Schwedt (MOZ) Drei Hundertschaften sollen die Polizei im Grenzraum unterstützen. Die MOZ war eine ganze Nacht lang bei ihren Großkontrollen in Schwedt, Gartz und Angermünde dabei.
Kontrolle nachts um 1 Uhr: deutsches Auto, aber polnische Insassen. Verdächtig für die Polizei, der Wagen wird genau untersucht. Aber die drei müden jungen Männer haben nur ihre schwangere Freundin im Krankenhaus Schwedt besucht.
Der Regen schlägt gegen die Windschutzscheibe des Autos. Das ist die einzige Bewegung weit und breit. Es ist kurz nach Mitternacht und die dunklen Straßen sind menschenleer. Auf der Strecke zwischen Schwedt und Gartz kommt einem nur ein einziges Auto entgegen.
Urplötzlich, nach einer Kurve eine beeindruckende Szenerie: Ein riesiger Lichtmast strahlt grellweißes Flutlicht kurz vor dem Grenzübergang Mescherin aus, gelbe Lampen blinken entlang der Straße zwischen rotweißen Kegeln, "Achtung Nagelgurt!" sagt ein Aufsteller und acht Polizisten stehen breitbeinig mit Pistolen an der Hüfte auf der Straße. Einschüchternd wirkt der Schauplatz. Das soll er auch. "Präsenz zeigen", das ist eine der Aufgaben, die die neuen Zusatzkräfte haben. "Die Leute, die kontrolliert werden, erzählen es weiter, darum geht's uns auch", sagt Gerald Pillkuhn von der Prenzlauer Polizeidirektion. Zudem erhöhe diese auffallende Präsenz das Sicherheitsgefühl der Bürger.
Das Flutlicht ist weithin sichtbar. Als ein Lkw-Fahrer es bemerkt, steigt er in die Eisen und hält fünfhundert Meter vor der Kontrollstelle. So schnell kann man gar nicht gucken, da ist ein Polizeiwagen schon unterwegs zu ihm.Eine Flucht wäre auch so sinnlos. Mehrere Kilometer vor der Kontrollstelle stehen sogenannte Späher der Polizei. Sie geben jedes einzelne Fahrzeug den Kollegen vorher durch. Sie sitzen in hinter Bäumen versteckten Polizeiwagen. Einer ist ein junger Mann mit Wollmütze in einem Familienwagen. Niemand würde ihn für einen Polizisten halten. Warum hat der Lkw-Fahrer angehalten? "Das Navi eingestellt", sagt der Pole. "Das sagen sie immer", meint ein Polizist. Aber Papiere und Ladung sind in Ordnung, er darf weiterfahren. "Mit Lkw-Fahrern gibt es wenig Probleme, sie werden zu oft kontrolliert, als dass sie sich Fehler erlauben können", erzählt ein Polizist.
54 Beamte sind in dieser Nacht zu Donnerstag in der Uckermark im Einsatz. Von 23 Uhr bis morgens um 7 Uhr. Die große Einsatzbesprechung findet kurz vor 23 Uhr auf der Schwedter Wache statt. Auffallend ist, dass die Polizisten alle sehr jung sind. Mit Einsatz-Hundertschaften aus Oranienburg oder Potsdam, die sonst Demonstrationen und Fußballspiele absichern, wird die Bereitschaftspolizei für diese Aktionen im Grenzraum bestückt. "Wie weit ist Angermünde denn von der Grenze weg?", muss deshalb eine junge Kollegin nachfragen. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen vor vier Jahren haben sich die Autodiebstähle in Brandenburg fast verdoppelt. "Auch in der Uckermark gibt es eigentlich keinen Tag, wo nichts passiert", sagt Gerald Pillkuhn von der Prenzlauer Polizeidirektion.
Die Beamten erhalten bei der Einsatzbesprechung Karten der Uckermark mit den Diebstahl-Schwerpunkten. Einsatzleiter ist Werner Höhns, ein charmanter, grauhaariger Uckermärker mit 33 Jahren Diensterfahrung. "Angermünde ist ein Schwerpunkt der letzten Tage", erklärt er. "Unser Prinzip: untypische Zeit, untypischer Ort - alles, was nichts ins Bild passt. Eine Landmaschine hat zu dieser Jahreszeit nichts auf der Straße verloren - es gibt jetzt kein Feld zu pflügen. Auch ein Kran ist wohl selten nachts unterwegs", sagt Werner Höhns.
Es gibt große Kontrollstellen nahe der Grenze in Mescherin und Schwedt, zudem eine große Gruppe, die mit mehreren Fahrzeugen auch zivil in und um Angermünde unterwegs ist. "Raumschutz" nennt sich das und soll den Diebesbanden, die es auf die Bau- und Landmaschinen auf dem Land abgesehen haben, das Handwerk legen. Der zivile Fahnder fährt langsam auf den Straßen, lässt sich überholen und schaut sich die Leute genau an. Ist ihm etwas verdächtig, gibt er den Kollegen Bescheid, die das Fahrzeug herausziehen.
Der Bahnhofsvorplatz in Angermünde ist am frühen Morgen menschenleer. Plötzlich biegt ein Moped auf den Platz. Drei Jungs springen ab, als sie die Polizisten sehen, schmeißen das Moped hin und rennen los. Die Beamten kriegen sie. Es sind polizeibekannte junge Männer, die aus einer Wohngruppe in Julienwalde getürmt sind und mit dem Zug weiter wollten. Das Moped haben sie in Pinnow gestohlen.
Diese Nacht ist ansonsten sehr ruhig. Kaum ein Fahrzeug ist auf der Straße. Es nieselt, in Mescherin pfeift ein eisiger Wind. Die jungen Polizisten stehen auf der Straße und warten, warten, warten - stundenlang. Sie haben die Nase in die Anoraks gesteckt und frieren. Endlich kommt wieder ein Auto. Deutsches Kennzeichen, aber unter den drei jungen Männern sind zwei Polen. Der Wagen sieht ungepflegt aus. Haben sie ihn gestohlen? Sofort stehen vier Beamte um das Auto, untersuchen mit Taschenlampen jede Ecke, überprüfen die Papiere. Die Männer um die 20 Jahre wirken eingeschüchtert und müde. Alles ist in Ordnung. Sie erzählen, dass sie eine schwangere Freundin im Krankenhaus besucht haben.
Auch Schwedt ist wie ausgestorben. Viele dunkle Ecken gibt es hier, zeigt Polizist Pillkuhn, wo Diebe unbemerkt Autos aufbrechen können. Der Parkplatz am Klinikum, Stellplätze am Marchlewskiring oder rund ums Oder-Center. Familienautos seien begehrt, Golf, Passat, VW Touareg, Touran, T4, T5. Auch an der Kontrollstelle an der Stadtbrücke Schwedt frieren die jungen Beamten. Der Einsatzleiter vor Ort ist aus Potsdam. Was macht er, während er wartet? "Ach wir unterhalten uns. Etwa über den Hausbau des Kollegen. Gerade haben wir über das Auffinden von Leichen gesprochen und wie es einem dabei geht", erzählt er frei heraus. Es wird eine lange Nacht für ihn. Zum Einsatz von 23 bis 7 Uhr kommt noch seine anderthalbstündige Fahrt nach Hause.
Bilanz des Einsatzes: 22 Autos und 40 Personen wurden kontrolliert, aufgegriffen wurden nur die drei jungen Männer in Angermünde. Die Bürger spüren die Präsenz in den vergangenen Tagen. "Ein Berliner sagt, er hat sich in der Uckermark noch nie so sicher gefühlt. Fünfmal ist er auf dem Weg nach Polen kontrolliert worden", erzählt Pillkuhn. Der Besitzer des gestohlenen Traktors in Frauenhagen ist während der Suche dreimal von der Polizei überprüft worden. Die Verstärkung an der Grenze dauert die nächsten zwei, drei Monate.
"Was ist dann? Wir brauchen die Kräfte immer hier", meint Gerald Pillkuhn.
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Neueste Kommentare
24.05.2012 15:03:35 Watchdog
NaJa.....
24.05.2012 14:23:07 FF Leser
Das soll nun der große "Wurf" im Nahmensfindungsprozess sein?
24.05.2012 14:07:29 Dagmar Rietz
Demokratie wagen
24.05.2012 13:53:56 Courage
Wir nehmen aber auch ALLES !
24.05.2012 13:52:45 Bürger dieser Stadt
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