to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Dienstag, 26. September 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Sven Klamann 06.03.2012 05:21 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

lokales/artikel-ansicht/dg/0/

Walzwerk-Aus kommt Ende März

Eberswalde (MOZ) Ende März wird das Walzwerk Finow Geschichte sein. Davon gehen der Insolvenzverwalter, der Betriebsrat und die Industriegewerkschaft IG Metall in seltener Übereinstimmung aus. Zur Stilllegung gibt es keine realistische Alternative mehr.

lokales/artikel-ansicht/dg/0/1/1012123/
 



©

"Noch sind keine Kündigungen ausgesprochen", sagt Bernd Nörenberg, der Vorsitzende des Betriebsrates. Doch mit diesem Schritt müsse jetzt täglich gerechnet werden, fügt er hinzu.

Betroffen von den nahezu unvermeidlichen Entlassungen wären etwa 145 Beschäftigte, von denen aktuell 55 die Produktion auf Sparflamme aufrecht halten. Alle anderen Walzwerker sind bereits freigestellt.

"Die Suche nach Investoren ist noch nicht beendet", betont der Rechtsanwalt Falk Eppert von der Insolvenzverwaltung Müller, Naarmann und Eppert mit Sitz in Templin, der das zweite Insolvenzverfahren für das Walzwerk Finow in nicht einmal zwei Jahren führt. Allerdings habe sich bisher kein Interessent zu einem Engagement in Eberswalde durchgerungen. Und gerade in letzter Zeit seien vielfach Absagen erteilt worden. "Für die Zeit nach dem 31. März sind keine Aufträge mehr vorhanden, der Betrieb wird stillgelegt", kündigt Falk Eppert weiter an.

In der Belegschaft ist der Frust groß. Das bevorstehende Aus für den Traditionsbetrieb wird für die Beschäftigten keinesfalls über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus abgemildert. Denn auch die Verhandlungen zum Interessenausgleich sind gescheitert. "Der Insolvenzverwalter hat erklärt, dass das Geld dafür fehlt, eine Transfergesellschaft zu gründen", sagt Klaus Piegeler. Der Rechtsanwalt aus Berlin hat den Betriebsrat in der Einigungsstelle vertreten, die laut Betriebsverfassungsgesetz, Paragraph 76, einberufen worden war.

Die Arbeitgeberseite habe mit ihrer Masseunzulänglichkeitserklärung jeden Spielraum von vornherein ausgeschlossen, bedauert Klaus Piegeler. Dabei hätte gerade eine Transfergesellschaft die mit der Betriebsstillegung verbundenen Härten abschwächen können. Für einen Zeitraum, dessen Dauer zu verhandeln gewesen wäre, hätten die Gekündigten weiter ihren Lohn in voller Höhe bezogen. Und sich derweil schon auf dem Arbeitsmarkt umschauen dürfen. Ohne dass diese Orientierungsphase bereits auf die Zahlung des Arbeitslosengeldes angerechnet worden wäre, erläutert Klaus Piegeler weiter.

Auch nach dem Scheitern der Verhandlungen zum Interessenausgleich bleibt der Belegschaft die wenig tröstliche Aussicht auf eine Abfindung. "Deren Höhe ist durch das Insolvenzrecht arg gedeckelt. Die Obergrenze liegt bei zweieinhalb Monatsgehältern", sagt Peter Ernsdorf, der erste Bevollmächtigte der IG Metall für Berlin und Brandenburg. Das bevorstehende Aus treffe etliche Beschäftigte des Betriebes, die ihr gesamtes bisheriges Berufsleben im Walzwerk verbracht hätten. "Die Mitarbeiter stehen vor einem Scherbenhaufen", bedauert der Gewerkschafter.

Selbst die besonders für alle Langzeitbeschäftigten traurige Abfindungsobergrenze ist in Sachen Walzwerk noch mit einem Fragezeichen versehen. Auch das liegt an der Masseunzulänglichkeitserklärung durch den Insolvenzverwalter. "Maximal ein Drittel des veräußerbaren Vermögens darf für den Sozialplan verwendet werden", hebt Peter Ernsdorf hervor. Wenn kaum Geld da sei, um die Gläubiger zu befriedigen, schmälere dies die Chancen der Belegschaft.

Für den Insolvenzverwalter trägt die Arbeitnehmerseite die Schuld am Scheitern der Verhandlungen zum Interessenausgleich. "Der Betriebsrat hat sämtliche Vorschläge zur Abmilderung der wirtschaftlichen Nachteile nicht akzeptiert", urteilt Falk Eppert.

"Es gab kein akzeptables Angebot des Insolvenzverwalters", entgegnet Klaus Piegeler im Auftrag des Betriebsrates. Sollten wie erwartet dieser Tage die Kündigungen ausgesprochen werden, gelte in den meisten Fällen der 30. Juni als Termin. "Theoretisch hätten die Arbeitnehmer dann auch nach der Betriebsstilllegung Anspruch auf Lohnfortzahlungen", sagt der Rechtsanwalt.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion