Friedland (MOZ) 20 bis 25 Friedländer im besten Alter treffen sich einmal die Wochen im Seniorenklub zum Kartenspiel. Die Männer spielen Skat, die Frauen Rommé. Pünktlich um 15 Uhr gibts Kaffee, Kuchen und belegte Schnitten.
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Friedländer Rituale: Im Seniorentreff spielen Gerda Knöfel (vorn), Inge Grünberg, Monika Krüger, Gerda Gensch und Anita Wesser (im Uhrzeigersinn) eine Runde Rommé. Pünktlich um 15 Uhr gibt es Kaffee, Kuchen und herzhaft belegte Schnitten.
"Ja lustig ist die Jägerschaft allhier auf grüner Heid". Während aus dem Radio stimmungsvolles deutsches Liedgut trällert, legt Ingeborg Keil eine "Flöte" aus. Damit ist beim Rommé eine Strecke von mindestens drei zueinander passenden Karten gemeint: 2,3,4, etwa, oder Bube, Dame, König. Wer alle Karten auf einmal auf den Tisch legen kann, spielt auf "Rommé-Hand", und ist die Gewinnerin der Runde. Ingeborg Keil, die mit Waltraut Wawritschka an einem Tisch sitzt, ist gut aufgelegt. "Meine Mutter sagte immer: Inge, Borg mir mal fünf Mark", verulkt sie ihren Vornamen. Überhaupt geht es recht munter zu bei den Friedländer Senioren. Nebenan saust eine zarte Damenhand, gespickt mit einer Spielkarte, auf den Tisch: "Mach doch nicht gleich das Gedeck kaputt", gibt es sogleich Retour.
Die Rommérunde der Damen ist in Friedland eine Institution. Wohl um die vier Jahrzehnte existiert das Ritual bereits. Die Skatrunde der Herren ist dagegen deutlich jünger. Zuerst wurde im ehemaligen Hort an der Karl-Marx-Straße gezockt, dann im Seniorentreff auf der Burg, wo heute die Tourist-Info untergebracht ist, und schließlich seit 2008 im Stadthaus in der Lindenstraße.
Die meisten der weiblichen Gäste sind schon seit Jahren, wenn nicht sogar seit Jahrzehnten dabei. Auch Siegrid Danner und Margot Stusche zählen längst zum Inventar. An einem Tisch haben sich beide Damen zum "Rubikub"-Spiel niedergelassen. Das Spiel funktioniert im Prinzip wie Rommé, nur gibt es anstatt der Karten Chips, die in etwa der Größe von Dominosteinen entsprechen. Diese werden nach den gleichen Spielregeln ausgelegt, sobald man mindestens drei passende beisammen hat. Wer zuerst alle Steine gelegt hat, ist Siegerin. "Ich komme gerne hierher, um Gemeinschaft zu haben", sagt Siegrid Danne. Außerdem schule das Spiel das Gedächtnis. "Ich bin manchmal schon ganz schön vergesslich geworden, bekennt die ehemalige Katechetin, aber: "Man darf den Humor nicht verlieren."
Waltraut Köhler, die Vorsitzende der Friedländer Ortsgruppe der Volkssolidarität, bedauert, dass seit einem Jahr keine MAE-Kraft mehr die Seniorenarbeit vor Ort unterstützt. Die Spielenachmittage seien doch recht aufwändig zu organisieren. Außerdem gehöre die Reinigung der Räumlichkeiten und des Hofes zu den Aufgaben der Ortsgruppe. Diese Pflichten werden jetzt reihum wahrgenommen: "Nur die Ältesten sind davon befreit." Beschweren möchte sich Waltraut Köhler aber nicht, schließlich habe die Verwaltung den Älteren mit dem Seniorentreff im Stadthaus eine komfortable Bleibe zur Verfügung gestellt. Unlängst seien zwei Räume frisch gemalert worden. Der Treff besteht aus zwei größeren Räumen, einer Küche und Flur. "Die Toilette im Treff ist ein Riesenvorteil gegenüber der Burg", so die Vorsitzende. Dort sei man gezwungen gewesen, bei Wind und Wetter über den Burghof und zu gehen.
Bei den Herren im Separée, wo sich bis 2008 das Büro des Ortsvorstehers befand, öffnet man gerade die zweite Lage Hasseröder. Mit den Damen Rommé spielen? "Kommt nicht in Frage!", so der stellvertretende Vorsitzende der Friedländer Volkssolidarität, Manfred Krüger, mit entrüsteter Miene. Die anderen Herren amüsieren sich bei dieser Vorstellung. "Beim Rommé kriegt man die Buben und Asse, und beim Skat fehlen sie einem dann!", schlägt Hans Gensch in Krügers Kerbe. Eine Frau fehlt indes in der Runde: "Inge Lenz spielt immer mit uns Skat. Als einzige Frau." Bei der letzten Skatrunde musste sie passen, weil sie in Leißnitz eine andere gesellige Verpflichtung wahrnehmen musste.
Da meldet Helmut Sparsam den nächsten Spielzug an, der für Aufmerksamkeit sorgt: "Herr Sparsam spielt 'nen Grand", wiederholt Wolfgang Wesser Sparsams Anmeldung. Dass die Herren der Skatrunde um etwas Geld spielen steht nicht im Vordergrund. Die "Augen" werden in die Altenburger Spielliste eingetragen. Mit den Erlösen finanziert die Skatrunde jedes Jahr einen Ausflug. Im vorigen Jahr waren die Herren im Spreewald. Die Stimmung ist prächtig, auch dank der launigen Kommentare. "Wir lachen über unsere Fehler", so Manfred Dastig. "Manchmal kann man aber nur noch weinen", ergänzt der 79-Jährige. Man kennt sich und weiß, wie weit man mit den Frotzeleien gehen kann.
Pünktlich um 15 Uhr ziehen die Herren in den größeren Raum um, wo kurz zuvor noch Rommé gespielt wurde. Die Tische sind inzwischen mit Kaffeeservicen gedeckt. Es gibt selbst gebackene Kuchen und herzhaft belegte Stullen.
Die Vorsitzende gibt einen Toast aus, denn Anita Wesser hat Geburtstag. Waltraut Köhler zitiert ein Gedicht von Goethe, das auch ein gutes Motto des Seniorenklubs sein könnte: "Es ist der Mühe wert, lange zu leben."
Seniorentreff jeden Donnerstag 13.30 bis 18 Uhr im Stadthaus in der Lindenstraße
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Neueste Kommentare
24.05.2012 15:03:35 Watchdog
NaJa.....
24.05.2012 14:23:07 FF Leser
Das soll nun der große "Wurf" im Nahmensfindungsprozess sein?
24.05.2012 14:07:29 Dagmar Rietz
Demokratie wagen
24.05.2012 13:53:56 Courage
Wir nehmen aber auch ALLES !
24.05.2012 13:52:45 Bürger dieser Stadt
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