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"Xavier" traf exakt im rechten Winkel den Ruderverein

Matthias Haack / 12.10.2017, 07:58 Uhr - Aktualisiert 12.10.2017, 09:20
Rheinsberg (MZV) Ein paar Jahrzehnte hat Jens-Uwe Müller schon auf dem Buckel - auch als so genannter Seebär. Doch solch ein Wetterextrem wie vorigen Donnerstag bei "Xavier" kannte auch der Rheinsberger noch nicht. Müller ist Vorsitzender des Rheinsberger Rudervereins und beklagt einen finanziellen Schaden, der in den vierstelligen Bereich geht. Unter anderem sind der Vereinssteg und die Rolltore schwer ramponiert worden. Jens-Uwe Müller: "Klar hatte ich die Warnung gehört, wonach es ab 14 Uhr sehr stürmisch werden sollte. Doch ich dachte, das wird wie immer. Die Meteorologen sichern sich mit ihrer Prophezeiung ab." Es kam ganz anders und weitaus radikaler als zu befürchten war.

Jens-Uwe Müller teilte in einer kurzen Zusammenfassung des Nachmittags mit: "Damit hatte keiner gerechnet. Auf Grund der Unwetterwarnung war ich im Bootshaus, um nach dem Rechten zu sehen. Um 16 Uhr sagte ich mir, das war ja wohl wieder nichts mit dem angekündigten Unwetter und nun schnell nach Hause, auf Grund der dicken Regenwolken. Kaum zu Hause angekommen, erreichte mich der erste Anruf, dass der Sturm die ersten Schäden angerichtet hat. Das Hallentor war eingedrückt und die Halteleinen der Motorboote waren zum größten Teil gerissen. Um das Unglück komplett zu machen: Das Hausboot vom Haus Rheinsberg hatte sich losgerissen und ist auf unserem Schwimmsteg gelandet. Wer bis dahin geglaubt hatte, der Schaden ließe sich schnell beheben, wurde in diesem Moment eines Besseren belehrt. Denn die Schäden sind doch beträchtlich."

Wohl dem Verein, der Handwerker in seinen Reihen hat. Damit lasse sich laut Jens-Uwe Müller ein Großteil der Kosten auffangen. Sitzen bleiben wird der RRV ungefähr auf 1500 Euro, "wir reparieren eben vieles allein". Streben am Rolltor werden beispielsweise er- und neue Pfähle gesetzt.

Getroffen wurde der Baumbestand vorm Gelände der benachbarten Donnersmarckstiftung. Auch dort stand der Wind diesmal so gewaltig und vor allem aus einer Richtung, die völlig untypisch fürs Ostufer des Grienericksees ist: Üblich kommt er aus Südwest oder Nordwest, erläutert Müller. Diesmal kam er fast exakt aus Westen, genau im rechten Winkel aufs Heim der Ruderer. Mehr noch: "Uns bereitete erhebliche Mühe, dass er in Böjen auftrat."

Etwa eine Dreiviertelstunde tobte "Xavier" in Rheinsberg, kurz nach 16 Uhr kam er wie aus dem Nichts, blickte der RRV-Chef zurück. Nachdem Müller einen Anruf erhalten und zum zweiten Mal zum Bootshaus geeilt war, informierte er eine Handvoll Vereinsmitglieder, die in Windeseile alles niederlegte und zum Vereinshaus an der Schillerstraße düste. Sie verhinderten Schlimmeres, hielten die Leinen der losgerissenen Boote, stützten ab oder ketteten an. Vom Regen und den Wellen durchnässt, leisteten Elke Brehe, Doris Müller, Sven Müller, Lutz Weichert, Jürgen Bröker, Stefan Brehe und Matthias Schulz Erstaunliches, lobt der Vorsitzende.

Die Wellen schwappten in den Windspitzen sogar auf die Promenade. Sie überwanden also eine Höhe von etwa einem halben Meter. Dass der Sturm kaum Gegenstände am Vereinshaus mitriss, ist überraschend. Zu beklagen sind "lediglich" eine Bank und ein Tisch, ein Glasplattentisch, konkretisierte Jens-Uwe Müller.

Eine Versicherung hat der RRV nicht, die in diesem Fall einspringt, so Müller, obwohl der Verein eine Flotte in seiner heiligen Halle trocken zu lagern hat, die zwischen 200 000 und 300000 Euro wert ist. Nur: "Die Versicherungssumme dafür ist zu hoch, als dass ein gemeinnütziger Verein das stemmen könnte." Der schwimmende Steg ist ebenso nicht versichert, vielleicht aber die Rolltore über die Gebäudeversicherung. Das soll geprüft werden. Noch aus DDR-Zeiten stammt der auffällige Steg. 20 Meter lang war er vor dem Abknicken und wird es nach der Instandsetzung auch wieder sein. "Wir müssen ja die Achter rankriegen."

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