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Fred Pilarski 22.04.2014 03:05 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

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"Die besten Biberjäger sind Wölfe"

(MOZ) Wulkow b. Booßen. Wenn es um Naturschutz in der Oderregion geht, kommt das Gespräch über kurz oder lang auch immer wieder auf das Thema Biber. Michael Succow, ostdeutscher Naturschutzpionier und Träger des Alternativen Nobelpreises, hatte bei seinem Vortrag eine überraschende Lösung für die mit dem Nager verbundenen Probleme parat. Wo er große Schäden anrichtet, sei eine Regulierung der Bestände ganz unvermeidlich, sagte Succow. Und empfahl für diesen Job die denkbar besten Jäger: Wölfe, natürliche Feinde des Bibers! In Sachsen-Anhalt gebe es auf einem ehemaligen Militärgelände eindeutige Hinweise, dass sich Wölfe darauf spezialisiert haben, Biber zu jagen. Während diese an den Bäumen nagen, beißen ihnen Wölfe ins Genick, so Succow. "Ein schönes Beispiel für Selbstregulierung."

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Der Landschaftspflegeverband Mittlere Oder hatte Succow am Sonnabend in den Wulkower Ökospeicher eingeladen, um vor ehrenamtlichen Naturschützern zu sprechen. Rund 70 Zuhörer waren dort und bekamen zunächst freundliche und ermutigende Worte über die Oderhänge bei Mallnow und Carzig zu hören, wo Succow zuvor einen Spaziergang unternommen hatte. "Hier ist die Heimat nicht verhunzt. Eine Landschaft, die wirklich ist, die Schönheit hat", schwärmt der Naturschützer und lobt das Engagement des Landschaftspflegeverbandes. Wenige Kilometer nördlich allerdings, rund um seinen Heimatort Lüdersdorf bei Wriezen, sehe es völlig anders aus. "Wenn ich als Kind aus dem Fenster schaute, balzten da die Großtrappen. Hier lebten Steinkauz, Wiedehopf, Braunkehlchen." Heute blickt Succow auf riesige Industrie-Agrarflächen mit einer kaum noch vorhandenen Humusschicht, er beobachtet an den Feldrändern Wagenladungen abgekippten Geflügelkots mit Kadavern von Küken aus einer Hähnchenmastanlage. "Ich habe das Gefühl, ein Heimatvertriebener zu sein". In seiner Kindheit habe man das Wasser aus den Fließen noch trinken können - bis die Rinderzuchtanlage ins nahe Schulzendorf kam. Inzwischen seien Teiche und Sölle verdorben, kleine Orchideenwiesen vernichtet. Succows Hoffnung, dass sich nach der Wende in Brandenburg eine neue, bäuerliche Kulturlandschaft durchsetzen könnte, sei "zerschellt".

Es war ein desillusionierter, teils melancholischer, teils zorniger Blick, den Michael Succow auf sein Heimat-Bundesland warf. Succow, der heute in Greifswald lebt und an der Uni lehrt, konstatiert eine "soziale und ökologische Verödung", hervorgerufen durch eine industriell betriebene Landwirtschaft. Anders als der Bauernverband in Mecklenburg-Vorpommern predige der hiesige immer noch "ohne Scham und Reue" die Intensivierung der Landwirtschaft. Bei Brandenburgs nördlichen Nachbarn habe längst ein Umdenken eingesetzt. Nahe Greifswald etwa, berichtet Succow, hätten sich nicht-private Landeigentümer verständigt, ihre Flächen nicht mehr nach dem Höchstgebot zu verpachten. Stattdessen würden von den Bewerbern Konzepte verlangt, in denen ökologische und soziale Leistungen beschrieben sein müssen. Nach ähnlichen Kriterien würden dort auch die letzten BVVG-Flächen vergeben. "Das muss doch auch in diesem Brandenburg zu wecken sein", fordert Succow.

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