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Viola Petersson 02.06.2014 20:15 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Leinen los am Finowkanal

Niederfinow (MOZ) Wasserstraßen im Barnim - alles im Fluss? Dieser Frage gingen am Montag die Bundestagsabgeordneten Stefan Zierke und Gustav Herzog (beide SPD) nach. Im Fokus des Interesses stehen der Finowkanal und das dortige Schleusenregime. Lokale Akteure sehen letzteres in Gefahr.

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Wieder in Betrieb: die Schleuse Stecher. Gerade wurden die Reparaturarbeiten abgeschlossen.

© MOZ/Thomas Burckhardt

Am Ende ihrer Stippvisite an der Schleuse Stecher in Niederfinow steht für Stefan Zierke und Gustav Herzog fest: Ja, es ist im Fluss. In puncto Betrieb und Tourismus auf dem Finowkanal, eine der ältesten künstlichen Wasserstraßen in Deutschland, ist einiges in Bewegung. "Die kommunale Familie hat sich bereits engagiert und sie will es weiterhin tun", resümiert Herzog. Der Druck sei da. Davon habe man sich allein aufgrund des Sanierungsbedarfs an den Schleusen überzeugen können.

Er gehe nach den Gesprächen mit den Akteuren vor Ort, darunter Landrat Bodo Ihrke sowie Eberswaldes Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Tourismus Jan König, davon aus, dass im Herbst das Konzept der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Finowkanal vorliegt. Und dass es spätestens 2015 "beim Bund zu Entscheidungen kommt", so Herzog weiter. Ein klares Votum scheint dringend nötig. Wie die Ausführungen von Hans-Jürgen Heymann, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde (WSA), deutlich machen.

Für 2014 sei der Betrieb der Schleusen zwischen Ruhlsdorf und Liepe noch gesichert. Dank auch des Modellprojektes "Tourismusassistent an den Schleusen des Finowkanals" in Trägerschaft des europäischen Regionalen Fördervereins eRFV. Doch baulich seien die Anlagen in einem teilweise desolaten Zustand. Daran ändere auch die soeben abgeschlossene Instandsetzung, die Reparatur an der Schleuse Stecher nichts. "Das ist nur ein Flicken", so Heymann. Er beziffert den Sanierungsbedarf an den insgesamt zwölf Schleusen auf minimal zwölf Millionen Euro. Eigentlich müsste man aber um die 30 bis 35 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Allein: Ob das WSA im kommenden Jahr überhaupt noch Geld für den Finowkanal zur Verfügung habe, könne er nicht sagen. Der Finowkanal sei bei der jüngsten Kategorisierung der Wasserstraßen sozusagen unter "Sonstiges" eingestuft worden, also unter ferner liefen. "Wir können damit nur noch für den Unterhalt sorgen, weitere Maßnahmen sind nicht möglich", macht Heymann deutlich.

Wobei man die erforderliche Sanierung mit Sicherheit auch in mehreren Etappen realisieren kann, wie Professor Hartmut Ginnow-Merkert, Vorsitzender des in Gründung befindlichen Vereins Unser Finowkanal, sagt. Gern hätte der Verein 2014 wieder durch ehrenamtliches Engagement den Schleusenbetrieb unterstützt, fügt er hinzu. Der Personalrat des WSA habe diese Hilfe aber abgelehnt.

Vorsitzender Michael Reckzeh begründet dies so: Die Zuständigkeit für den Finowkanal liege beim Bund. Betrieb bedeute logischerweise Arbeitsplätze. "Und die Arbeit ist tarifgerecht zu vergüten." Ersetze man sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch ehrenamtliches Engagement, seien der Verdrängung Tür und Tor geöffnet.

Argumente, die Ginnow-Merkert nach eigener Aussage zwar verstehen und nachvollziehen kann, zumindest zum Teil. Aber: "Es gibt nicht nur ein Schwarz oder ein Weiß. Wir brauchen einen Kompromiss, im Interesse des Wassertourismus." Volkmar Ritter, Geschäftsführer des eRFV, schaut sich deshalb gerade im Rahmen des Projektes "Leinen los" in anderen Ländern um. Aktuell sind über seinen Verein zwölf "Verwaltungshelfer" an neun Schleusen im Einsatz. Auf der Basis eines Vertrages mit dem WSA. Die Behörde selbst sichert den Betrieb an den Eingängen (Liepe und Ruhlsdorf) sowie an der Schleuse Stecher.

Bodo Ihrke und Jan König sind sich einig. Eine Lösung für den Finowkanal könne es nur auf der kommunalen Ebene geben. Allein schon aufgrund der Fördermittelpolitik. Die KAG sei derzeit dabei, u. a. die entsprechenden juristischen und strukturellen Schritte vorzubereiten. Wie ernst es den lokalen Akteuren sei, dafür sprächen allein die Investitionen am "Langen Trödel". Die Anrainer investieren dort - mit Hilfe von Zuschüssen aus Brüssel - um die 15 Millionen Euro. Ohne den Eigenanteil der Kreise Barnim und Oberhavel sowie der Kommunen (7,5 Millionen Euro) undenkbar, so Ihrke.

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