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Jeden Monat verlassen bis zu 900 000 galvanisierte Kunststoffteile das neu gebaute Werk der Boryszew Oberflächentechnik Prenzlau

Boryszew Oberflächentechnik Deutschland

Mitarbeiter der Boryszew Oberflächentechnik Prenzlau nehmen fertig galvanisierte Teile vom Werkstückträger. Es handelt sich um Zierelemente für die Automobilproduktion.
Mitarbeiter der Boryszew Oberflächentechnik Prenzlau nehmen fertig galvanisierte Teile vom Werkstückträger. Es handelt sich um Zierelemente für die Automobilproduktion. © Foto: MOZ/Oliver Schwers
Oliver Schwers / 09.11.2017, 16:37 Uhr - Aktualisiert 10.11.2017, 18:08
Prenzlau (MOZ) Wer die Autotür eines Audi oder Volkswagen öffnet, hat meist ein Produkt aus Prenzlau in der Hand. Die chromglänzenden Hebel stammen von der Boryszew Oberflächentechnik Deutschland, einem wichtigen Partner der Automobilindustrie. Der Kunststoffhersteller aus der Uckermark liefert monatlich bis zu 900 000 Einzelteile, darunter glänzende Embleme, Zierleisten, Blenden, ganze Türmechanismen.

Nach einem verheerenden Brand im Frühjahr 2015, bei dem weite Teile der Produktion zerstört wurden, ließ die polnische Boryszew-Gruppe in zweijähriger Rekordzeit für rund 21 Millionen Euro ein neues und größeres Werk aufs Prenzlauer Gewerbegebiet stellen. Das Bekenntnis zum Standort in der Nähe der polnischen Grenze war mit einer Arbeitsplatzsicherung für 350 Menschen verbunden. In den nächsten fünf Jahren soll der Mitarbeiterstamm auf 400 wachsen. Denn die Nachfrage nach Kunststoffteilen aller Art steigt nicht nur in Deutschland.

Großer Wettbewerbsvorteil für Boryszew Oberflächentechnik ist die günstige Kombination von Kunststoffspritzguss und Galvanik in einem Werk. Das Unternehmen hat in Prenzlau 25 Spritzgießmaschinen unterschiedlichster Ausrichtung und Leistung konzentriert. In ihnen wird das angelieferte Kunststoffgranulat unter Druck und Wärmezufuhr aufgeschmolzen und in die entsprechende Form gepresst. Die Rohlinge durchlaufen mehrere Arbeitsgänge, bevor sie ein mehrstufiges Galvanikbad nehmen, das ihnen den begehrten Chromglanz verleiht. Durch das Zusammenwirken der Spritzgießabteilung und der 86 Meter langen Galvanik-Anlage sieht sich die Firma in der Lage, auch komplizierte Aufträge zur Oberflächenbeschichtung zu übernehmen. Boryszew Prenzlau ist weltweit größter Anbieter für Produkte mit besonderen Eigenschaften aus dem schwer zu galvanisierenden Kunststoffmaterial T 65. Das enthält einen hohen Anteil von Polycarbonaten. Allein 24 Tonnen davon verlassen das Werk jeden Monat. 

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Kunststoff hat Metall an vielen Stellen längst abgelöst, ohne dass die Nutzer das direkt mitbekommen. Immer wieder ist das Staunen bei Werksbesichtigungen groß, wenn sich Chromteile von Autos gar nicht als Metallelemente entpuppen. "Der Kunde will aber trotzdem das Gefühl haben, dass er Metall in der Hand hat", erklärt Geschäftsführer Lutz Suhrbier den Effekt. "Rund 80 Prozent der Autofahrer können sich gar nicht vorstellen, dass sie stattdessen ein Plastikteil anfassen." Damit erfüllt die Verchromung weniger funktionale Aufgaben als vielmehr einen höheren Anspruch an Optik und Design.

Die Raffinessen gehen weiter. Denn in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Boryszew-Gruppe tüftelt man bereits an neuen Abdeckungen und eleganten Hinterleuchtungen für Fahrzeuginnenräume. Das Auto der Zukunft muss schick sein. Und der Chrom soll dauerhaft glänzen. Nichts wirkt schäbiger als abgegriffene Zierelemente oder Türhebel.

Im Unternehmen denkt man an weitere Spezialisierungen. Schon heute ist das Werk in Prenzlau in der Lage, nicht nur Einzelteile herzustellen und zu beschichten, sondern ganze Baugruppen aus Plastik zusammenzufügen. Das erleichtert die laufende Serienfertigung in den Automobilunternehmen. Künftig könnten sogar komplette Türinnenverkleidungen geliefert werden.

Lutz Suhrbier steht in ständiger Verbindung mit den Autobauern. Er holt die Aufträge, kennt Trends und Neuentwicklungen. Nach dem Brand haben sich die Kunden zum Prenzlauer Standort bekannt. Das gab mit den Ausschlag dafür, an gleichem Ort den Wiederaufbau zu starten. Und Suhrbier wird nicht müde, das Engagement seiner Leute zu rühmen. Die pendelten monatelang sogar über hunderte Kilometer bis nach Herford, wo während der Bauphase übergangsweise eine Galvanik angemietet wurde.

Durch den Ausbau der Kunststoff-Sparte bei Boryszew ist nun ein weiteres Werk nach Prenzlauer Muster im polnischen Torun geplant. Gleichzeitig will Suhrbier den Umsatz in der Uckermark erhöhen. "Es gibt noch viel Metall an den Fahrzeugen. Man denke da nur an den Karrosseriebereich von Elektrofahrzeugen."

Preisträger in Kürze:


■ Branche: Kunststoffproduktion
■ Standort: Prenzlau (Uckermark)
■ Mitarbeiter: 350
■ Umsatz: 34 Millionen Euro
■ Internetadresse: www.bkd-boryszew.de/prenzlau.phtml

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