Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Unser Gewinnspiel zu Weihnachten - Heute 100€ gewinnen

Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Mark Tilewitsch

Zum Gedenken in Sachsenhausen: Mark Tilewitsch ist am Montag gestorben.
Zum Gedenken in Sachsenhausen: Mark Tilewitsch ist am Montag gestorben. © Foto: MZV
Friedhelm Brennecke / 12.08.2017, 11:38 Uhr - Aktualisiert 14.08.2017, 17:07
Oranienburg (bren) Erneut trauert die Gedenkstätte Sachsenhausen um einen eindrucksvollen Zeitzeugen. Nur wenige Tage nach dem Tod von Roger Bordage, dem Präsidenten des Internationalen Sachsenhausen Komitees (ISK), starb am vorigen Montag in Moskau Mark Tilewitsch im Alter von 95 Jahren. Er war langjähriger Vizepräsident und seit 2015 Ehren-Vizepräsident des ISK.

"Mit Mark Tilewitsch verlieren wir einen großen Freund und langjährigen Mitstreiter, dem es mit seiner menschenfreundlichen und sensiblen Art gelang, die Jugendlichen, die seinen Berichten zuhörten, zu fesseln und ihre emphatischen Empfindungen anzusprechen", würdigt Stiftungsdirektor Günter Morsch den Verstorbenen. Tilewitsch sei es überdies zu verdanken, dass viele KZ-Überlebende aus Russland zu den runden Jahrestagen der Befreiung 1995 und 2005 an die Orte ihres Leidens zurückkehren konnten. Für seine KZ-Kameraden, die nicht selten in großer materieller Not lebten, hatte der russische Vize-Präsident des ISK stets ein offenes Ohr und ein weiches Herz. "Er wird uns sehr fehlen", sagt Morsch.

Tilewitsch, am 10. Juli 1922 in Moskau geboren, wurde mit 18 Jahren zum Militärdienst einberufen. Als die deutschen Truppen am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfielen, leistete er Armeedienst an der Grenze und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit Unterstützung seiner sowjetischen Kameraden konnte er sich der Aussonderung und Ermordung als Politoffizier und Jude entziehen.

Nach zweimaligen Fluchtverschen aus dem Kriegsgefangenenlager Wietzendorf wurde Tilewitsch 1943 der Gestapo übergeben und ins KZ Sachsenhausen überstellt. Dort, wo im Herbst 1941 mehr als 10 000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet worden waren, fürchtete Tilewitsch stets, als Jude verraten und exekutiert zu werden. Geschwächt überlebte er den Todesmarsch.

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Moskau studierte Tilewitsch Redaktionswesen. Später arbeitete er als Journalist und als stellvertretender Chefredakteur der populären Automobilzeitschrift "Sa Ruljom" ("Am Steuer"). Darüber hinaus engagierte er sich im 1957 gegründeten sowjetischen Komitee der Kriegsveteranen und übernahm leitende Funktionen in der Sektion ehemaliger KZ-Häftlinge. Dort fand er eine politische Nische, in der er seine Vorstellungen von Internationalismus und Solidarität umsetzten konnte.

Bis kurz vor seinem Tod war Tilewitsch als Zeitzeuge eng mit einer Moskauer Schule verbunden. Aus dieser Zusammenarbeit ist die Mark-Tilewitsch-Stiftung hervorgegangen, die sich der historischen Erinnerung und der Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements widmet.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG