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Der neue jüdische Friedhof in Fürstenberg wurde erst 1890 angelegt / Jüdische Bestattungen gab es seit 1835 in der Stadt

Noch 15 Grabstätten sind geblieben

Blick durch den sogenannten Davidstern am Eingangstor: 15 Grabstellen vor allem von Fürstenberger Bürgern befinden sich heute noch auf dem jüdischen Friedhof, der 1890 angelegt wurde.
Blick durch den sogenannten Davidstern am Eingangstor: 15 Grabstellen vor allem von Fürstenberger Bürgern befinden sich heute noch auf dem jüdischen Friedhof, der 1890 angelegt wurde. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Stefan Lötsch / 11.08.2017, 05:39 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Friedhöfe und alte Grabstätten haben für viele Menschen etwas Faszinierendes. Das Oder-Spree Journal hat Geschichten rund um Friedhöfe recherchiert - heute der jüdische Friedhof in Fürstenberg.

Er liegt etwas abseits, in der Nähe von leerstehenden Garagen jenseits des evangelischen Friedhofes in Fürstenberg: An der Zahl der Grabsteine ist zu erkennen, dass es sich um einen kleinen Friedhof handelt, ein Hinweisschild gibt kurze Informationen: Es handelt sich um den jüdischen Friedhof. 15 Grabstellen gibt es dort noch, weiß Erich Opitz, Vorsitzender der Bürgervereinigung Fürstenberg/Oder. Familienmitglieder der Familie Fellert liegen dort begraben,aber auch Sally Fleischer. Der Kaufmann aus Fünfeichen war Teilnehmer des 1. Weltkrieges, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Als nach dem 1. Weltkrieg jüdische Soldaten beschuldigt wurden, ihnen fehle der Patriotismus, gehörte Sally Fleischer mit zu den Gründern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. 12000 Mitglieder hatte der, sagt Erich Opitz. Die Auszeichnungen der jüdischen Soldaten für Tapferkeit lagen überdurchschnittlich zum Bevölkerungsanteil.

Die jüdische Bestattungskultur hat eine relativ junge und auch kurze Geschichte in Fürstenberg. Bis 1835 wurden die Juden der Region in Friedland - im Volksmund "Jüdisch Friedland" - beerdigt. Der erste jüdische Friedhof in Fürstenberg befand sich auf einem Grundstück neben der ehemaligen Post in der Bahnhofstraße. Erich Opitz nennte die Jahreszahlen 1835 bis 1890. Danach wurde der neue Friedhof errichtet, der sich noch heute an der gleichen Stelle befindet.

In den 1930er-Jahren sind in Fürstenberg 13 jüdische Steuerzahler registriert. Die jüdische Gemeinde dürfte um die 50 Personen umfasst haben. Der größte Teil wurde deportiert und kam in Konzentrationslagern ums Leben.

Erich Opitz weist darauf hin, dass während der Zeit des Nationalsozialismus nicht bekannt sei, dass der jüdische Friedhof geschändet wurde. Sehr wohl sind aber mehrere Vorfälle in der Zeit nach 1990 dokumentiert.

Mit der Pflege des Friedhofes ist die Stadt beauftragt. Grundlage dafür ist ein Abkommen zwischen den Ländern und jüdischen Verbänden. "Dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg wurde die Zuständigkeit für die Pflege und Betreuung jüdischer Friedhöfe im Land Brandenburg übertragen", erklärt Michael Reichl, Leiter des Fachbereiches Bauen und Liegenschaftsverwaltung. "Mit der Realisierung dieser Aufgabe werden die Kommunen beauftragt." Die Stadt wiederum hat die Aufgabe der Stadtwirtschaft übertragen, vom Land gibt es dafür eine Pflegepauschale. "Neben den wöchentlichen Kontrollen des jüdischen Friedhofs erfolgt eine Reinigung jeweils im Frühjahr, Sommer und Herbst eines jeden Jahres", erläutert Michael Reichl die Aufgaben. "Werden durch die Stadt Beschädigungen u. a. durch Vandalismus festgestellt, werden diese unverzüglich beseitigt."

Darüber hinaus wird auch unter anderem Wildwuchs beseitigt und umgefallene Grabsteine aufgerichtet. Allerdings dürfen Grabsteine nicht versetzt, Bäume nicht gefällt und Erdreich nicht bewegt werden.

Männer, darauf weist ein Schild am Eingang des Friedhofes hin, dürfen diesen nach jüdischem Brauch nur mit einer Kopfbedeckung betreten.

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