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Neukünkendorfer Investor beantragt Aufhebung der Veränderungssperre / Proteste von Bürgern wachsen

Neuer Wind gegen Windräder

Bis zum Horizont: Neue Windräder wie hier bei Mürow wachsen rund um Angermünde wie Pilze aus dem Boden. Die neuen Anlagen sind mit 200 Metern fast doppelt so hoch wie die bisherigen und liegen in den wichtigen Sichtachsen zu Landschaftsschutzgebieten.
Bis zum Horizont: Neue Windräder wie hier bei Mürow wachsen rund um Angermünde wie Pilze aus dem Boden. Die neuen Anlagen sind mit 200 Metern fast doppelt so hoch wie die bisherigen und liegen in den wichtigen Sichtachsen zu Landschaftsschutzgebieten. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 14.11.2017, 20:45 Uhr
Neukünkendorf (MOZ) Die Proteste gegen immer mehr und immer höhere Windräder rund um Angermünde bekommen neuen Wind. Die Angermünder Stadtverwaltung will dem Antrag eines Investors auf eine Ausnahmegenehmigung von der beschlossenen Veränderungssperre entgegenkommen.

Kaum haben die Stadtverordneten in langen, kontroversen Diskussionen einen Kompromiss beschlossen, welcher der Kommune einen gewissen Einfluss auf den geplanten massiven Ausbau von Windkraftanlagen rund um Angermünde gewährt, soll dieser Beschluss schon wieder aufgeweicht und den Interessen der Investoren nachgegeben werden. Ende 2016 hatten die Abgeordneten beschlossen, für das Windeignungsgebiet Neukünkendorf einen Bebauungsplan aufzustellen, um dadurch bei der Ausführung und Gestaltung die Interessen der Bürger berücksichtigen zu können - zum Beispiel in Sachen Höhe, Abstand zur Wohnbebauung oder Nachtbefeuerung.

Für die Zeit des Verfahrens wurde eine Veränderungssperre beschlossen, die besagt, dass in dieser Zeit keine neuen Windräder gebaut werden dürfen. Auf eine Ausnahme durch Verzicht auf eine Veränderungssperre hatte man sich damals bereits für das Windeignungsgebiet Kerkow/Welsow eingelassen, um der Investorenfirma Teut entgegenzukommen, die im Gegenzug die Kosten für einen Bebauungsplan übernehmen will. Mit den Bebauungsplänen ist die Stadtverwaltung allerdings durch personelle Engpässe im Bauamt deutlich im Verzug. Nun stellt auch der Investor des Windfeldes Neukünkendorf einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung - es tritt ein, was schon damals Kritiker befürchteten: Eine Ausnahme öffnet die Tür für viele Ausnahmen.

Die Firma Greenwind Energy möchte in Neukünkendorf 13 bestehende Anlagen durch fünf neue ersetzen, die mit 200 Metern jedoch deutlich höher sind als die bisherigen. Dafür beantragt die Firma nun eine Aufhebung der Veränderungssperre. Der Beschluss der SVV vom Dezember 2016 wäre damit hinfällig, der Einfluss der Kommune auf die Gestaltung bedeutungslos, da es noch keinen B-Plan gibt.

Bürgermeister Fredrik Bewer legte den Stadtverordneten einen Beschlussvorschlag für diese Ausnahmegenehmigung vor, der aber sowohl im Bauausschuss als auch in den Ortsbeiräten auf heftige Ablehnung stieß. Das lässt die Proteste nicht nur in der Bürgerinitiative "Keine neuen Windräder in Crussow" erneut hochkochen. Immer mehr Anwohner fühlen sich bedrängt durch die Riesen, durch ihren Schattenschlag, die Geräusche und die nächtlichen Blinklichter. Die Ortsbeiräte von Crussow und Neukünkendorf lehnen die Ausnahmegenehmigung rigoros ab.

Die Stadtverwaltung argumentierte mit gesetzlichen Beschränkungen. Eine Veränderungssperre müsse rechtlich durchsetzbar sein. Eine Nachtabschaltung, wie sie von der Bürgerinitiative gefordert wird, gibt es ebenfalls nicht, weil es sowohl technische Probleme als auch Probleme der Genehmigung durch die Luftfahrtbehörde gebe. "Wenn sie die Ausnahmegenehmigung durchgehen lassen, war alles umsonst", zeigt sich Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative enttäuscht.

Im Hauptausschuss am 21. November steht das Thema erneut zur Diskussion.

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