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Im Brandenburgischen Viertel gibt es wieder eine medizinische Sprechstunde / Praxis vorerst aber nur mit einer halben Stelle besetzt

Hoffen auf ärztliche Verstärkung

Dienst angetreten: Seit Monatsanfang hält Stefanie Spanka im Brandenburgischen Viertel an drei Vormittagen eine Sprechstunde ab. Die 34-Jährige ist Fachärztin für Innere Medizin und im MVZ Finowfurt angestellt.
Dienst angetreten: Seit Monatsanfang hält Stefanie Spanka im Brandenburgischen Viertel an drei Vormittagen eine Sprechstunde ab. Die 34-Jährige ist Fachärztin für Innere Medizin und im MVZ Finowfurt angestellt. © Foto: Sören Tetzlaff
Viola Petersson / 14.07.2016, 20:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Von der Ostsee-Küste an die Barnimer Seen - 2015 kam Stefanie Spanka in die Schorfheide. Nach der Facharztausbildung in Kiel fing die Medizinerin, die auf Usedom aufgewachsen ist, im MVZ Finowfurt an. Seit gut einer Woche hält die 34-Jährige nun auch Sprechstunden im Brandenburgischen Viertel ab.

Werbung hat die Hausärztin wahrlich nicht nötig. Das Wartezimmer an der Frankfurter Allee 64 ist voll. Stefanie Spanka ist willkommen. Viele Bewohner des Quartiers haben gewissermaßen über Monate ausgeharrt. Zum Teil ohne Hausarzt. Hofften nach der Praxisschließung von Irene Jordan, die vergeblich einen Nachfolger gesucht hatte, doch noch auf eine Lösung.

Die Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), der regionale Klinikverbund, hatte diese versprochen, nachdem sich unter anderem der Stadtverordnete Carsten Zinn an das Unternehmen gewandt hatte. Mit der Bitte um Hilfe. Die GLG hat zum 1. Juli diese Lücke in der medizinischen Versorgung geschlossen. Zumindest teilweise.

Stefanie Spanka, bislang in Finowfurt am dortigen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) tätig, versorgt nunmehr an drei Vormittagen das Brandenburgische Viertel. In einer Art Außenstelle. Was wiederum mit Einschränkungen in Finowfurt verbunden ist. Eigentlich, so erzählt die 34-Jährige, war fürs Brandenburgische Viertel eine andere Lösung angedacht, sollten dort zwei Kollegen beginnen. Was jedoch kurzfristig scheiterte. Weshalb auch sie noch auf Verstärkung hofft.

Die meisten Patienten seien einfach froh, dass es wieder eine Hausärztin im Viertel gibt. "Viele kamen in der ersten Woche, nur um sich in die Kartei aufnehmen zu lassen", erzählt die Internistin. Ansonsten seien es derzeit vor allem Infekte, die Patienten in die Praxis führen. Magen/Darm, "Sommergrippe" und erstaunlich viele Atemwegsinfektionen, wie Spanka findet. Dazu das "normale Geschäft" einer Hausarztpraxis: hoher Blutdruck, Diabetes ... Wobei Spanka betont: Sie führe eine "Terminsprechstunde". Also: Vorher anrufen. Für Akutfälle sei die jeweils erste Stunde reserviert.

Den Wechsel von der Küste an die Binnenseen erklärt die gebürtige Usedomerin so: "Mein Mann stammt aus der Uckermark. Wir wollten einfach dichter an seine Heimat und seine Familie heran." Beide fanden relativ schnell Arbeit in Finowfurt: ihr Mann an der Schule, sie im MVZ. "Zunächst ,nur' als Elternzeitvertretung", wie sich Stefanie Spanka, selbst Mutter eines vierjährigen Kindes, erinnert. Dann mit eigener Stelle. Ob Finowfurt oder Eberswalde - es sei ein "gutes Gefühl, gebraucht zu werden", sagt die Medizinerin, die stets ambulant tätig sein wollte.

"Wir sind froh, hier angenommen zu sein", sagt ein Ehepaar, das gerade nach Eberswalde gezogen ist und "um die Ecke wohnt". Man habe schon in etlichen Praxen nachgefragt. Doch viele Ärzte heben die Hände, würden keine Neupatienten aufnehmen. Viele seien am Limit.

Carsten Zinn erkennt das Engagement der GLG an und spricht von einem "guten Anfang" für das Wohnquartier, in dem immerhin um die 6500 Menschen leben. Der Gesundheitskonzern habe Wort gehalten. Das sei löblich. Allerdings reiche das Angebot nicht aus. Zumal es zulasten Finowfurts ginge. Wünschenswert im Brandenburgischen Viertel wäre insbesondere ein Angebot für Berufstätige, also eine Nachmittags- bzw. eine Abendsprechstunde, so Zinn.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Brandenburg sind im Raum Eberswalde, im Oberbarnim, vier Hausarzt-Sitze frei. Vier Allgemeinmediziner könnten sich also sofort niederlassen. In Westend stünden zum Jahresende sogar Praxisräume zur Verfügung. Dr. Hiwa Dashti wechselt dann nämlich an den Paschenberg. Perspektivisch, so der Plan, soll auch seine Frau, die derzeit die Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin absolviert, in die Praxis einsteigen, erklärt er. Über die Praxisbörse der KV sucht er für Westend einen Nachmieter und einen Nachfolger. Der Standort ist aus seiner Sicht günstig: barrierefrei, mit Obus-Anschluss, Parkplätze vor der Tür. Allein: "Bislang habe ich niemanden gefunden."

Problematisch könnte es mit der hausärztlichen Versorgung im Oberbarnim Experten zufolge werden, wenn sich weitere Kollegen in den Ruhestand verabschieden. Etliche Mediziner gehören zur Altersklasse 60plus. In Eberswalde wie auch auf dem Lande. Finden sie keinen Nachfolger, könnte es hier und da zu Engpässen kommen.

Sprechzeiten Brandenburgisches Viertel: montags 9 bis 12 Uhr, dienstags 9 bis 13 Uhr sowie donnerstags 9 bis 12 Uhr, Frankfurter Allee 64, Telefon 03334 32040

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