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Männer reden sich über Frauenrechte heiß

Aktuell tragen nur sechs Neuruppiner Straßen von 326 Frauennamen. Die SPD will das wenigstens für neue Straßen ändern.
Aktuell tragen nur sechs Neuruppiner Straßen von 326 Frauennamen. Die SPD will das wenigstens für neue Straßen ändern. © Foto: MZV
Daniel Dzienian / 17.05.2017, 18:21 Uhr
Neuruppin (RA) Neuruppins klare Unterdrückung der Frau auf den Straßenschildern könnte bald zumindest einen kleinen Dämpfer bekommen. Dazu müssen allerdings erst neue Straßen gebaut werden. Bis zur echten Gleichberechtigung ist es ein weiter Weg.

Die SPD im Stadtparlament will, dass künftig bei neuen Straßen wenigstens jedes zweite Mal ein Frauenname zu wählen ist - etwa, wenn ein neues Wohngebiet entsteht. Denn wie der RA kürzlich festgestellt hatte, gibt es mehr Wege, Gassen und Straßen, die nach Vögeln benannt werden als nach Frauen.

Die Partei will mit ihrem Antrag dem Mangel ein bisschen Einhalt gebieten. Zuvor lieferten sich die Mitglieder des Hauptausschusses diese Woche jedoch noch einen saftigen Schlagabtausch - größtenteils unter Männern. "Wir sind weit von Gleichberechtigung entfernt", konstatierte der SPD-Fraktionschef Nico Ruhle. Frauen erhielten in Deutschland immer noch weniger Lohn. Heinz Stawitzki, sein Pendant von der CDU, glaubt nicht daran, dass mit dem Namensvorstoß irgendwelche Probleme gelöst würden. Zudem könne er nicht verstehen, was so schlimm daran sein solle, wenn "Mann und Frau gemeinsam die Entscheidung treffen, dass einer mehr arbeitet als der andere". Das sei auch Gleichberechtigung. Zudem sollten Frauen ihre Forderungen nach mehr Geld auch stärker geltend machen. Ruhle sieht diese Argumentation nur einen Schritt entfernt von der Parole, eine Frau sei, wenn sie einen kurzen Rock trage, auch schuld an ihrer Vergewaltigung. Doch dies so gemeint zu haben, wies Stawitzki scharf von sich. Als einzige Frau äußerte sich Rosswieta Funk (Pro Ruppin) zu dem Thema. Ganz rational warf sie ein, Straßen sollten grundsätzlich nicht umbenannt werden, um für Gewerbetreibende und Anwohner Kosten beim Umschreiben zu verhindern.

Ein wenig entsetzt zeigte sich die stellvertretende Vorsitzende des Gleichstellungsbeirates, Melanie Schreiber, angesichts der Diskussion. Sie hält den Vorstoß der SPD für richtig. Wie sich herausstellte, hatte der Beirat allerdings im Vorfeld nicht einmal die Gelegenheit bekommen, sich zu dem Thema zu positionieren.

Am Ende konnten nur drei Ausschussmitglieder nicht von der neuen 50:50-Regelung überzeugt werden. Sechs hoben die Hand dafür. Die Stadtverordnetenversammlung muss letztlich entscheiden - sowie über jeden neuen Straßennamen extra.

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