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Robert Iwanetz 19.03.2017 19:26 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Bewegende Sternstunde

Frankfurt (Oder) (MOZ) Mit einem Sonderkonzert der Singakademie Frankfurt wurde am Sonnabend das 50-jährige Bestehen der Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach gewürdigt. Sänger, Musiker und Zeitzeugen begaben sich auf einen Streifzug durch die Geschichte des einstigen Franziskanerklosters - das Publikum war begeistert.

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Jubiläumskonzert Konzerthalle

© Robert Iwanetz

Wilfried Pröger wollte, wie er es formulierte, "seinem Herzen etwas Luft machen". Der ehemalige Stadtrat für Kultur sollte eigentlich von der bewegten Geschichte der Konzerthalle erzählen. Vom ersten Konzert im ehemaligen Kloster - am 11. März 1967 - mit Klappstühlen aus Holz, Lehmfußboden und einer abgehängten Decke, die aussah, als würde sie demnächst auf die Konzertbesucher fallen. Doch dann bilanzierte er erst einmal die Gegenwart: "Heute ist eine Sternstunde für die Konzerthalle, die für mich noch immer ein Wunderwerk an Schönheit, Eleganz und Klang darstellt."

Mit diesem Gefühl war er nicht allein: Tobender Applaus brandete nach seinen Worten auf, in einer seit langer Zeit mal wieder bis auf die letzten Plätze ausverkauften Konzerthalle. Hunderte Besucher - darunter Oberbürgermeister Martin Wilke - wollten sich das große Jubiläum nicht entgehen lassen: "50 Jahre Konzerthalle - Carl Philipp Emanuel Bach" war den ganzen Sonnabendnachmittag auf die Empore der Orgel projiziert. Gewürdigt durch ein Sonderkonzert der Singakademie Frankfurt, das Chordirektor Rudolf Tiersch organisiert hatte.

Eröffnen durfte Matthias Eisenberg, der bis zu seiner Ausreise 1986 Organist am Leipziger Gewandhaus war, mit einer wilden Improvisation am Spieltisch. Es folgte ein Streifzug durch die Bau- und Musikgeschichte der Konzerthalle - unter dem Motto "Kyrie und Gloria", was von Moderatorin Sarah Fuchs ziemlich frei mit "Ehrfurcht und Freude" übersetzt wurde. Dabei erzählten neben Wilfried Pröger und Rudolf Tiersch auch der Architekt Hans Albeshausen und der Orgelbaumeister Peter Fräßdorf von ihren Beziehungen und Erlebnissen mit dem Konzerthaus.

Sie berichteten, wie - zum ersten Mal in der Geschichte der DDR - ein ehemaliges Kirchengebäude eine neue Nutzung erfuhr. Der Architekt Hans Albeshausen erläuterte die ikonografische Bedeutung der Schlusssteine für die Zuschauer, während Orgelbaumeister Peter Fräßdorf erklärte, dass der ursprüngliche Entwurf der Sauer-Orgel den Verantwortlichen zu sakral erschien und deshalb in die heutige Form umgewandelt wurde. "Noch immer funktionieren alle 3 964 Pfeifen, bis auf die Große in Es-Dur", sagte Fräßdorf.

Wie gut das Instrument auch nach mehr als 40 Jahren noch klingt, zeigten die musikalischen Ausflüge zwischen den Erzählungen: Die Chöre der Singakademie spannten dabei einen Bogen von Mozart über Dvorák bis hin Bach und zum "Kranichlied" des Frankfurter Künstlerpaares Helga Glöckner-Neubert und Gottfried Glöckner, das erst vor wenigen Tagen mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt geehrt worden war. Auch Matthias Eisenberg spielte noch einige weitere Stücke.

Am Ende blieben nach über vier Stunden Programm zahlreiche begeisterte Besucher zurück, die noch minutenlang mit Händen und Füßen applaudierten. Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Patzelt war das Jubiläumskonzert nicht nur eine würdevolle, sondern auch eine bewegende Erinnerung daran, welche Bedeutung das Gebäude für die Bürger der Stadt inne hat: "Für mich ist die Konzerthalle immer einer der wenigen Orte gewesen, an dem nicht Materielles im Vordergrund steht, sondern im tiefsten Sinne Kultur. An dem sich fühlen lässt, was Menschsein eigentlich ist", sagte der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeister.

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