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Derb, skurril und schonungslos

Wenzel Storch und Gerhard Henschel erzählen lebhaft einen Foto-Roman.
Wenzel Storch und Gerhard Henschel erzählen lebhaft einen Foto-Roman. © Foto: privat
Ute Jahnke / 16.01.2017, 20:43 Uhr - Aktualisiert 17.01.2017, 08:12
Falkensee (MOZ) Lacher ohne Ende im Falkenseer "Kronprinzen": Wenzel Storch ist Drehbuchautor und Regisseur solch skurril-surrealistisch-absurder Low-Budget-Kinofilme wie "Die Reise ins Glück" - die Produktion erstreckte sich auf ganze zehn Jahre. Außerdem ist er Verfasser zweier Bücher, in denen sich alles um Sex und Kirche dreht: "Der Bulldozer Gottes" und "Das ist die Liebe der Prälaten".

Dass seine Werke viele katholische Motive beinhalten, ist darauf zurückzuführen, dass der Hildesheimer Katholik in seiner Kindheit Messdiener war, was ihn offensichtlich stark prägte. Auch wenn er selbst wohl kein Opfer kirchlicher Kinderschänder wurde, so gab es doch etliche Täter in seinem Umfeld. Seine Obsession mit dem Thema ging so weit, dass er begann alte Ministranten-Zeitschriften aus der Nachkriegszeit zu sammeln mit Namen wie "Der Ministrant", "Leuchtfeuer" oder "Unser Guckloch". In der Zeitschrift "konkret' zeigte er dann auf, wie eng diese mit Pop-Art und Pornografie verbunden sind.

Schriftsteller und Ex-"Titanic'-Redakteur Gerhard Henschel, der ihn seit etwa 20 Jahren kennt, erzählte: "Er hat mich dann eines Tages gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm gemeinsam aus den allerscheußlichsten Fotografien aus diesen Ministranten-Zeitschriften der 50er und 60er Jahre Foto-Romane zu gestalten."

Die ersten wurden bereits veröffentlicht. "Diese Zeitschriften wurden größtenteils von Pädophilen hergestellt, was man daran erkennt, dass das beliebteste Foto-Motiv kleine Jungs in kurzen Lederhosen sind. Und sie wurden auch gerne aufgenommen von hinten, wie sie sich nach vorne beugen. Das klingt so unglaublich, wie es in Wirklichkeit auch ist - also völlig geschmacklose, grässliche, katholische Ministranten-Zeitschriften. Und aus dieser irrsinnigen Sammlung heraus haben wir dann die Bilder geschöpft und sie vollkommen neu zusammengestellt zu Foto-Romanen", erläuterte der Germanist.

So entstanden ganze Bilderstrecken, die Storch und Henschel mit neuen, teils zweideutigen, teils eindeutig derb formulierten Texten versahen, welche sie am vergangenen Samstag im Falkenseer "Kronprinz' vor ausverkauftem Haus darboten.

Da gab es dann Geschichten über Orgien mit Messdienern und kirchlichen Würdenträgern bis hin zum Papst: "Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine zündende Idee. Sie will dem Papst eine Knabenüberschuss-Party schenken." Und die kirchliche Designer-Droge "Liquid Oblate" führte dann zu tödlichen Massenschlägereien unter den Messdienern (...).

Bei der nächsten Veranstaltung von "Satire am Abend" am Sonntag, 12. Februar, um 17 Uhr, wird es im "Kronprinz" wohl deutlich weniger derb zugehen. Schriftsteller Matthias Biskupek liest unter anderem aus seinem satirischen Buch "Der Rentnerlehrling - meine 66 Lebensgeschichten", und Gitarristen-Legende Joe Sachse zeigt, warum er auch "Jimi Hendrix der Jazzgitarre" genannt wird. Daher der Titel: "Der Hexenmeister der Gitarre und der Rentnerlehrling. Klänge der uralten Moderne." Infos & Reservierungen unter www.satire-am-abend.de.

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