Samstag, 19. April 2014



Matthias Henke 08.05.2012 18:30 Uhr
Red. Gransee, lokales@gransee-zeitung.de

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Modell mit ungewissem Ausgang

Gransee (MZV) Es gilt als ein Prestigeprojekt der rot-roten Landesregierung: das gemeinsame Lernen behinderter und nichtbehinderter Kinder. Was die Umsetzung angeht, besteht jedoch nach wie vor Gesprächsbedarf, wie sich am Montag bei einer Diskussionsrunde in Gransee zeigte.

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Stellte sich den Fragen: Torsten Krause (links) diskutierte am Montag im Heimatmuseum. Rechts: Klaus Pölitz, Fraktionschef der Linken im Granseer Stadtparlament.  

Stellte sich den Fragen: Torsten Krause (links) diskutierte am Montag im Heimatmuseum. Rechts: Klaus Pölitz, Fraktionschef der Linken im Granseer Stadtparlament.

© Henke

Für den Landtagsabgeordneten Torsten Krause (Die Linke) führt an dem Vorhaben kein Weg vorbei. Unter dem Stichwort Inklusion (von lat. includerefür einschließen, beinhalten, d. Red.) wird es vorangetrieben. „Darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagte er mit Blick auf die UN-Behindertenrechtskonvention, nach der jedes behinderte Kind einen Anspruch darauf hat, gemeinsam mit Nichtbehinderten unterrichtet zu werden.

20Interessierte hatten sich im Heimatmuseum eingefunden, um mit Krause über dieses und weitere landes- und lokalpolitische Themen zu diskutieren.

Lernbehinderte Schüler im Unterricht bedeuteten einen Mehraufwand für die Lehrer, auch was die Vorbereitung angehe, gab eine Pädagogin zu bedenken. „Und wie soll das mit verhaltensauffälligen Kindern funktionieren, die den Unterricht stören?“ wurde aus dem Plenum gefragt. „Niemand weiß heute, wie es aussehen wird“, gab Krause zu. Es seien schlicht Erfahrungen, die alle Beteiligten gemeinsam machen müssen.

In einem Modellprojekt setzen ab dem kommenden Schuljahr 84 Pilotschulen im Land Brandenburg das Konzept um. Alle Einrichtungen hätten sich freiwillig gemeldet, sagte Krause. Nach einer dreijährigen Testphase, die wissenschaftlich begleitet wird, werde sich zeigen, an welchen Stellen nachjustiert werden muss.

Um künftige Lehrer darauf vorzubereiten, werde im kommenden Jahr der Studiengang Inklusionspädagogik an der Universität Potsdam eingeführt. Darüber hinaus sei geplant, auch das reguläre Lehramtsstudium um inklusionspädagogische Komponenten zu erweitern.

Gleichwohl: Die Ankündigung der Landesregierung, dass es bis 2019 keine Förderschulen im Brandenburg mehr gebe, sei seiner Ansicht nach etwas zu kurz gegriffen, betonte Krause. Es werde auch danach Kinder geben, mit denen das System überfordert sei. „Aber wir wollen deutlich von den aktuellen Zahlen wegkommen“, sagte der Landtagsabgeordnete. Während in einigen Landkreisen Brandenburgs bislang vier Prozent der Kinder eine Förderschule besuchen, seien es in anderen bis zu zehn Prozent. In anderen europäischen Ländern sei eine derartige Trennung dagegen unbekannt. „Deutschland ist zusammen mit einigen weiteren Ländern da in der Minderheit“.

Er könne die Sorgen der Bürger, was das neue System angehe, nachvollziehen, so Krause. Es sei seit dem Bestehen des Landes wohl kein Jahr vergangen, in dem nicht das Schulgesetz geändert worden sei und neue Anforderungen auf Schüler und Lehrer zukamen. Doch das Land stelle sich Leistungsvergleichen im Bildungssektor, auch auf internationaler Ebene. „Da ist man nicht lange Minister, wenn man nach einem schlechten Abschneiden nichts unternimmt und stattdessen auf Kontinuität setzt“, versuchte Krause Verständnis für die Politik zu wecken.

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