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Edition Zwiefach im Kloster Chorin / Künstlergespräch am Ersten Advent

Erinnerung an verstorbenen Kalligrafen

Hinrich Beermann spielt zur Ausstellungseröffnung. Das Bild im Hintergrund entstand nach Musik.
Hinrich Beermann spielt zur Ausstellungseröffnung. Das Bild im Hintergrund entstand nach Musik. © Foto: Andrea Weil
Andrea Weil / 24.11.2014, 22:00 Uhr
Chorin (wei) Kunst, die weit über Buchillustration hinausgeht, hat Linde Kauert von der Edition Zwiefach geschaffen. Im Kloster Chorin ist bis zum 23. Februar eine Auswahl ihrer Werke zu sehen, zusammen mit Kalligrafien von Heinz Hellmis. Bei der Eröffnung von "Seitenweise lose und gebundene Kunst" gedachte Linde Kauert ihres verstorbenen Partners.

"Niemand stirbt, bevor nicht seine Stunde schlägt." Heinz Hellmis war nicht ganz zufrieden mit der Art, wie er dieses Zitat von Michel de Montaigne auf Papier gebracht hatte. Mit der Schere hat er ein Wort ausgeschnitten und einen anderen Tuscheschriftzug eingefügt, das ist in dem Bilderrahmen deutlich zu erkennen. "Heinz war ein alter Meister, der alles mit der Hand gemacht hat", erzählt Linde Kauert.

Das Konzept für die Ausstellung haben die beiden noch gemeinsam entworfen, ihre Vernissage erlebte der 79-Jährige nicht mehr. Die Bilderserie, die Linde Kauert nach seinem Tod im August geschaffen hat, fällt inmitten der farbenfrohen, großformatigen Malereien sofort auf: Schlichte Schwarz-Weiß-Zeichnungen von einem Huhn im Trauerschleier, vom Sensenmann, von Trauer und zugleich schöner Erinnerung geprägt.

"Der Tod nahm ihm die Feder aus der Hand", sagt Kunsthistorikerin Brigitte Hammer in ihrer Laudatio zur Ausstellungseröffnung und würdigt das Lebenswerk des Mannes, der 40 Jahre lang künstlerischer Leiter des Berliner Aufbau-Verlags war: "Heinz Hellmis wollte nicht nur "Druckvorlagen', sondern wirkliche Bilder gestalten."

In Zusammenarbeit mit Linde Kauert sind so in der Edition Zwiefach wertvolle Unikate entstanden. Eines davon, mit Texten von Günter Kunert, kann der Betrachter nur durch das Glas einer Vitrine bewundern. Zu besonderen Anlässen, wie dem Künstlergespräch am ersten Adventssonntag ab 14 Uhr, wird es hervorgeholt. Andere dürfen und sollen durchgeblättert werden, wie der Kalender mit eher unbekannten Märchen der Brüder Grimm.

Wie sich die verschiedenen Künste gegenseitig befruchten, drückt bereits die Vernissage aus: Musiker Hinrich Beermann, inspiriert von Texten des römischen Dichters Ovid, entlockt seinem Saxofon in Eigenkompositionen nie gehörte Töne, vor der Kulisse von Bildern, die Linde Kauert nach Musik malte.

Sonst lässt sich die Künstlerin seit 2004 hauptsächlich von Aphorismen von Gandhi bis Eva Strittmatter und Büchern anregen. Dabei sind ihre Motive keine Illustration, sondern drücken mehr das Gefühl der Textstelle aus. Ihre Figuren verschmelzen mit dem farbigen Hintergrund und miteinander, sind vielschichtige Schimären aus Mensch, Tier und Fabelwesen.

Auch der Ort der Ausstellung ist mit Bedacht gewählt: Brigitte Hammer erinnert an die Mönche, die einst im Kloster Chorin von Hand Texte abschrieben und mit Miniaturzeichnungen versahen. Sogar aus Halle sind Fans der Edition Zwiefach angereist, die die beiden Künstler von der Leipziger Buchmesse kannten.

"Ich habe jeden Text oft gelesen, doch zum Malen lege ich ihn weg", beschreibt Linde Kauert, wie ihre Werke zustande kommen. Sie malt auf Büttenpapier mit lebendigen Farbhintergründen. Einen festen Plan für die Komposition hat sie nie.

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