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Rekonstuktion nach Erinnerung der Alten

Sven Keller (vorn) und Michael Wolter von der Firma H&K Gartendesign in Brielow bei der Arbeit.
Sven Keller (vorn) und Michael Wolter von der Firma H&K Gartendesign in Brielow bei der Arbeit. © Foto: MZV
Bärbel Kraemer / 23.06.2016, 09:32 Uhr
Wiesenburg (MZV) "Auf dem Friedhof am Stern im Park wurde ab 1881 beerdigt. Curt von Watzdorff war 1881 der Erste, der dort die letzte Ruhestätte fand. Der Letzte war im Sommer 1930 Alexander von Fürstenstein. Graf Alexander starb in Halle, ohne eine Familie gegründet zu haben. Zwei Wochen läuteten jeden Mittag die Kirchenglocken in Wiesenburg und Hagelberg. Mit dem Grafen wurde auch dieser alte Brauch zu Grabe getragen. Die Beisetzung begann auf dem Schlosshof. Alle Betriebsangehörigen nahmen daran teil. Eine Abordnung Husaren spielte Trauermusik. Die Pferde vor dem Leichenwagen wurden unruhig und mussten abgespannt werden. Die Forstbeamten ergriffen die Deichsel und führten den Ehrendienst bis zum Friedhof im Park am Stern durch. Der mit der Familie befreundete ehemalige Kriegsflieger Udet warf vom Flugzeug aus einen Kranz ab, welcher aber sein Ziel verfehlte. Das war die letzte Beerdigung auf dem herrschaftlichen Friedhof. Die Stätte ist nach dem Kriege nicht gepflegt worden", heißt es in den Lebenserinnerungen des Wiesenburger Stellmachers Paul Krüger. Ungepflegt und geplündert lag die Grabanlage der Familie von Watzdorff über sieben Jahrzehnte unbeachtet im hinteren Schlossparkbereich. Neben Alexander von Fürstenstein und Curt Friedrich Ernst von Watzdorff wurde dessen Schwester Elisabeth von Fürstenstein dort begraben. Jetzt lässt der Wiesenburger Parkförderverein das Erbbegräbnis wieder herrichten. Die Gräber wurden aufgemauert und die Wege erhielten bereits eine wasserdurchlässige Decke. Der neue schmiedeeiserne Zaun, der die Anlage umfrieden soll, wird in der Kunstschmiede von Jörg Mählis in Bergholz gebaut.

28.000 Euro lässt sich der Wiesenburger Parkförderverein die Herrichtung der Grabanlage kosten. Im März war Baustart. Im Herbst sollen die Arbeiten beendet werden. "Mittlerweile lässt sich erahnen, wie schön dieser Ort künftig werden wird. Mitte Juli soll die Zaunanlage fertig montiert sein. Mit einem dritten Arbeitseinsatz im Herbst wollen wir dann das Erbbegräbnis pflanzlich vollenden", sagt Parkleiter und Vorstandsmitglied Ulrich Jarke.

Die Instandsetzung der Anlage erfolgt in Abstimmung mit der Denkmalbehörde. Da keine historischen Fotografien existieren, musste man bei der Planung der Rekonstruktion auf die Erinnerungen der Wiesenburger vertrauen. Eine alte Dame gab damals den Hinweis, dass auf dem Wiesenburger Friedhof der gleiche Zaun die Zeit überdauert hätte, wie er einst am Erbbegräbnis derer von Watzdorff zu finden war. Das Vorbild für die Umzäunung war gefunden. Auch bei den Plänen für die Bepflanzung der Gräber wird auf die Erinnerung der Alten vertraut.

Die Restaurierung der Grabanlage durch den Parkförderverein wird bereits seit 2012 angestrebt. Damals stieß man bei Parkpflegearbeiten wenige Meter vom Erbbegräbnis entfernt auf eine vierte Grabkammer, die bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen unbekannt war. Die Untersuchungen der Archäologen ergaben, dass es sich dabei um Kindergrab handelte. Kleine Grabbeigaben wie Milchzähne und einige Perlen konnten gesichert werden. Von menschlichen Überresten fehlte jedoch jede Spur. Die unbekannte Grabkammer hütet damit bis auf den heutigen Tag ein Geheimnis.

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