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Marianne Kühn-Berger stellt in der Richterakadmie Wustrau erstmals nur Landschaftsbilder

Eine Herzmalerin auf Abwegen

Marianne Kühn-Berger stellt ihre Werke in der Richterakademie in Wustrau aus.
Marianne Kühn-Berger stellt ihre Werke in der Richterakademie in Wustrau aus. © Foto: Melzer-Voigt
Judith Voigt / 13.01.2012, 17:00 Uhr
Fehrbellin / Temnitz (MZV) Wustrau (jvo) – Sollte es so etwas wie die Grande Dame der Ruppiner Künstlerszene geben, Marianne Kühn-Berger käme ihr wohl sehr nahe. Das zeigte allein der Besucheransturm am Donnerstagabend, denn da wurde ihre neue Ausstellung in der Richerakademie in Wustrau eröffnet.

Am Ende stand Dr. Rainer Hornung, der Leiter der Richterakademie, mit einem hochroten Kopf da und verzog sich lieber in die zweite Reihe. Schuld war er selbst, denn seine Laudatio hatte Marianne Kühn-Berger derart gut gefallen, dass sie ihn wieder und wieder lobte. Das Publikum sah es ähnlich, das bewies der Applaus. Die Worte, die Hornung wählte, um die Ausstellung „Festgehalten“ in der Richterakademie zu eröffnen, kamen vor allem deshalb so gut an, weil sie persönlich waren und den Gästen die Künstlerin so nahe brachten wie es nur ging.

Hornung sprach über Kühn-Bergers Kindheit und Jugend bei der lieblosen Großmutter, die es dem Mädchen dennoch ermöglichte, sich der Kunst zuzuwenden. Er beschrieb die Vertreibung aus der Heimat Niederschlesien, die Arbeit als frei schaffende Künstlerin, den Verlust ihres Hauses nach der Wende und auch die Ehe mit Kurt-Herrmann Kühn, mit dem sie auch gemeinsam den Festsaal der Ruppiner Kliniken gestaltete. „Damals war sie nur sekundäre Zuträgerin, malte nur kleine Bilder“, so Hornung. Doch sie sei während all der Zeit immer eine „Kümmerin“ gewesen – für ihre Familie, für junge Frauen oder schwule Männer, mit denen sie im Ballett zusammengearbeitet hat.

Marianne Kühn-Berger ist eine Frau mit Geschmack. Das zeigen nicht nur die fast 50 Landschaftsbilder, die nun in der Richterakademie hängen. Auch im persönlichen Umgang mit ihr wird das deutlich, erzählte Rainer Hornung. „Es gab bei den Vorbereitungen zu dieser Vernissage mindestens zwei Gelegenheiten, bei denen sie mich gemustert und gefragt hat, ob ich meine Krawatten selbst ausgesucht habe“, so Hornung. Er habe daraufhin schwitzend bejaht und auf ihre Gnade gewartet – die ihm auch in beiden Fällen zuteil wurde.

Doch nicht nur geschmackvoll, auch vielschichtig ist die 84-Jährige. Das offenbarte sich spätestens, als die Gäste der Vernissage schließlich die vielen Kunstwerke in der Akademie betrachteten. Dort hängen nun Ölbilder, Collagen, Grafiken, Lithografien, Pastelle, Aquarelle und Spiegelgestaltungen – alle zum großen Oberthema Landschaft, das doch eigentlich so unüblich für die Künstlerin ist, die sich vor allem Frauenbildern widmet. Es ist ihre erste von insgesamt 146 Expositionen, bei der es um jenes Motto geht. Denn die 84-Jährige will laut Hornung eine Herzmalerin sein, eine, deren Werke auch im Herzen wachsen. Da schienen ihr Landschaften nicht so recht ins Bild zu passen. Doch Marianne Kühn-Berger hat es laut Rainer Hornung auch spielend leicht geschafft, durch die Freie Heide, den Ruppiner See oder den Vollmond über Gnewikow Emotionen zu transportieren – oft sogar so unterschiedliche, dass die Künstlerin sich bei den Vorbereitungen in der Richterakadmie bei zwei Werken gefragt hat, ob diese überhaupt von ihr stammen.

Die Ausstellung „Festgehalten“ ist bis zum 30. März immer mittwochs von 13 bis 16Uhr in der Richterakademie in Wustrau zu sehen.

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