Fachliche Museumsarbeit mit Ehrenamt ergänzt / Heimatverein fordert Mitsprache bei Sammlungskonzept
Dem Ehm Welk- und Heimatmuseum wird ein Museumsbeirat zur Seite gestellt, der die Mitarbeiter konzeptionell beraten und für mehr Transparenz sorgen soll. Die Standortfrage bleibt ungelöst.
Von einmaligen Geschichtszeugnissen bis zum historisch relativ unbedeutenden Sammelsurium reicht der Fundus des Angermünder Ehm Welk- und Heimatmuseums mit mehr als 20000 Objekten. Doch das Wenigste davon kann öffentlich präsentiert werden. Das Gros der Stücke wird an zersplitterten Standorten, in provisorischen und zum Teil feuchten, schimmligen Räumen aufbewahrt.
Unsachgemäße Lagerung forderte ebenso Tribut, wie die mangelhafte Inventarisierung der Sammlung, die von fachlich ungenügend qualifizierten MAE-Kräften begonnen wurde. Die Datenbank sei kaum verwertbar, stellten die Mitarbeiter des Ehm Welk- und Heimatmuseums im Bildungs- und Kulturausschuss dar. Eine qualifizierte, digitale Inventarisierung müsse von vorn beginnen. Drei Fachleute sind derzeit nach einem Personal- und Trägerkarussell im Museum angestellt. Neben Leiterin Julia Wallentin, studierte Kunsthistorikerin und Philologin, erarbeiten der Volkskundler Lutz Libert sowie der Historiker und Kunsthistoriker Moritz-Adolf Trappe derzeit eine Sammlungskonzeption. Nun soll den Fachleuten ein Museumsbeirat beratend und kontrollierend zur Seite stehen, sofern die SVV zustimmt. Den Anstoß dazu gab der Heimatverein, der vor allem bei der Sammlungskonzeption Transparenz und Mitsprache forderte. Auch Abgeordneter Steffen George, der als Vorsitzender des Kulturvereins selbst eine Zeit lang Träger des Museums war, bohrte kritisch mit Detailfragen zu Archivierung, Sammlungskonzeption oder Fachlichkeit der Mitarbeiter nach.
Der gesamte Museumsfundus wird derzeit gesichtet, bewertet und aus Platzgründen auch "ausgemistet" - im Fachdeutsch "entsammelt." Die Archivierung und Entsammlung des Bestandes musste nun jedoch bis zur Gründung eines Museumsbeirates für Wochen unterbrochen werden. Dabei drängt die Zeit, wenn fachliche Kompetenz gesichert bleiben soll, weil eine der drei Personalstellen im Museum nur bis Juni befristet ist. Man braucht Entscheidungen, um nicht weiter in Verzug zu geraten.
Im Kulturausschuss wurde der Museumsbeirat nun benannt. Mitarbeiten werden: Marlies Markgraf-Beise, Vorsitzende der Uckermärkischen Literaturgesellschaft, Reinhard Schmook, Museumsleiter aus Bad Freienwalde und aktiv im Heimatverein, Eckhard Walther, Ex-Museumsleiter und Vorsitzender des Heimatvereins, Volkhard Maaß vom Heimatverein, sowie ein Vertreter der Stadtverwaltung. Das Entsammeln sei zwingend notwendig, betonte Julia Wallentin und erläuterte umfassend, dass man dabei mit fachlicher Kompetenz und nach üblichen Kriterien der Museumsverbände vorgehe.
Viele Objekte seien durch falsche Lagerung kaputt. Anderes könnte man an Heimatstuben weitergeben. Beim Bestand will man sich auf inhaltliche Schwerpunkte konzentrieren beziehungsweise Objekte sammeln, die besonders wertvoll sind, Lücken in der Zeitdokumentation füllen oder einen direkten regionalen Bezug haben, erläuterte Julia Wallentin. Ein Schwerpunkt soll Ehm Welk und seine Zeit sein.
Eine inhaltliche Profilierung des Museums und die geforderte attraktivere Präsentation der Ausstellung sei aber zuallererst abhängig davon, ob das Museum in ein größeres, zentraler gelegenes Gebäude umziehen wird.
Klein und versteckt: Das Ehm Welk- und Heimatmuseum in der Puschkinallee gestern im kurzen Winter-Intermezzo. Foto: MOZ/Oliver Voigt