Eberswalde (MOZ) Politiker, Klinikchefs, Patienten - sie alle klagen fast schon chronisch über Ärztemangel. Das Wissenschaftliche Institut der AOK indes kommt in seiner jüngsten Studie, dem Ärzteatlas 2011, zu einem anderen Ergebnis. Es gebe "nur" Verteilungsprobleme. Der Ärztemangel also ein Mythos?
Praxen, die keine neuen Patienten annehmen; Terminvergaben für Monate im Voraus; stundenlanges Ausharren in vollen Wartezimmern; offene Stellen in Krankenhäusern, für die sich keine Bewerber finden - das ist medizinischer Alltag. Im Barnim und anderswo.
Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) indes stellt die Behauptung auf: "In Deutschland gibt es nicht zu wenig Ärzte, sondern eher zu viele. Doch diese sind ungleich verteilt." Überversorgten Gebieten in Ballungszentren wie München stünden unterversorgte Regionen im ländlichen Raum gegenüber. Zahlen zur Entwicklung der Arztdichte würden zeigen, dass es heute gut ein Drittel mehr berufstätige Ärzte gibt als Anfang der 90er Jahre. Brandenburg weise mit einem Plus 50,8 Prozent sogar die höchste Steigerungsrate auf. Und trotz territorialer Unterschiede war laut WIdO eine Unterversorgung Ende 2010 nur in einem Planungsbereich (Saalkreis in Sachsen-Anhalt) bei den Hausärzten sowie in zehn Planungsbereichen bei den Fachärzten zu verzeichnen.
Der Ärzteatlas 2011 ist das Resultat einer Untersuchung zur Versorgungdichte in den 16 Bundesländern. Das WIdO analysierte dazu auf der Grundlage der 2010er Zahlen, wie es um die ambulante Betreuung in den insgesamt 395 Planungsbereichen bestellt ist. Und zwar für den Bereich Hausärzte sowie für die 13 wichtigsten Facharzt-Gruppen.
Laut Statistik des Instituts gehört Brandenburg demnach zu den Spitzenreitern. In neun Facharztgruppen rangiert die Mark unter den jeweils drei bestversorgten Ländern. Im Bereich der Chirurgen und der Internisten erreicht sie sogar Versorgungsquoten von über 200 Prozent. Was bedeutet: Es gibt dort doppelt so viele Fachärzte wie laut Bedarfsplanung eigentlich nötig wären. Den niedrigsten Wert markiert in Brandenburg die Sparte Hausärzte. Dort stehen 100,4 Prozent zu Buche. Wobei zwei Landkreise (Uckermark und Spree-Neiße) nur einen Versorgungsgrad zwischen 75 und 90 Prozent aufweisen. Sieben weitere liegen zwischen 90 und 100 Prozent. Dazu zählt auch der Barnim (siehe Kasten). Ärztlicher Nachwuchs, so resümiert das WIdO, werde mit Blick auf den relativ hohen Anteil älterer Kollegen vor allem im hausärztlichen Bereich benötigt.
Laut Statistik dürfte es also keine Engpässe im Barnim geben. Die Patienten machen hingegen täglich andere Erfahrungen. Nach der Schließung einer Hautarzt-Praxis etwa gibt es derzeit nur noch drei Dermatologen: zwei in Bernau und eine in Eberswalde. Oder: Orthopädie - acht Mediziner weist die Liste aus. Davon haben fünf ihre Praxis im Niederbarnim, während die Oberbarnimer mit drei auskommen müssen.
Das starre System der Planungsbereiche, die in der Regel mit Landkreisen identisch sind, steht deshalb seit langem in der Kritik. Auch bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). "Wir brauchen neue Formen der Bedarfsplanung" sagt Ralf Herre, Pressesprecher der KV Brandenburg. "Formen, die kleinräumiger und flexibler sind." Herre setzt dabei auf das neue Versorgungsstrukturgesetz, das per 1. Januar in Kraft getreten ist. Leichte Verbesserungen habe es 2011 mit der Einführung des Demografiefaktors gegeben. Seither werde "ein Stück weit die Altersstruktur berücksichtigt". Dies habe in Brandenburg dazu geführt, dass Bereiche wieder geöffnet wurden, z. B. in der Augenheilkunde sowie Urologie. Neuzulassungen seien wieder möglich. "Sprüche über eine Ungleichverteilung der Ärzte in Deutschland hören wir seit Jahren. Dies löst aber das Problem hier nicht", so Herre. Um Mediziner zu gewinnen, bedarf es finanzieller Anreize, aber "auch neuer Strukturen".
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Neueste Kommentare
24.05.2012 15:03:35 Watchdog
NaJa.....
24.05.2012 14:23:07 FF Leser
Das soll nun der große "Wurf" im Nahmensfindungsprozess sein?
24.05.2012 14:07:29 Dagmar Rietz
Demokratie wagen
24.05.2012 13:53:56 Courage
Wir nehmen aber auch ALLES !
24.05.2012 13:52:45 Bürger dieser Stadt
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