den Nachbarräumen wird auf beleuchteten Tafeln, interaktiv zu bedienenden Bildschirmen und in einem virtuellen Regal erläutert, wie die Mordmaschinerie der SS funktionierte. Beispielhaft werden dazu Täter und Opfer gezeigt. Das Kommandantenhaus, von 1961 bis 1985 noch vom damaligen Leiter der Mahn- und Gedenkstätte sowie Mitarbeitern als Privatwohnung genutzt, ist erstmals öffentlich zugänglich.

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Die Tasche des Täters ist noch da: Adjutant Heinrich Wessel transportierte darin seine Unterlagen. Die Ledertasche ist als original erhaltenes Exponat in der Ausstellung zu sehen.

© Klaus D. Grote/MOZ

Nach den beiden Dauerausstellungen im T-Gebäude sowie im Turm A werde nun die Dokumentation über die SS-Täterschaft, die er bereits 1993 in einem Buch angekündigt habe, komplettiert, sagte Stiftungsdirektor Günter Morsch am Freitag. Die neue Ausstellung "Arbeitsteilige Täterschaft" zeigt, wie die sechs Abteilungen des SS-Kommandantenstabs und die SS-Wachsoldaten zusammenarbeiteten, damit "alles funktionierte", so Morsch. So werde auch deutlich gemacht, dass Schreibtischtäter wie der Adjutant Heinrich Wessel, dessen Aktentasche in der Ausstellung zu sehen ist, eine Schlüsselrolle bei den Mordaktionen der SS übernahmen.

Die Justiz der Nachkriegszeit sah das anders. Demnach waren die SS-Schreibtischtäter lediglich kleine Rädchen in einer Maschinerie. Weniger als sechs Prozent von ihnen wurden juristisch belangt, die meisten kamen mit milden Urteilen davon. Die Exzesstäter wurden - wenn überhaupt - meist härter bestraft.

Die Justiz hat ihre Sicht auf die Verantwortung dank der historischen Aufarbeitung längst umgekehrt. Über den Wandel berichtet am Sonntag Oberstaatsanwalt Jens Rommel, Leiter der zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen. Es löse bis heute Scham und Empörung aus, dass die meisten Täter ungeschoren davonkamen, sagte Morsch und berichtet vom Fall eines Täters, der in der DDR verurteilt wurde und 1971 in Westdeutschland eine hohe Entschädigungssumme für das erlittenen "DDR-Unrecht" erhielt.

Wie die perfide Mordmaschinerie funktionierte, wird anhand des Massenmords an 13 000 sowjetischen Soldaten 1941 und dem Mord an 15 000 Häftlingen kurz vor der Lagerauflösung exemplarisch dargestellt. Um die SS-Leute stets bei Laune zu halten, durften sie sich oft zum Vergnügen verabreden. Im Casino spielte die Berliner Scala für die SS-Offiziere, es gab eine Kegelbahn, bieder angelegte Blumenrabatten mit Schwanenteich, Badeausflüge an den Lehnitzsee und Reisen in andere Länder und zum Obersalzberg.

Von einer Traumatisierung der Täter sei nie etwas bekannt geworden, vom KZ-Syndrom ehemaliger Häftlinge dagegen schon, sagte Morsch. Deshalb werden in der Ausstellung auch exemplarisch die Gesichter von Opfern gezeigt. Viele von ihnen wurden willkürlich von SS-Leuten erschossen.

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