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Bundestagskandidaten werben verstärkt um Erstwähler

Oberhavel (OGA) Wenn in elf Tagen ein neuer Bundestag gewählt wird, sind im Wahlkreis 58, zudem neben Oberhavel das östliche Havelland gehört, auch 9 410 Erstwähler an die Urne gerufen. Für die Kandidaten eine wichtige Zielgruppe, um die sie in diesem Jahr ganz besonders werben.

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Aufmerksamkeit mit Einhorn: Ein Wahlplakat der Jusos lässt Benjamin Grimm in den Bundestag reiten.

© MZV

Benjamin Grimm hat es mal wieder geschafft. Kaum hingen am Wochenende die ersten der neuen Wahlplakate des SPD-Bundeskandidaten an den Laternen im Landkreis, gingen in den sozialen Netzwerken des Internets die Diskussionen los. Ein wahlstrategischer Geniestreich, befanden die einen. Für andere war es eher ein Ausdruck der Verzweiflung, mit dem die SPD nun um Stimmen kämpft. Denn was wolle ein Bundestagskandidat schon vermitteln, der sich auf einem Einhorn auf den Weg ins Parlament macht, allein mit der Botschaft, "geiler" als CDU-Konkurrent Uwe Feiler zu sein.

"Inhaltlich transportiert das rein gar nichts", sagt Grimm dann auch zum Poster, das nicht sein Wahlkampfteam, sondern die SPD-Jugendorganisation Juso in Auftrag gegeben hat. Begeistert ist der Sozialdemokrat trotzdem. "Denn es erregt aber offenbar Aufmerksamkeit. Wenn allein deshalb jemand meinen Namen googelt und sich mit meiner Kandidatur beschäftigt, ist schon viel erreicht", sagt er. Schon vor Wochen hatte Grimm die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als er nach diversen Vandalismusschäden ein Großplakat für Graffiti-Sprayer freigab.

Marie Steller hingegen zeigt sich vom Grimm'schen Wahlplakat mit Einhorn wenig begeistert.Klar sei es irgendwie lustig und errege Aufmerksamkeit, aber Inhalt ist dort nicht zu erkennen. Die 18-jährige Hohen Neuendorferin wird am 24. September zum ersten Mal ihre Stimme bei einer Bundestagswahl abgeben. "Das wird wenig spektakulär werden", sagt sie. Zwei Kreuze auf dem Wahlzettel gemacht und wieder raus der Kabine im Hohen Neuendorfer Kindergarten, der als Wahllokal fungiert. Dennoch sollte man sich vorher Gedanken über seine Wahl machen, sagt sie. Plakate an jeder Straßenlaterne können dabei helfen, in dem sie Aufmerksamkeit erzeugen.

Das ist ein wichtiger Rohstoff in diesem als bislang langweilig deklarierten Wahlkampf, und die Stimmen der Jugend sind begehrt wie nie. "Uns Politikern muss es darum gehen, einen Generationenabriss an der Urne zu vermeiden", sagt der Kandidat der Linken, Harald Petzold. Die älteren Bürger würden zwar noch weitgehend zuverlässig ihre Stimme abgeben. Bei der Jugend sei das aber schon nicht mehr so selbstverständlich. "Wohin das führen kann, haben wir zuletzt bei der Abstimmung über den Brexit gesehen", sagt Petzold. Schon deshalb sei es wichtig, die Anliegen der Erstwähler ernstzunehmen und auf die Jugend zuzugehen. Petzold verzichtet zwar auf die Grimm'sche "Effekthascherei", sucht aber auch im Internet den Kontakt zur Jugend. "Ich versuche bei Facebook und Twitter meine Themen so zu platzieren, dass sie auch junge Leute ansprechen." Der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler, der sein Direktmandat verteidigen will, arbeitet wie Petzold im Internet viel mit Videos. In kurzen Clips lässt er sich und seine Unterstützer zu verschiedenen Themen zu Wort kommen. Auf Fotos posiert er bevorzugt mit seinen jugendlichen Helfern der Jungen Union. Die Grünen setzen derweil auf Altbewährtes. "Wir versuchen an jeden Erstwähler einen Brief zu schicken, in dem wir uns und unser Programm vorstellen", sagt Petra Budke, Kandidatin von den Bündnisgrünen.

Gute Gelegenheiten bieten in diesem Jahr die Schulen. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Bildungseinrichtung im Landkreis zur Podiumsdiskussion einlädt. Klima- und Tierschutz, die Zukunft Europas, Bildung und innere Sicherheit, sind die Themen, die dort immer wieder zur Sprache kommen, berichten die Bundestagskandidaten, die die Einladungen in die Schulen sehr gern annehmen. Morgen stellen sich die Kandidaten den Fragen der Oranienburger Torhorstschüler. Eine solche Debatte wird es an Marie Stellers Schule, dem Oranienburger Runge Gymnasium, nicht geben. "Schade", findet die Erstwählerin. Auch eine Probewahl, wie bei der vergangenen Bundestagswahl, steht dieses Jahr nicht im Stundenplan. Dennoch kämen die Schüler und Erstwähler auf dem Pausenhof ins Gespräch. Oft würde darüber diskutiert werden, wer für welchen Kandidaten seine Stimme abgibt. "Die Meinung sind sehr unterschiedlich", sagt die Erstwählerin. "Aber die Hauptsache ist, die Menschen wählen."

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