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Täglich fahren mehr als 60 Personen- und Güterzüge über die Grenze / EU verlangt Mindestsprachkenntnisse

Lokführer pauken zwölf Wochen Polnisch

Täglich fahren mehr als 60 Personen- und Güterzüge über die Grenze
Täglich fahren mehr als 60 Personen- und Güterzüge über die Grenze © Foto: MOZ/Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 04.11.2016, 09:02 Uhr
Cottbus (MOZ) "Der Zug nach Poznan fährt heute vom Gleis 12." "Die Lok ist beschädigt. Mein Kollege wartet auf die Ersatzlok." "Ich arbeite schon seit 25 Jahren bei der Bahn." Es sind solche und ähnliche Sätze, die elf Lokführer von der DB Cargo jetzt auch auf Polnisch sprechen und sogar schreiben können. Seit Ende August schon haben sie ihre Arbeitsplätze auf den Strecken zwischen Görlitz, Hoyerswerda, Frankfurt(Oder) und Berlin mit einem Beratungsraum am Gleis 1 des Cottbuser Hauptbahnhofs getauscht. Am Donnerstag stand dort die schriftliche Prüfung auf dem Programm.

"Die Fachbegriffe habe ich inzwischen ganz gut drauf. Aber die Grammatik hatte es doch in sich", sagt Uwe Schmidt. Der Gruppenleiter für den Einsatz der "Auslandstriebfahrzeugführer" - so der Fachbegriff aus dem Eisenbahner-Deutsch - hat den Kurs mitgemacht. "Wir setzen hier eine neue EU-Richtlinie für den Eisenbahnverkehr um", berichtet er. Darin werden von den Lokführern, die mit Zügen über die Grenze fahren, Mindestkenntnisse in der Sprache des Nachbarlandes erwartet. Vor allem aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Und da über die gesamte deutsch-polnische Grenze von Ahlbeck bis Zittau täglich rund 60 Züge fahren, ist der Bedarf recht hoch. Der Fahrer- und meist auch Lokwechsel findet immer im jeweils ersten Bahnhof des anderen Landes statt.

"Die Lokführer sind alle nette Männer und außerdem motiviert. Wenn ich bedenke, dass einige schon seit 30 Jahren aus der Schule raus sind und sie jetzt fünf Tage in der Woche jeweils sechs Stunden gelernt haben, kann ich nur den Hut ziehen." Dieses Lob kommt von Magdalena Lopianka-Nowak. Die Mitarbeiterin des Berliner Kollegs für polnische Sprache und Kultur hat vor einigen Jahren ein Extra-Lehrbuch "Polnisch für Eisenbahner" entwickelt, das sie jetzt bei den Kursen einsetzt. Dass die polnische Sprache besonders am Anfang eine ziemlich harte Nuss ist, versucht sie zu berücksichtigen. "Leider gibt es auch zahlreiche Ausnahmen in der Grammatik", sagt sie, aber das sei nunmal nicht zu ändern. "Pani Magda hat uns viele Brücken gebaut", loben die Männer zurück. Über manchen Fehler habe man auch lachen können, etwa als jemand in dem Satz: "Ich warte auf den Fahrdienstleiter" statt "warten" das sehr ähnliche polnische Verb für "pinkeln" verwendet hatte.

Die wichtigste Nachricht am Donnerstag war: Alle elf Teilnehmer haben den schriftlichen Test bestanden, die zwei besten mit 75 der erreichbaren 80 Punkte. Heute findet die mündliche Prüfung statt. Jeweils zwei Männer müssen dabei einen Dialog in der Fremdsprache führen. Anschließend gehören noch zwei praktische Wochen zur Ausbildung, in denen man auch polnische Eisenbahner besuchen wird, von denen zahlreiche auch Deutsch lernen oder schon gut beherrschen.

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