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Dietmar Rietz 10.09.2017 21:15 Uhr - Aktualisiert 11.09.2017 11:41 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

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Spurensuche auf jüdischem Friedhof

Schwedt (MOZ) Bundesweit strömten zum Tag des offenen Denkmals Besucher in die Museen und entdeckten Baudenkmäler, die sonst vielfach verschlossen sind. In Schwedt begab sich das Stadtmuseum mit Geschichtsinteressierten am Wochenende auf die Suche nach Spuren der jüdischen Kulturgeschichte der Stadt.

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Friedhofs-Führung: Museumsleiterin Anke Grodon (r.), führt Besucher über den Jüdischen Friedhof in Schwedt. Dort sind 124 Grabsteine erhalten, er ist damit einer der größten im Land Brandenburg.

© MOZ/Oliver Voigt

Fotostrecke

Tag des offenen Denkmals: Jüdischer Friedhof in Schwedt

Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.  

Schwedt (dir) Schwedt (MOZ) Bundesweit strömten zum Tag des offenen Denkmals Besucher in die Museen und entdeckten Baudenkmäler, die sonst vielfach verschlossen sind. In Schwedt begab sich das Stadtmuseum mit Geschichtsinteressierten auf die Suche nach Spuren der jüdischen Kulturgeschichte der Stadt. Museumsleiterin Anke Grodon hatte am Sonnabend auf den Jüdischen Friedhof eingeladen. Es gab Neuigkeiten. Erstmals wurde das Totengräberhaus für Besucher aufgeschlossen. Die Künstlerin Astrid Weichelt hatte dort Abformungen von Grabsteinen, Mauern und Zäunen des Jüdischen Friedhofs sowie anderen Fundstücken installiert. © MOZ / Dietmar Rietz

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Der jüdische Friedhof liegt an der Helbigstraße in Schwedt, unmittelbar neben den Bahngleisen. Das 25 mal 75 Meter große Gelände ist von einer Mauer umgeben und teils mit großen Bäumen bewachsen. Auf der Südseite befindet sich ein Metalltor und daneben das ehemalige Totengräberhaus, das im Jahr 1861 erbaut wurde und auch als Wohnhaus diente.

Museumsleiterin Anke Grodon hatte am Sonnabendvormittag auf den Friedhof eingeladen. Es gab Neuigkeiten. Erstmals wurde das Totengräberhaus für Besucher aufgeschlossen. Die Museumschefin hofft sogar, dass es in absehbarer Zukunft für die museumspädagogische Arbeit genutzt werden kann. Zum Tag des offenen Denkmals hatte die Künstlerin Astrid Weichelt dort Abformungen von Grabsteinen, Mauern und Zäunen des Jüdischen Friedhofs sowie anderen Fundstücken installiert. Ein traurig-schwarzes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte schien kunstvoll angeordnet in den maroden Räumen zu schweben, dem Betrachter das Zerschellen jüdischer Kultur in Nazi-Deutschland und deren Wiederauferstehung in unserer Zeit zu offenbaren. Staunend und viel fragend betrachten die Besucher papierdünne Abdrücke von Tintenfass, Türklinke und Ziegelsteinen, auf denen der Name der Ziegelei Kränig zu lesen ist. Deren Spuren hatte Astrid Weichelt im freigelegten Fundament der zerstörten jüdischen Synagoge gefunden.

Der Friedhof in Schwedt ist fast vollständig erhalten. Dort gibt es sogar drei Grabmale mehr als bisher angenommen - 124. Drei sind erst in diesem Jahr gefunden und an der Friedhofsmauer sichtbar gemacht worden.

Beim Gang über den Friedhof eröffnete Anke Grodon, Leiterin der Städtischen Museen in Schwedt, mit jedem neuen Grabstein den Besuchern ein weiteren Blick in die deutsche und die Schwedter Stadtgeschichte und offenbarte Familienschicksale. 1672 erhielt Benedikt Levi als erster Schutzjude das Recht, in Schwedt ein Haus zu erwerben. Mit dem Edikt vom 11. März 1812 wurden die in Preußen lebenden Juden zu Inländern erklärt. 1912 lebten in Schwedt 9530 Bürger, davon 173 Juden. Bürger jüdischen Glaubens waren Händler, Kaufleute, Lehrer und Stadtverordnete. Sie kämpften in den Kriegen 1870/71 und im 1. Weltkrieg. Eine Gedenktafel aus dieser Zeit nennt acht von ihnen als Gefallene. Am 9. November 1938 wurde die Schwedter Synagoge verwüstet und später abgetragen. Nur zwei Mitglieder der jüdischen Gemeinde blieben wegen ihres hohen Alters in Schwedt. Einer war der einst angesehene Kaufmann Hugo Meinhardt. Er wurde noch im Dezember 1942 von seiner Haushälterin und Nachbarin still und heimlich beigesetzt.

Besucher Joachim Schulz war sehr beeindruckt vom Friedhof und der Führung. Er sagt: "Wer sich Konflikte zwischen Nationen und Völkern erklären will, muss deren Geschichte kennen. Grabsteine auf Friedhöfen sind auch Marksteine unserer Geschichte und der Erinnerung."

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