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Oliver Schwers 19.03.2017 21:55 Uhr - Aktualisiert 20.03.2017 15:17 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

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Pöbeleien gegen Rettungskräfte

Angermünde/Schwedt (MOZ) Beschimpfungen und sogar Handgreiflichkeiten gegen Rettungskräfte nehmen zu. Freiwillige Helfer der Uckermark sehen sich mit Gewalt, Gaffern und Pöbeleien konfrontiert. Der Feuerwehrverband Angermünde beklagt eine Verrohung der Gesellschaft.

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Unterstützt den Protest der Feuerwehren: Karl-Ludwig Böttcher vom Städte- und Gemeindebund Brandenburg

© MOZ/Oliver Voigt

Sie springen aus den Betten, ziehen die Uniform an und rasen mit Blaulicht zum nächsten Einsatz. Doch die Lebensretter finden für ihren ehrenamtlichen Einsatz nicht etwa Anerkennung. Stattdessen schlagen ihnen Respektlosigkeit, Arroganz und Gewaltbereitschaft entgegen. In einem schockierenden Bericht schildert Lutz Timm, Chef des Uckermärkischen Feuerwehrverbands, die Lage im Raum Angermünde und Schwedt.

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Delegiertenversammlung des UM-Feuerwehrverbandes Angermünde

Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.  

Delegiertenversammlung des UM-Feuerwehrverbandes Angermünde in Pinnow © MOZ / Oliver Voigt

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Gerätehäuser werden zum Ziel von Einbrechern. Menschen, die Hilfe leisten wollen, sehen sich verbalen und körperlichen Attacken ausgesetzt. Feuerwehren werden von Gaffern und Autos behindert. "Wir müssen uns sogar von Angehörigen Pöbeleien anhören", berichtet Lutz Timm. Die Einsatzkräfte erleben Besserwisserei am Brandort sogar von Betroffenen, das Filmen von Verletzten aus haltenden Autos, betrunkene Leute, die handgreiflich werden. Solche Dinge sind keinesfalls nur ein Phänomen der Großstadt, sondern tagtäglich auf dem Lande anzutreffen. Timm spricht von einer Verrohung der Gesellschaft. Er kritisiert einen Paradigmenwechsel, bei dem sich die öffentliche Hand vermehrt aus ihrer Verantwortung für die soziale Ausgestaltung der Gesellschaft zurückzieht. "Der aktivierende Sozialstaat löst den wohl gescheiterten Wohlfahrtsstaat ab." Bürger würden aufgefordert, ihre Probleme selbst zu lösen. "Rechtsansprüche auf Hilfe und Solidarität werden abgeschwächt oder aufgegeben, Hilfebedürftige auf zivilgesellschaftliche Kräfte verwiesen", so Timm vor allen Mitgliedswehren und einem hochkarätig besetzten Publikum im großen Saal von Pinnow.

Vor diesem Hintergrund befürchtet der Feuerwehrverband trotz nie dagewesener guter Nachwuchslage bei Jugendwehren einen langfristigen Rückzug des ehrenamtlichen Engagements. Schon jetzt gehen die Mitgliederzahlen aktiver Kameraden im Land rapide zurück. Sie haben erstmals die 40 000er Marke unterschritten. Schuld daran sei aber nicht nur der demografische Wandel, sondern der Wertewandel in der Gesellschaft, so Timm in einem Appell an Kreis-, Landes- und Bundespolitiker.

Unterstützung bekommt er vom Städte- und Gemeindebund: "Uns macht die Tageseinsatzbereitschaft die größte Sorge", so Landesgeschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher. Vorschläge seinerseits zur Novelle des Brandschutzgesetzes würden seit zwei Jahren vorliegen. Er fordert eine rechtliche Regelung der Stützpunktfeuerwehren und eine Entlastung von technischen Hilfeleistungen.

Das trifft den Kern in der Uckermark. Von 1553 Einsätzen im vergangenen Jahr waren nur 284 Brände. Ansonsten mussten die Helfer ausrücken, weil es auf den Straßen krachte, weil Wohnungstüren aufzubrechen waren oder Ölspuren den Verkehr behinderten.

Die Feuerwehrleute seien die ersten vor Ort und die letzten, wettert Böttcher. Der Kostenersatz sei ungenügend. Man müsse sich endlich Gedanken machen über die Zuständigkeit bei Landes- und Bundesstraßen sowie Autobahnen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen fordert sogar eine Feuerwehrrente.

Doch die Wehren stehen noch vor ganz anderen Schwierigkeiten. Freiwillige Helfer haben es zunehmend schwerer, für Einsätze und Ausbildungen von der Arbeit befreit zu werden, obwohl es dazu eine klare Gesetzeslage gibt. Lutz Timm vermutet pures Eigeninteresse bei Arbeitgebern, bürokratischen Aufwand oder mögliche Vertragsstrafen, wenn Arbeitskräfte ausfallen.

Stellvertretend für alle Unternehmer, die ein Herz für den Brandschutz haben, bedankt sich Lutz Timm bei zwei Agrarbetrieben aus Hohenselchow und Luckow-Petershagen, die ihren Feuerwehr-Arbeitern die notwendige Freistellung geben.

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