Eisenhüttenstadt (MOZ) Im Kreis Oder-Spree sind die Bedingungen für lebenslanges Lernen vergleichsweise schlecht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Lernatlas 2011" der Bertelsmann Stiftung. Bildungsdezernentin Ilona Weser verweist auf Erfolge und erwartet Verbesserungen im Laufe der Zeit.
Der Deutsche Lernatlas 2011 ist kein Aushängeschild für den Landkreis Oder-Spree. In der Vergleichsgruppe "Kreise im ländlichen Umland" belegt Oder-Spree den 77. Platz - von bundesweit 81 Kreisen. In Brandenburg sind nur die Landkreise Oberspreewald-Lausitz (79.) und der Barnim (letzter Platz) schlechter.
Im Lernatlas untersucht die Bertelsmann Stiftung vier Bereiche von Bildung: schulisches, berufliches, soziales und persönliches Lernen. Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, bilden die Forscher sechs Regionstypen - je nachdem, ob Städte oder ländliches Umfeld gemeint sind.
"Wir sind enttäuscht", sagt Bildungsdezernentin Ilona Weser. "Wir haben viel Geld in die Schulen gesteckt, bilden Schwerpunkte in der beruflichen Bildung, kooperieren mit Frankfurt und und und." Ilona Weser kann viele Bereiche nennen, in denen es Kooperationen in Sachen Bildung gibt. Im ländlichen Umfeld sei es wichtig gewesen, alle Schulformen in erreichbarer Nähe zu haben. "Doch wir können nicht zaubern."
Nicht alle Träume könnten gleich erfüllt werden. Es werde Zeit benötigt, um den Schulen bessere Rahmenbedingungen bieten zu können. "Wir verlieren die Wünsche der Schulen nicht aus den Augen", sagt die Bildungsdezernentin. Im Haushalt des Landkreises stehen für 2012 rund 3,5 Millionen Euro für Investitionen in die Schulen zur Verfügung. Für Lehr- und Lernmittel werden voraussichtlich 3,3 Millionen Euro ausgegeben.
Laut Studie gehen im "Normalfall" gute Bedingungen fürs Lernen mit einer geringen Arbeitslosenquote und hoher Wirtschaftsleistung einher. Doch einige Regionen beweisen, dass es auch anders geht. So belegt der bayrische Landkreis Regensburg den 5. Platz, obwohl das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner unter dem in Oder-Spree liegt.
Doch woran liegt es, dass ganz Brandenburg einschließlich Oder-Spree unterdurchschnittlich abschneidet? Eine Ursachenanalyse bietet die Studie nicht. Genauso wenig liefert sie Hinweise, wie schlechte Bildungssituationen behoben werden können.
Oder-Spree belegt den letzten Platz im Bereich "Schulisches Lernen". Die Lesekompetenz der Grundschüler ist unterdurchschnittlich, die Zahl der Klassenwiederholer und Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss so hoch wie in kaum einer anderen Vergleichsregion. Auch nutzen laut Studie nur wenige Menschen in Oder-Spree offenbar Museen oder Theater. Selten besuchen sie Volkshochschulkurse oder engagieren sich im Sportverein. Das alles führt dazu, dass Oder-Spree auch im Bereich "Persönliches Lernen" auf den 74. Platz verwiesen wird.
Hoffnung kann in die jungen Leute gesetzt werden. Im Vergleich zu anderen Landkreisen in Deutschland verfügen in Oder-Spree durchschnittlich mehr Menschen im Alter von 25 bis 34 Jahren über einen Hochschulabschluss (Platz 14).
Auch im Bereich "Berufliches Lernen" schneidet der Landkreis nicht allzu schlecht ab. Überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer bilden sich beruflich weiter. Den meisten gelingt, einmal angefangen, der erfolgreiche Abschluss einer Berufsausbildung.
www.deutscher-lernatlas.de
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