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Kristina Geißler hat einen Schatz gehoben / In der Burg Beeskow ist DDR-Kinderliteratur zu bewundern

"Bücher legen Erinnerungen frei"

Jörg Kotterba / 27.11.2017, 08:19 Uhr
Beeskow (MOZ) Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine Böden bedecken. Sagt Hermann Hesse. Winterzeit ist Lesezeit. So das neueste Ausstellungsmotto in der Burg Beeskow. Dort sind seit Sonnabend 250 Kinderbücher aus DDR-Zeiten zu sehen.

Gundula Benz erinnert sich, als wenn es vorgestern war: "Wir lasen Ludwig Renn und Daniel Defoe, Arkadi Gaidar und Jonathan Swift. Und natürlich Erwin Strittmatter. Nobi, Robinson Crusoe und Tinko und all die anderen Helden waren Pflichtlektüre im Unterricht", erzählte die jetzt 62-Jährige aus Fürstenwalde. Sie war Vernissage-Gast in der Burg Beeskow - und sehr begeistert. Unterm Dach, wie es dort salopp heißt, wurde die Ausstellung "Winterzeit - Lesezeit. Kinderbücher aus der DDR" eröffnet.

In ihren Eröffnungsworten lobte die aus Berlin stammende Kulturwissenschaftlerin Florentine Nadolni, seit Jahresanfang "Burgherrin", die "bemerkenswerte Vielfalt und Qualität der DDR-Kinderliteratur" und machte vor allem auf eine 13 Meter lange Buchtafel aufmerksam. Für sie habe Kuratorin und Historikerin Kristina Geißler zwischen 3000 bis 5000 Büchern, die in vielen Kartons in einem Depot in Fürstenwalde lagern, wählen müssen und am Ende einen Schatz gehoben.

Burg-Mitarbeiterin Kristina Geißler entführte die Besucher in einer sehr warmherzigen Rede in die Zeit ihrer Kindheit und Jugend mit jeder Menge Bücher und meinte: "Bücher legen Erinnerungen frei." Sie liebte "Jana und der kleine  Stern" von Werner Heiduczek ebenso wie "Die Kranichfelder" mit wunderbaren Illustrationen von Manfred Butzmann. Auch James Krüss und "Mein Urgroßvater und ich" mit den spaßigen Begebenheiten und Einfällen eines zehnjährigen Jungen in der Hummerbude auf Helgoland habe sie begeistert. "Das Buch ist in einem DDR-Verlag erschienen. Ich wusste gar nicht, dass der Autor in Westdeutschland lebt."

Florentine Nadolni, zugleich Chefin des Bildungs-, Kultur-, und Ausstellungszentrums des Kreises, zu dem neben der Burg und dem Kunstarchiv in Beeskow auch das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt gehört, freute sich über "Winterzeit - Lesezeit". Weil hier, wie sie meinte, dieses Miteinander erneut Früchte trage. In einem PR-Text für diese Ausstellung heißt es: "Auch in unserer Region gab es allerorten Kinder- und Jugendbibliotheken. Mehrere tausend Bücher aus diesen DDR-Beständen hat das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt seit 1993 zusammengetragen. Sie stammen unter anderem aus ehemaligen Eisenhüttenstädter Bibliotheken, so aus der des Bandstahlkombinats, des Kinderwochenheims oder aus der zentralen Kinderbibliothek. Wie Gebrauchsspuren deutlich zeigen, gingen sie einst durch viele Hände."

Zu den Gästen der Vernissage gehörten auch die in Bad Saarow lebenden Kinderbuchillustratorin Gertrud Zucker und Maler Werner Voigt. Der jetzt 88-Jährige hob 1961 im Frankfurter Halbleiterwerk einen Mal- und Zeichenzirkel aus der Taufe. Zu den bekanntesten Büchern, die Gertrud Zucker, jetzt 81, bebilderte, gehörten "Ilse Bilse" und "Das Schulgespenst", das auch verfilmt wurde. Die freischaffende Künstlerin erhielt mehrere Preise, darunter 1989 den Kunstpreis der DDR. "Diese Ausstellung ist wunderbar", meinte sie am Sonnabend. "Es kommen so viele wunderschöne Erinnerungen hoch."

Die Ausstellung kann bis zum 11. Februar 2018, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, besucht werden. Zum Jahreswechsel wird zwischen dem  25. und dem  30. Dezember und am 1. Januar jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet sein. Heiligabend und Silvester ist die Burg Beeskow geschlossen.

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