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Zweiwöchiges Trainingscamp für Flüchtlinge auf dem Gelände des 1. FC Frankfurt zu Ende gegangen

Kurzpassspiel mit acht Nationen

Konterfußball: Oscar Firmin Neguini (2.v.l.) aus dem Kamerun zeigte seine Schnelligkeit beim Trainingsspiel.
Konterfußball: Oscar Firmin Neguini (2.v.l.) aus dem Kamerun zeigte seine Schnelligkeit beim Trainingsspiel. © Foto: Robert Iwanetz
Robert Iwanetz / 01.04.2017, 07:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Mit einer Reihe von Freundschaftsspielen ging am Freitag auf dem Trainingsgelände des 1. FC Frankfurt ein zweiwöchiges Fußballcamp für Flüchtlinge zu Ende. Mehr als 50 Teilnehmer aus acht Nationen hatten sich für das Training angemeldet, das künftig regelmäßig stattfinden soll.

Klaus Herpel macht gleich klar, was er heute sehen will. Kein Larifari-Gekicke, sondern richtiges Fußballtraining. "Wir machen hier keinen Dauerlauf. Ihr müsst die Bälle härter spielen!", ruft der Trainer, der sich sonst um die zweite Männermannschaft des 1. FC Frankfurt kümmert, über den Kunstrasenplatz am Stadion. Er steht dort mit einer Gruppe Flüchtlinge und trainiert Torschüsse. Einen Platz weiter wird am gepflegten Kurzpassspiel gearbeitet.

Insgesamt rennen an diesem Nachmittag 28 Flüchtlinge über den Rasen. Der Großteil von ihnen stammt aus Syrien und Afghanistan, manche kommen aber auch aus Kamerun, dem Irak oder Russland. Trotz der kulturellen Unterschiede funktioniere das Training gut: "Die Jungs sind alle motiviert, auch wenn das fußballerische Niveau sehr unterschiedlich ist", sagt Klaus Herpel, der bei der Trainingsgestaltung von einigen A-Junioren-Spielern unterstützt wird.

Sprachprobleme habe es kaum gegeben. Die Übersetzer, die man organisiert hatte, wurden letztlich gar nicht gebraucht, weil viele der Teilnehmer bereits passabel Deutsch sprechen. Nur mit der Pünktlichkeit funktioniere es noch nicht so wie gewünscht: "Wir haben manchmal mit 45 Minuten Verspätung angefangen", berichtet Klaus Herpel.

Die Idee für das Fußballcamp entstand bereits im vergangenen Jahr. Damals hatte sich Thomas Klähn, vom Verein "Vielfalt statt Einfalt", an den Frankfurter Stadtsportbund (SSB) gewandt, weil er eine Gruppe Syrer betreute, die einen eigenen Fußballverein gründen wollten. "Wir fanden es aber im Sinne der Integration besser, wenn die Flüchtlinge in den bestehenden Vereinen untergebracht werden", erzählt SSB-Geschäftsstellenleiter Stefan Köber.

So entstand das Konzept für ein zweiwöchiges Trainingscamp in Kooperation mit dem 1. FC Frankfurt, das vor zwei Wochen mit anfangs über 56 Teilnehmern zwischen 16 und 40 Jahren startete. Die Mittel dafür stammen aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!". "Es ist toll, wenn man sieht, mit welcher Leidenschaft die Jungs auf dem Platz dabei sind, statt sich im Wohnheim zu langweilen", sagte 1. FC Frankfurt-Vizepräsident Thomas Bleck.

Dieser Meinung ist auch Ramal Arad aus dem Irak. Drei Jahre hatte der 19-Jährige in seinem Heimatland in einem Verein gespielt, bevor er sich 2013 auf den Weg nach Mitteleuropa machte. Im Fußballcamp hatte er nun das erste Mal seitdem wieder die Möglichkeit auf einem gepflegten Rasen zu kicken. "Ich finde das Projekt total cool, weil wir alle zusammenspielen können", sagt der angehende Friseur, der eine Ausbildung in Frankfurt begonnen hat.

Die Abschlussspiele am Freitag mit Mannschaften bestehend aus Flüchtlingen sowie A- und B-Junioren des 1. FC Frankfurt sollten das Trainingscamp eigentlich beenden. Doch weil das Fußballtraining so gut ankam, soll das Projekt in Form einer regelmäßigen Trainingseinheit weitergeführt werden. Der Stadtsportbund sucht dafür noch weitere Vereine, die sich an dem Projekt beteiligen möchten. "Wir würden uns freuen, wenn wir noch mehr Partner gewinnen könnten", sagt Stefan Köber.

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