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Gedankenspiele von Staatssekretär Bretschneider zu Schönefeld lösen zwiespältiges Echo aus

"Plan B" für nächtliche Flugrouten

Joachim Eggers / 17.01.2014, 06:13 Uhr
Erkner (MOZ) Auch wenn Berlin sich Brandenburg beim Nachtflugverbot nicht anschließt - und danach sieht es aus - , könnte Erkner bei den Anflügen nachts entlastet werden. Das sehen Überlegungen von Staatssekretär Rainer Bretschneider vor, die indes auf ein geteiltes Echo stoßen.

Mit rund 70 nächtlichen Überflügen über Erkner wäre ohne Nachtflugverbot zu rechnen, sagt Clemens Wolter. Der stellvertretende Bauamtsleiter ist der Spezialist der Stadtverwaltung in Sachen Flughafen Schönefeld. Zu den Maschinen gehören auch Postflüge. "Die Antonow kommt immer zwischen zwei und drei Uhr", weiß der Erkneraner.

Die Überlegung Bretschneiders lautet, den sogenannten Einfädelpunkt nachts von Erkner wegzuverlegen. Das ist der Punkt, von dem an die Flieger sich sozusagen in der Luft hintereinander anstellen, um im geraden Sinkflug auf die Landebahn geführt zu werden. Würde dieser Einfädelpunkt verschoben, wäre Erkner nachts entlastet.

Damit stellt sich natürlich die Frage, wohin dieser Einfädelpunkt käme. Er soll nach den Gedankenspielen Bretschneiders näher an den Flughafen rücken, so dass die Flieger sich bis dorthin stärker verteilen könnten. Es liegt auf der Hand, dass die Belastung, die Erkner damit abgenommen würde, weiter westlich ankäme - zum Beispiel in Rahnsdorf, Friedrichshagen, aber auch in Gosen oder Müggelheim.

Eine zweite Idee Bretschneiders: Die Nord- und Südbahn am BER könnten abwechselnd genutzt werden, der nächtliche Flugverkehr zwischen 23 und 6 Uhr könnte tage- oder wochenweise immer nur über eine der beiden Bahnen laufen. Die Kombination der beiden Vorschläge könnte schon eine erhebliche Entlastung Erkners bringen, schätzt Wolter ein. Ihm schwant allerdings auch: "In Gosen hätte man da bestimmt eine andere Meinung."

Allerdings müssten diese Ideen seiner Meinung nach noch deutlich detaillierter ausgearbeitet werden. In der Schutzgemeinschaft der Umlandgemeinden, der Erkner und Grünheide als einzige Kommunen im Oder-Spree-Kreis angehören, habe man schon darüber gesprochen. "Wir wollen das Land dazu bewegen, das Konzept auszuarbeiten", sagt Wolter. Es würde dabei auch darum gehen, dass die Flugzeuge nicht wie bisher vorgesehen, weit entfernt vom Flughafen auf 3000 Fuß Flughöhe sinken und die letzte Wegstrecke in geringer Höhe und mit entsprechend hohem Lärmpegel am Boden fliegen. Stattdessen könnten sie kontinuierlich sinken. Bei einem gemeinsamen Auftreten in der Fluglärmkommission wäre es dort gegebenenfalls auch möglich, eine Mehrheit für solche Vorschläge zu erreichen. Die Kommission ist indes nur ein beratendes Gremium.

Wolter selbst sieht die ganze Diskussion um Bretschneiders Planspiele zugleich auch als problematisch an. Denn sie werden ja für den Fall angestellt, dass Brandenburg mit dem über ein Volksbegehren erzwungenen Wunsch nach einem umfassenden Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr nicht durchdringt.

Dass es darum gehen müsste, diese Forderung eben auch gegen Berlin durchzusetzen, sieht auch Wolter als oberste Priorität an. Die Bürgerinitiativen der Fluglärmgegner mobilisieren deswegen für dieses Wochenende zu Mahnwachen vor dem Potsdamer Landtag.

Auf dieser Linie argumentiert zum Beispiel auch André Organiska, der Sprecher der Bürgerinitiative Gosener Wiesen. "Ich sehe Bretschneiders Vorschläge als Aktionismus an", sagt er. "Damit wird nur wieder die Flugrouten-Diskussion aufgemacht, unterschiedliche Betroffene werden gegeneinander ausgespielt." Wolter spricht dagegen von einem "Plan B".

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mahlower 17.01.2014 - 17:18:04

BER-Nachtflug & -Nachtflugverbot

BER-Nachtflugfibel: http://www.diethard.de/Fluglaerm/BER-NachtflugFibel.pdf einfach mal lesen!

Steffen Schorcht 17.01.2014 - 07:43:35

Nebelkerze

Nach der falschen Standortwahl, dem Verbrennen von Milliarden von Steuergeldern ist ein Nachtflugverbot von 22.00 – 06.00 Uhr das Minimum. Das Volksbegehren zum Nachtflug hat doch deutlich gemacht, was die Menschen – Wähler - wollen.

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