"Donnerstags ist die Bude immer voll", lacht Kornelia Schlender angesichts des fröhlichen Gewusels im großen Gemeinschaftsraum. Die Leiterin der Lebenshilfe-Einrichtung Haus am Kloster in Angermünde begrüßt jeden, der zur Tür hereinkommt, mit herzlicher Geste, als gehörten sie alle zu einer Familie. "Das sind wir auch", betont Kornelia Schlender. Zur Familie gehören die Bewohner des Hauses am Kloster ebenso, wie die vielen Tagesgäste, die die Freizeitangebote nutzen. Bis zu 30 Leute sind es an manchen Tagen, der Jüngste ist 13, der Älteste 61. Es sind Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, die in der Lebenshilfe eine Heimstatt gefunden haben. An diesem Nachmittag ist der große Tisch wieder liebevoll gedeckt. Das Haus hat Besuch bekommen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen will sich die Einrichtung in Angermünde ansehen. "Ich kenne bisher nur die Lebenshilfeeinrichtung in Schwedt. In Angermünde war ich noch nicht", erklärt er sein Interesse und es dauert nicht lange, da ist er in Gespräche vertieft. Acht Männer und Frauen wohnen derzeit in der WG im Haus am Kloster, die Platz für zehn behinderte Menschen hat. Einer von ihnen ist Martin Laube. "Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich habe keine Eltern mehr. Das hier ist mein Zuhause", sagt der 54-Jährige und erzählt, wie sich die Behinderten ihren Alltag selbst strukturieren, unterstützt von den Betreuern der Lebenshilfe, die sie in ihrer Eigenständigkeit und ihrem Selbstbewusstsein fördern wollen. Die meisten Bewohner gehen arbeiten. Nachmittags können sie alle Freizeitangebote im Haus nutzen. Dann kommen auch ehemalige Bewohner, die inzwischen in eigenen Wohnungen leben oder Tagesbesucher. Das Haus ist offen für jeden. Die Angebote reichen von Musik, Sport, über Kochen, Theater bis zu Ausflügen und Festen. "Wir machen viel mehr, als wir entsprechend den Leistungsbeschreibungen vom Sozialamt bezahlt bekommen, aber wir tun es gern. Die Bürokratie ist aufwändig. Jede Betreuerstunde muss detailliert dokumentiert werden. Jedes Jahr müssen Entwicklungsberichte geschrieben werden. Manchmal dauert es ein Jahr, bis ein Antrag bewilligt wird. Solange können Betroffene aber nicht warten", räumt Kornelia Schlender ein. Auch Jens Koeppen sieht die deutsche Bürokratie kritisch. "Überall, wo öffentliches Geld fließt, soll alles detailliert abrechen- und kontrollierbar sein. Aber Papier ist geduldig, man kann da alles Mögliche reinschreiben. Die Zeit fehlt letztlich bei der Betreuung."