Die gleichnamige, aktuelle Ausstellung im Museum bot auch den Rahmen für eine Schreibwerkstatt der Uckermärkischen Literaturgesellschaft. Hobby-Literaten der Uckermark setzten sich schreibend mit dem künstlerischen Begriff Orplid als Sehnsuchtsort und Ehm Welks Werk "Orplid - mein Land das ferne leuchtet" auseinander. Was die Autoren dabei zu Papier gebracht haben, wurde nun öffentlich gelesen. Neun Schreibende der Literaturgesellschaft ließen unter der Leselampe in ihre eigene Traumwelt und damit auch in ihre Seele blicken.
Dass alle Lesenden ihr Orplid in der Kindheit suchten, lag an der speziellen Aufgabe der Schreibwerkstatt, bei der sich alle Teilnehmer auf eine Fantasiereise zurück ins eigene Kinderzimmer begeben mussten. Wer sich darauf einließ, dem eröffneten sich plötzlich Bilder, die längst vergessen, Gefühle, die erloschen schienen: Geborgenheit, Sehnsucht, kindliche Unbekümmertheit.
So erzählt Horst Wolf von steinharten Wildbirnen, in die sie als Kinder neugierig und zugleich verwundert bissen, zufriedengestellt mit der Erklärung des Großvaters, dass diese Härte daher rühre, weil der Baum auf einem Steinhaufen wüchse. In Gerlind Mittelstädt erweckt der würzige Geruch von Leder und Pferden Erinnerungen an Stunden allein in der Sattelkammer. Orplid, das sei für sie weniger ein Ort, eher ein Gefühl. Matthias Poller entrückte als Kind der Welt beim kleinen Kokelfeuer auf der Wiese. Der versunkene Blick in die züngelnden Flammen, so musste sich Glück anfühlen.
Was in nur einer halben Stunde Schreibzeit während der Werkstatt entstand, mag vielleicht keine große Literatur sein, dafür kleine Poesie, wundervolle Wortbilder und eine Gedankensuche, die zur Nachahmung anregt, wie es viele Museumsbesucher auch taten und ihr persönliches Orplid beschrieben.
Lesung im Traumland: Gisela Wolf (l.) gehörte zu den Autoren, die im Ehm-Welk-Museum Gedanken zum ganz persönlichen Orplid, ihrem Zufluchtsort, preis gaben. Foto: MOZ/Daniela Windolff
Uckermärkische Autoren beschreiben ihr Orplid / Lesung im Welk-Museum