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Geheimnisse hinter Putz- und Farbresten

Bärbel Kraemer / 16.03.2017, 13:36 Uhr
Niemegk (MZV) Obwohl kaum vorstellbar, haben bis zu 450 Jahre alte Wandmalereien im sogenannten Niemegker Kloster die Zeit überdauert. Am Mittwoch informierten Bauforscher Detlef von Olk und der Restaurator Udo Drott über die Ergebnisse der kürzlich stattgefundenen bauhistorischen und restauratorischen Untersuchungen am Gebäude. Letzterer bezeichnete einige dieser Malereien sogar als "spektakulär".

Wenn auch die Ergebnisse der dendrologischen Untersuchungen noch ausstehen, mit ihnen kann das Alter der im Gemäuer steckenden Holzbalkenreste festgestellt werden, konnten dem geheimnisvollen Ort mitten in Niemegk einige Geheimnisse abgerungen werden.

Finanziert wurde die Forschungsarbeit durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark. Wie die kostbaren mittelalterlichen Malereien im Inneren der Ruine nach deren Beräumung jedoch dauerhaft geschützt und wie die weitere Sicherung derselben erfolgen könnte, ist derzeit noch offen. Schließlich hat das Gebäude bereits seit 1988 keinen Dachstuhl mehr. Letzterer soll damals auf Geheiß des Bürgermeisters abgetragen worden sein, nachdem wiederholt Klagen über herabfallende Dachziegel im Rathaus eingegangen waren. Wind und Wetter haben seitdem an den Umfassungsmauern des aus dem 13. Jahrhundert stammenden und damit ältesten Gebäude der Stadt ihre Spuren hinterlassen.

Erschwert werden die Rettungsversuche von Stadt und Denkmalbehörden durch ein Eigentumsproblem. Das Niemegker Kloster ist herrenlos.

"Fördergelder für eine Sanierung stehen seit Jahren bereit, können jedoch nicht ausgegeben werden. Juristisch gesehen, muss es einen Eigentümer geben, dem das Geld zugeteilt werden kann", erklärt Jorinde Bugenhagen vom Landkreises. Sie ergänzt: "Unser Landeskonservator Thomas Drachenberg sagt immer, dass Geld für die Sanierung liegt schon lange unter der Matratze."

Ungeachtet der schwierigen Situation, bemüht sich die Stadt Niemegk aber dennoch um den Erhalt des Denkmals. 12.000 Euro werden aktuell aus dem Treuhandkonto der Stadt in die Aufräum- und Sicherungsarbeiten investiert. Bereits im Januar wurde begonnen, den wilden Aufwuchs hinter dem Gebäude zu entfernen. Im Anschluss konnten Detlef von Olk und Udo Drott das Gemäuser quasi unter die Lupe nehmen - um herauszubekommen, welche Geheimnisse in den Resten der alten Farb- und Putzschichten des Feldsteingemäuers schlummern.

Die immer wieder gestellte Frage, nach der ursprünglichen Nutzung, konnten jedoch auch sie noch nicht endgültig klären. Es heißt: "Zum einen könnte es sich um die 1526 wüst gelegene St. Nikolauskirche handeln, zum anderen wäre auch eine Nutzung als Hospital denkbar."

Anhand einer farblich untersetzten Zeichnung erläuterte von Olk die festgestellten baulichen Veränderungen am Gebäude. Anschließend wurde zum Rundgang durch die Ruine eingeladen. Während die Experten zielstrebig bestimmte Punkte an den Mauern ansteuerten, um dort Malereien oder Veränderungen am Bau zu erklären, hatten Laien teilweise einige Mühen ihnen zu folgen. In diesen Momenten halfen jedoch die kleinen Marker am Gemäuer, mit denen die Fachleute die einzelnen Fundstellen dokumentiert hatten. Was letztere in Putz- und Farbresten "lesen" konnten, verdeutlichte den Laien, dass die verflossenen Jahrhunderte im Niemegker Kloster alles andere als eintönig und grau waren.

Der ursprüngliche Zugang in das Gebäude erfolgte vom straßenseitigen Giebel aus.

Die Reste eines spitzbogigen Portals sind dort noch

erkennbar.

Am rückwärtigen Ostgiebel

ist der Verlauf der früheren Stadtmauer nachvollziehbar.

Festgestellt wurden mittelalterliche Fensteröffnungen

in den Wänden.

Der überwiegende Teil

stammt jedoch aus dem

17. Jahrhundert.

Diese Fenster besaßen

ursprünglich nach außen

zu öffnende Flügel und

schlossen bündig mit der

Fassade ab.

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