Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zierkes Lächeln und Lindners Ernst

Partei-Promis XXL: Auf der Wiese in der Friedrich-Ebert-Straße werden unter anderem Sahra Wagenknecht (Die Linke), Christian Lindner(FDP) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) auf großen Werbetafeln in Szene gesetzt.
Partei-Promis XXL: Auf der Wiese in der Friedrich-Ebert-Straße werden unter anderem Sahra Wagenknecht (Die Linke), Christian Lindner(FDP) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) auf großen Werbetafeln in Szene gesetzt. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Marco Marschall / 20.09.2017, 20:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Den Vorwurf der Langeweile mussten sich die Parteien im Bundestagswahlkampf schon häufig anhören. Doch gilt das auch für die Werbung an Laternen und auf Freiflächen? Wir haben mit Eberswalder Werbeexperten gesprochen und waren im Plakatdschungel unterwegs.

Wer begrüßt uns am Tor in die Stadt? Welcher Bundestagskandidat blickt dem Autofahrer hinter dem Ortseingangsschild als Erster entgegen? Aus Richtung Norden sind es gleich mehrere. An zwei Laternen hinter der Brücke über den Oder-Havel-Kanal hängen Stefan Zierke (SPD), Jens Koeppen (CDU) und Detlef Klix (Freie Wähler) - in dieser Reihenfolge von oben nach unten. Und nach der Höhe des Plakats scheint sich auch die Höhe der Mundwinkel zu bemessen. Während Zierke beim Lachen Zähne zeigt, bleibt Koeppens Mund geschlossen. Trotzdem lächelt der CDU-Kandidat mit staatsmännischer Freundlichkeit. Unter ihm sieht es schon trauriger aus. Möglich, dass Detlef Klix ein Lächeln versucht. Doch strahlt er wenig Optimismus aus.

Ist das die Strategie, die auch die FDP mit ihrem ernst dreinschauenden Spitzenkandidaten Christian Lindner fährt? "Der Herr Lindner guckt auf allen Plakaten traurig und überarbeitet", konstatiert Götz Herrmann, Stadtverordneter (Bürgerfraktion) und Inhaber einer Eberswalder Werbefirma. Er findet die FDP-Plakate fachlich gut gemacht, aber für eine Wahl deplatziert. "Es sieht aus wie Werbung für ein Produkt, aber die FDP macht ja Christian Lindner auch zu ihrem Produkt", sagt Herrmann.

Stefan Escher, Inhaber der Werbeagentur One, ist da ähnlicher Auffassung. "Bei der FDP habe ich mich anfangs gefragt, ob sie mir Hemden von H&M verkaufen wollen", sagt er. Die Botschaft habe sich ihm nicht erschlossen. Schwierig findet er auch die auf Großplakaten relativ kleine Schrift.

Im Kontrast zu Lindners Ernst auf den Schwarzweißfotos steht das Lachen seiner Direktkandidatin im Wahlkreis 57. Zwar ist Laura Schieritz ebenfalls stilgetreu ohne Farbe abgelichtet, doch blickt die 19-Jährige um einiges fröhlicher drein. Verschmitzt lächelt auch Linke-Kandidat Andreas Büttner über die Schulter. AfD-Kandidat Steffen John scheint ebenfalls freundlich zu gucken. Nur ist das schwieriger zu erkennen, weil die Partei ihren strammen Karatelehrer samt Oberkörper dafür aber recht klein auf die Plakate gebracht hat.

Die AfD habe aufgrund des blauen Hintergrunds durchaus Wiedererkennungswert, sagt Götz Herrmann. Auch habe die Partei ein freundliches Blau gewählt. Allerdings empfindet er die Plakate insgesamt "grafisch unerträglich". Dazu trage auch die Mischung von blau und rot bei. Aus seiner Sicht ein farbliches Gewirr.

Von den Linken ist Herrmann persönlich enttäuscht. Zwar gebe es meist klare Botschaften, doch seien diese vom Kontrast her schlecht lesbar. SPD und CDU seien in ihrer Plakatwerbung extrem konservativ. Einzig die Grünen wirken auf ihn mit ihren Text-Plakaten sehr frisch. "Die Mischung aus Grün und Magenta hat den Touch des fortschrittlich Jungen", sagt auch Werbefachmann Stefan Escher. Auch die Slogans seien mitunter gewitzt. Allerdings fehle ihm das Kämpferische bei den Grünen.

Viel Platz räumen die Parteien in Nordend auch ihren Kanzlerkandidaten ein. Wenige Meter hinter der Shell-Tankstelle stehen sich Angela Merkel und Martin Schulz auf Großtafeln gegenüber. Fotokünstlerisch interessant findet Stefan Escher das Bild der Amtsinhaberin. "Es fasziniert mich, weil sie da so harmlos auf mich wirkt", sagt er. Generell aber sieht Escher den Wahlkampf über Gesichter auch mit Blick auf die Direktkandidaten kritisch. Natürlich sei das ein probates Mittel. Gesichter fielen stärker ins Auge als Zeichnungen oder reine Slogans. Aus Eschers Sicht aber müsse es eher um Themen gehen als um Personen.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG