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Schüler nehmen Bürgermeisterkandidaten unter die Lupe

Josefin Roggenbuck / 13.09.2017, 19:43 Uhr
Oranienburg (OGA) Das Wichtigste vorweg: Geht es nach den knapp 70 Jugendlichen, die am Dienstagabend an der nicht repräsentativen Probeabstimmung zur Oranienburger Bürgermeisterwahl teilnahmen, wird Heiner Klemp (Grüne) der nächste Boss im Schloss. Sieben der acht Kandidaten hatten sich zuvor vorgestellt.

"Wir haben ein paar Regeln für den heutigen Abend aufgestellt", sagt Moderatorin Geena Michelczak vom Oranienburger Jugendbeirat. Ihre Moderationskollegin Michelle Leppak blättert derweil das Flipchart um. Ausreden lassen, in eineinhalb Minuten auf die Fragen antworten und die Selbstpräsentation der Kandidaten im sogenannten Pecha-Kucha-Format sind nur einige der Vorgaben.

Mit drei Minuten Zeit ausgestattet und 20 Powerpoint-Folien zur Verfügung, startet Jennifer Collin (SPD) in den ersten Teil der Podiumsdiskussion - die Vorstellungsrunde. Dass drei Minuten ziemlich wenig sein können, ist der Kandidatin von der SPD anzumerken. Sie spricht schnell, um möglichst ihr ganzes Programm in die vorgegeben Zeit zu pressen. "Das war ein ganz schneller Durchlauf durch mein Programm", sagt sie am Ende und schlägt noch ein Jugendparlament für die Stadt vor.

Heiner Klemp (Grüne) ist da weniger gehetzt. Er beginnt seine Vorstellung mit einer Geschichte von Heiner, der Bürgermeister werden will, und Felix, der 17 Jahre alt ist, in Schmachtenhagen wohnt und zum ersten Mal wählen darf. Illustriert wird dies mit Bildern von Playmobilfiguren, die an den Orten auftauchen, wo Klemp Veränderungspotential sieht. Ein Jugendforum, das diesmal ernst genommen wird, lautet eine von Heiners Ideen.

An die Jugendlichen angepasst hat auch Einzelbewerber Friedemann Humburg seine Präsentation. Warum er Bürgermeister werden will? "Der Bürgermeister ist der Boss im Schloss", sagt er mit einem Augenzwinkern bevor er seine wirklichen Themen vorstellt. Zum Beispiel will er Oranienburg zu einer fahrradfreundlichen Stadt machen.

Kerstin Kausche (CDU) setzt auch bei den Jugendlichen darauf, dass Kommunalpolitik ihr "Steckenpferd" ist. Im Mittelpunkt ihrer Präsentation stehen nicht Playmobilfiguren, sondern reale Jugendliche. Einen Biergarten, ein Beachvolleyballfeld und freier Eintritt in den Schlosspark für die Jugendlichen der Stadt fordert die CDU-Kandidatin.

Wer Einzelbewerber Alexander Laesicke ist, wird bei seiner Vorstellung klar. Unter der Überschrift "Und du willst unser Babo werden?" rezitiert er ein selbstgeschriebenes Gedicht, dass seine Person und seinen Lebensweg beschreibt. Doch mit welchen Inhalten er das Amt ausfüllen möchte, bleibt an diesem Abend weitgehend offen.

Als Letzter in der Runde stellt sich Enrico Rossius (Linke) den Jugendlichen vor. Er fordert sie auf: "Macht's wie ich, mischt euch ein." Denn Baumschutzsatzung, Wohnungsbau und Busverkehr seien Themen, die auch Jugendliche angehen würden. Kevin Blüthgen, ebenfalls Einzelbewerber, fand bis zum Ende der Vorstellungsrunde noch nicht den Weg in die Räume der Kirche im Container (KiC). Erst als der zweite Teil - die Fragerunde - schon läuft, kommt er dazu. AfD-Kandidat Jan Radke fehlt komplett.

Ein Zufallsgenerator wählt dann aus, welcher Kandidat eine der zuvor eingeschickten Fragen beantworten muss. Themen wie Jugendbeteiligung, Ortsteilanbindung, Fahrradparkhaus, Wegzug und Integration von Flüchtlingen werden abgefragt. Gefällt dem Publikum die Antwort, halten sie ihren Daumen nach oben. Im gegensätzlichen Fall, der nur ein Mal eintritt, zeigt der Daumen nach unten. Das "Jein" zur Obergrenze für Flüchtlinge von Blüthgen mag das Publikum weniger.

Nach dem "Meet and Greet" der Bürgermeisterkandidaten zeigt sich der Jugendbeirat erleichtert. "Wir sind froh, dass die Bewerber das Format so gut angenommen haben", sagt Mitglied Michelle Leppak. "Es sollte schnell sein und damit zu unserer Generation passend", fügt Geena Michelczak hinzu. Auch Alicia und Annalena aus Oranienburg hat es gefallen. Die beste Figur machten ihrer Meinung nach Jennifer Collin und Heiner Klemp. "Sie waren authentisch und hatten frische Ideen", sagen die Freundinnen.

Ihre Meinung spiegelt auch das Ergebnis der Probeabstimmung wieder - Klemp liegt mit 23 abgegebenen Stimmen vor Collin (17) und Humburg (11). Den vierten Platz teilen sich Kausche und Rossius mit jeweils sieben der abgegeben Stimmen. Laesicke erhielt in der Probeabstimmung zwei Stimmen für sich, Blüthgen bekam eine Stimme.

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