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Oliver Schwers 03.02.2012 19:48 Uhr

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Koppel als Todesfalle

Frauenhagen (MOZ) Jahrelanges Versagen werfen Tierschützer dem Veterinäramt der uckermärkischen Kreisverwaltung vor. Die Behörde sehe zu, wie seit mehr als zehn Jahren immer wieder Rinder und Pferde auf einer Koppel bei Frauenhagen verenden und die Stettiner Bahnlinie gefährden.

  Verendet: Eine Kuh musste von einem Tierarzt von ihren Qualen erlöst werden. Das Tier konnte kaum noch laufen. Tierschützer und Anwohner werfen dem zuständigen Veterinäramt eine Verharmlosung des Herdenzustandes vor. © privat

Auf der weiten Wiese an der Sernitz liegt Schnee. Wasserlachen sind zugefroren. Durch das Gelände pfeift ein eisiger Ostwind. Ein paar Pferde trotten durch die Landschaft. Einige der Tiere haben Bisswunden, andere kahle Stellen am Fell. Zum Teil sind sie so abgemagert, dass man die Rippen deutlich unter der Haut sieht. Mehreren Tieren fällt das Laufen schwer. Sie leiden unter einer Entzündung, die Veterinäre Schnabelhufe nennen. Sie ist extrem schmerzhaft, weil es wegen Durchblutungsstörungen zu Veränderungen des Hufes kommt.

Auf dem Gelände gibt es weder eine Tränke noch einen Unterstand. Das karge Futter stinkt so sehr, dass die Tiere einen Bogen darum machen, berichtet Landwirt Maik Manke. Er ist verärgert über die Zustände auf seinem Nachbargrundstück. Deshalb hat er die Behörden alarmiert. Getan hat sich inzwischen nur wenig. "Wenn hier nicht bald etwas passiert, nehmen die Todesfälle drastisch zu", warnt er. Erst vor wenigen Tagen musste ein krankes Rind, das sich kaum noch bewegen konnte, eingeschläfert werden. Vor allem trächtige Tiere haben es schwer. Bilder von totgeborenen Fohlen und ertrunkenen Kälbern, die im angrenzenden Flüsschen schwammen, machten bundesweit Schlagzeilen.

Warum der betreffende Bauer aus Frauenhagen seine Tiere seit mindestens zwölf Jahren sich selbst überlässt, ist unklar. Das Veterinäramt der Kreisverwaltung hat ein Tierhalteverbot erteilt, um das er sich nicht kümmert. Inzwischen gehören die Tiere einer Landwirtin aus der Prignitz. Doch auch sie hat bisher keine Tränken beschafft. Stattdessen wird mit einem Traktor die immer wieder zufrierende Sernitz aufgebrochen. Der schlammige Weg zum Wasser ist für Pferde und Rinder lebensgefährlich. Nur einige Tiere wurden von der Koppel geholt und in die Prignitz gebracht. Zu einer Stellungnahme war die neue Tierhalterin nicht bereit.

"Schuld an dem ganzen Theater hat eindeutig der Amtstierarzt", glaubt Bauer Maik Manke. "Ich habe das Veterinäramt immer wieder informiert und sogar Hilfe angeboten. Doch die ganze Behörde arbeitet viel zu zögerlich." Das empfinden auch aufgebrachte Bürger. Sie haben eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Amt eingeleitet. Es laufen Petitionen, Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erhielt ein Protestschreiben.

Das Veterinäramt hatte bereits vor vielen Monaten einen Bußgeldbescheid wegen Verstoßes gegen das Tierkörperbeseitigungsgesetz an den Landwirt verschickt. Wie sich herausstellte, war das Schreiben rechtlich fehlerhaft. Das Oberlandesgericht stellte das Verfahren aus diesem Grund ein. Bewohner aus Frauenhagen sind wütend. Sie müssen vor allem im Sommer den Anblick und den Geruch von stinkenden Kadavern ertragen. Jetzt hat Ortsvorsteher Gerhard Scholze zu einer öffentlichen Sondersitzung des Ortsbeirates eingeladen. "Die Tiere brauchen Hilfe", sagt Scholze. Auch er ist unzufrieden mit der Arbeit der Behörden.

Die Kreisverwaltung bezeichnet den Zustand der Tiere als "gut bis mittelmäßig", so Amtstierarzt Achim Wendlandt. Er stützt sich auf ein Urteil der Task Force Tiergesundheit im Landesumweltamt Brandenburg. "Wir haben uns bisher nur den Fütterungs- und Ernährungszustand angesehen", erklärt Ulf Klaaß. Ein ausführlicher Bericht dazu werde noch erstellt. Die Vorgehensweise des Amtstierarztes betrachten Tierschützer als "Krönung aller Unverschämtheiten", findet Heinz Zimmermann vom Tierhilfeverein Terra Mater. Man müsse "diesem Menschen die von den Krähen ausgehackten Augen auf seinen Schreibtisch legen, damit er kapiert, was los ist".

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