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Darf's nach dem Mord noch 'ne Kugel Eis sein?

Ein tollhaus. Mit den drei Schwestern der Bierbrauereio hat es der Diener Rudolf nicht leicht.
Ein tollhaus. Mit den drei Schwestern der Bierbrauereio hat es der Diener Rudolf nicht leicht. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Jan-Henrik Hnida / 20.03.2017, 06:20 Uhr - Aktualisiert 20.03.2017, 13:30
Schwedt (MOZ) "In der ausverkauften Theaterklause der Uckermärkischen Bühnen feierte am Freitag die Krimi-Komödie "Fisch zu viert" Premiere. Während den Zuschauern ein Drei-Gänge-Menü kredenzt wurde, spielte sich auf der Bühne ein tragikkomischer Krimi ab.

Eingedeckte Tische. Kellner in unschuldigem Weiß, die einen zu Tisch leiten. Knurrende Mägen - und erwartungsvolle Gesichter. Wie hängt wohl die Vorspeise "Aus dem Garten des Gärtners" mit dem Bühnen-Schmaus "Fisch zu viert" zusammen?

In der ausverkauften Theaterklause der Uckermärkischen Bühnen feierte am Freitag die Krimi-Komödie „Fisch zu viert“ Premiere. Während den Zuschauern ein Drei-Gänge-Menü kredenzt wurde, spielte sich auf der Bühne eine tragikkomischer Krimi ab.
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Krimi-Dinner „Fisch zu viert“ feiert Premiere

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Tomaten-Orangen-Süppchen mit Chili-Fäden. Obacht! Zum Schluss kommt die Schärfe. Ein Omen für diesen Abend? Singend betreten die Brauerei-Erbinnen Charlotte, Cäcilie und Clementine die Bühne. "Wir küssen einen Mann". Dieser tanzt zwischen den drei Schwestern mit. Rudolf ist die gute Seele, der Diener des märkischen Landhauses. Und noch mehr: Mit jeder der Schwestern teilt er auch das Bett. Ohne dass die jeweils andere davon weiß. Ein Katz-und-Maus-Spiel im Jahr 1838. Rudolf kommt da nach 30 Jahren ganz schön ins Schwitzen. Und dann noch dieser lästige Husten seit zwei Sommern. Er muss endlich weg! Raus in die Welt. Für seine Reise braucht er Geld und fragt zaghaft die Schwestern nach seinem Erbanteil. Doch die denken gar nicht dran.

"Ach du meine Güte!" Einige Zuschauer halten die Luft an. Clementine, die Jüngste, sitzt mit gespreizten Beinen vor Rudolf. Verlangt wieder nach dem allabendlichen Sex. Grotesk, denn ansonsten gibt sie sich zickig, bockig oder verträumt. "Licht aus!" Pflichtbewusst, wie der Diener ist, vollführen beide stöhnend den Akt. Danach fix umgeräumt und ab zur nächsten Schwester. Die umklappbaren Wände der Kulisse gleichen einer unendlichen Geschichte. Jeden Tag dieselbe Litanei. Wünsche erfüllen, Befehle ausführen. Schauspieler Uwe Schmiedel schwitzt.

Trotz flehentlicher Bitten rücken auch die wilde Cäcilie und rationale Charlotte keine müde Mark raus. "Erst wenn wir tot sind". Rudolf kommt ins Grübeln. Zum Glück sind Hähnchen und Herzoginkartoffeln für die Zuschauer bekömmlich. Denn an einem Sonntag tischt Rudolf Fisch auf. Gammelfisch. Mit viel Kräutern merkte es keine der Schwestern. Zuvor scharwenzelten die drei nachts um die Hausapotheke. Mit Arsen im Likör soll der aufbegehrende Diener vergiftet werden. Am Sonntagnachmittag spielt Rudolf Klavier. Den Walzer erkennen sie auf Anhieb. Er gab ihn allen dreien zum Besten. Allein. Nun fliegen die Affären im Angesicht des Todes auf. Fisch, Arsen - oder doch durch Habgier? Ausdrucksstark, gewitzt und voller Energie brachten die vier Schauspieler die menschlichen Abgründe auf die Bühne!

Versüßt durch minutenlangen Applaus und Amarena-Eis.

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