Neuzelle (MOZ) Die Bürgerinitiative "Neuzeller Niederung" wendet sich mit einem offenen Brief an die Landesregierung. Sie will die Einrichtung eines Flutungspolders verhindern.
Ein 2,5 Kilometer breiter, mehr als acht Kilometer langer, See erstreckt sich von Breslack über Neuzelle bis hoch nach Fürstenberg. Wellen schlagen an die Gleise der Bahnstrecke, die Guben mit Eisenhüttenstadt verbindet. Statt sattem Wiesengras sind auf gut 2000 Hektar Fläche nur noch Wasser und Schlamm, die zudem fast 1500 Kleingärten geschluckt haben, zu sehen.
Dieses Bild könnte Realität werden, sollte die Landesregierung ihre Pläne zur Einrichtung eines Flutungspolders in der Neuzeller Niederung umsetzen - Realität werden im Katastrophenfall, wenn ein extremes Oderhochwasser bewohnte Gebiete nördlich Neuzelles bedrohen würde. Gegen einen solchen Polder, der laut Amt 32 Millionen Euro kosten und gut 60 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen können würde, wehrt sich die Bürgerinitiative "Neuzeller Niederung, in der sich besorgte Einwohner, Politiker und Unternehmer aus Neuzelle und Eisenhüttenstadt engagieren.
In einem offenen Brief, der jetzt an die Verantwortlichen in der Landesregierung gesandt wurde, fordert die Initiative u. a., als dringendste Maßnahme endlich die bestehende Lücke zwischen Kilometer 3,9 und 8,6 des Oderdeiches zu schließen. "Wir befürworten sinnvolle und für die hier lebenden Menschen nachvollziehbare Maßnahmen des Hochwasserschutzes", heißt es wörtlich. Die Unterzeichnenden wenden sich gegen "blinden Aktionismus" des Landesumweltamtes und gegen die Verschwendung von Steuermitteln - Kosten und Nutzen müssten auch beim Hochwasserschutz "in einem effektiven Verhältnis stehen".
Als direkt Betroffene erwarten die Mitglieder der Initiative eine Beteiligung an den weiteren Planungen des Hochwasserschutzes und fachlich fundierte Aussagen von Fachleuten. "Die Bürger und Arbeitgeber der Region haben ein Recht auf Information zu Investitionen und Plänen in ihrem unmittelbaren Lebensraum, besonders, wenn deshalb erhebliche Folgekosten für sie entstehen können", schreiben sie.
Auch die Fachämter in Neuzelle, der Stadt Eisenhüttenstadt und im Landkreis Oder-Spree müssten endlich detailliert informiert werden. Schließlich bietet die Gruppe, zu der laut Brief erfahrene Ingenieure sowie Kenner der örtlichen Gegebenheiten gehören, ihre Hilfe beim Hochwasserschutz an und lädt einen Hochwasserschutz-Spezialisten des Landesumweltamtes nach Neuzelle zum Gespräch ein.
In einer Stellungnahme verweist die Agrargenossenschaft Neuzelle darauf, dass sie in der Niederung etwa 1000 Hektar Land (20 Prozent der Gesamtanbaufläche) bewirtschaftet - dieses Land wäre nach einer Überflutung für Jahre unnutzbar. "Dadurch würden Arbeitsplätze gefährdet", betont auch Neuzelles Bürgermeister Dietmar Baesler. Er fragt, warum nicht enger mit Polen zusammengearbeitet wird. Genossenschaft und Bürgermeister lehnen sowohl den Polder als auch eine Rückverlegung des Deiches ab und fordern, den Oderdeich in seinem jetzigen Verlauf zu ertüchtigen.
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Neueste Kommentare
24.05.2012 15:03:35 Watchdog
NaJa.....
24.05.2012 14:23:07 FF Leser
Das soll nun der große "Wurf" im Nahmensfindungsprozess sein?
24.05.2012 14:07:29 Dagmar Rietz
Demokratie wagen
24.05.2012 13:53:56 Courage
Wir nehmen aber auch ALLES !
24.05.2012 13:52:45 Bürger dieser Stadt
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